Sara Wolitzky: Frauenprotest und Widerstand – Kampf für ein neues Amerika (ZDFinfo)

Neues aus der Frauenbewegung

19.03.2021 •

Der Weltfrauentag wird seit 1921 international jährlich am 8. März gefeiert und somit in diesem Jahr zum 100. Mal. Seit 1975 wird der 8. März auch von den UN als „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen“ begangen. Das UN-Motto zum diesjährigen Weltfrauentag ist übrigens ein sehr aktuelles, in die Zukunft gerichtetes, es lautet „Frauen in Führungspositionen: Für eine ebenbürtige Zukunft in einer Covid-19-Welt“.

Das aus diesem Anlass gezeigte Fernsehangebot war jedoch eher am Rand des (linearen) Programms platziert, wie beispielsweise im ZDF drei Dokumentarfilme von Frauen über Frauen; für die Filme aus der Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ hat das ZDF nur Mitternachtstermine übrig (8., 15. und 22. März). Auch im Dritten Programm WDR Fernsehen liefen und laufen noch mehrere anlässlich des Weltfrauentags angekündigte „Dokumentarfilme von starken Regisseurinnen und Produzentinnen mit Frauen im Zentrum der Erzählungen“ erst um kurz nach 23.00 Uhr. Ansonsten verwiesen die Sender gern darauf, dass mehr zum Thema in den Mediatheken abrufbar sei. Immerhin gab es im Programm von 3sat am 8. März (Montag) um 19.20 Uhr die Sendung „Kulturzeit extra: Jahrhundert der Frauen“. Außerdem zeigte der Sender drei Kulturdokumentationen von Frauen über Frauen, gesendet jeweils samstags (27. Februar, 6. und 13. März) von 19.20 bis 20.00 Uhr.

Ebenfalls an einem ziemlich abgelegenen Ort im Programm fand sich im Spartensender ZDFinfo an einem Freitag zur Mittagszeit die Dokumentation „Frauenprotest und Widerstand – Kampf für ein neues Amerika“, ein 45-minütiger Beitrag der amerikanischen Filmemacherin Sara Wolitzky. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit inneramerikanischen Vorgängen aus der jüngsten Vergangenheit. Dabei ist diese amerikanische Frauenbewegung – vorwiegend bekannt geworden unter dem Stichwort „MeToo“ – längst auch in Europa angekommen.

Was in der zurückliegenden Berichterstattung hierzulande über die „MeToo“-Bewegung und ihr Umfeld allerdings immer viel zu kurz gekommen ist, ist die Tatsache ihrer Entstehung in den USA in unmittelbarem Zusammenhang mit dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, als der er am 20. Januar 2017 vereidigt wurde. Das aber ist das zentrale Thema von Wolitzkys Dokumentation, die damit diese Bewegung zu einer hochpolitischen macht. Insbesondere dieser Zusammenhang holt nämlich die Berichterstattung über die neue Frauenbewegung aus der Ecke der bloßen Gesellschafts- und Unterhaltungs(kultur)reportage heraus und stellt sie ins Zentrum der aktuellen Politik.

Denn die neue Frauenbewegung in den USA, so belegt es diese Dokumentation, nahm im November 2016 nach der Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten auf der Internet-Plattform Facebook als Initiative für Frauenrechte ihren Ausgang, die sich alsbald in der realen Welt als „Women’s March“ etablierte. Der erste Marsch fand am 21. Januar 2017, einen Tag nach der Vereidigung und Amtseinführung von Donald Trump, in Washington statt. Seitdem wird er immer wieder an vielen Orten auf der ganzen Welt veranstaltet. Auch Aktionen wie die „#MeToo“-Bewegung, die mit dem Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein im Oktober 2017 ihren Anfang nahm, und „Time’s Up“, eine 2018 in Hollywood gegründete Bewegung gegen die Diskriminierung von Frauen, die ebenfalls gesellschaftliche Missstände im Umgang mit Frauen anprangert, entstanden um diese Zeit und in diesem durch die Trump-Wahl charakterisierten politischen Klima in den Vereinigten Staaten und haben inzwischen weltweite Verbreitung erfahren.

Die Dokumentation setzt als aktuelle Reportage mit dem Präsidentschaftswahlkampf 2016 zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ein und beschreibt im Folgenden die Entstehung der neuen Frauenbewegung – mit Statements ihrer Initiatorinnen, Protagonistinnen und führenden Köpfe, die ausführlich zu Wort kommen. Im Eiltempo streift der Film auch die Geschichte der Frauenbewegung in den USA insgesamt und gibt einen kurzen Rückblick auf die letzten großen Kampagnen aus den 1970er Jahren.

Neben der Herausstellung des Zusammenhangs zur letzten Präsidentenwahl in den USA belegt die Dokumentation noch eine weitere These eindrücklich: nämlich dass es bei dieser jüngsten Frauenbewegung nicht mehr um die Gruppenaktivität einer separat die Interessen ihrer jeweiligen Gruppe berücksichtigenden Initiative handelt, sondern dass sich diese Bewegung mit anderen Initiativen benachteiligter Gruppen – wie beispielsweise der „Black-Lives-Matter“-Bewegung – zum gemeinsamen Handeln entschlossen hat. Durch diesen Zusammenschluss habe der Feminismus, so lautet die These der Dokumentation, auch eine neue Sprache gefunden.

Der Beitrag von Sara Wolitzky schließt damit hierzulande in einem wichtigen Bereich eine Informationslücke, aber er ist in seiner verdichteten, durchaus auch von Polemik durchzogenen Form und mit seinem ausschließlich auf die USA bezogenem Inhalt keine leichte Fernsehkost. Als engagierter Thesenfilm tritt diese bei ZDFinfo drei Tage vor dem 100. Weltfrauentag ausgestrahlte amerikanische Dokumentation rückhaltlos für die Sache der im Jahr 2017 in den USA gestarteten neuen Frauenbewegung ein (Produktion: Verizon Media 2020, deutsche Bearbeitung: Kelvinfilm).

19.03.2021 – Brigitte Knott-Wolf/MK

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