RBB übernimmt ab Januar 2018 vom BR die Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“

10.12.2016 •

10.12.2016 • Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) übernimmt am 1. Januar 2018 die Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“. Bis Ende 2017 stellt noch der Bayerische Rundfunk (BR) von München aus das Magazin her, anschließend geht die Zuständigkeit für die Sendung auf den RBB über, der die Sendung dann von Berlin aus herstellen wird. Auf diesen Wechsel haben sich RBB und BR in einer Absichtserklärung verständigt, wie beide Anstalten am 22. November 2016 mitteilten.

Als Grund dafür, die Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“ abzugeben, verwies der Bayerische Rundfunk auf wirtschaftliche Erwägungen: „Mit Blick auf unsere immer geringeren finanziellen Spielräume haben wir leider keine andere Wahl, als die Federführung abzugeben“, erklärte BR-Intendant Ulrich Wilhelm laut der Sendermitteilung. Die Kosten für die Produktion des „Mittagsmagazins“ trägt der Bayerische Rundfunk allein. Zur Höhe der Kosten machte der BR keine Angaben. Wenn ab 2018 das Magazin aus Berlin kommt, wird der RBB die Produktionskosten komplett finanzieren.

Interne Kritik

Der Bayerische Rundfunk verwies ferner darauf, dass sich seit der 2013 erfolgten Einführung des Rundfunkbeitrags – der an die Stelle der vorherigen gerätebezogenen Rundfunkgebühr trat – innerhalb der ARD „signifikante Verschiebungen“ bei der Finanzkraft der Anstalten ergeben hätten. In der Folge müsse „sich der BR nun stärker einschränken als andere Sender“. Neben Einsparungen in Verwaltung und Produktion komme man „auch um programmliche Einschnitte nicht mehr herum“, so der BR. Vor diesem Hintergrund sei man auf den RBB mit der Frage zugegangen, ob er die Federführung für das ARD-„Mittagsmagazin“ übernehmen wolle, erklärte BR-Intendant Wilhelm am 23. November im Rahmen einer ARD-Pressekonferenz in München.

Innerhalb der Mitarbeiterschaft des Bayerischen Rundfunks ist die Entscheidung, die Produktion des „Mittagsmagazins“ an den RBB abzugeben, dem Vernehmen nach auf deutliche Kritik gestoßen, die sich insbesondere im Intranet des Senders niederschlug. Aus dem BR-Rundfunkrat wurde in dessen öffentlicher Sitzung am 1. Dezember kritisch hinterfragt, inwieweit sich durch diese Entscheidung die Bedeutung und die Rolle des Bayerischen Rundfunks innerhalb des ARD-Programms verändern könne.

Im Oktober 1989 war im Ersten Programm der ARD und im ZDF-Programm ein „Mittagsmagazin“ eingeführt worden, das seither im wöchentlichen Wechsel von der ARD bzw. dem ZDF produziert wird. Das ZDF strahlt in seinem Programm auch das ARD-„Mittagsmagazin“ aus; liegt die Produktion beim ZDF, das die Sendung in Mainz herstellt, dann übernimmt die ARD in ihrem Ersten Programm die Sendung. Innerhalb der ARD erhielt im Jahr 1989 der Bayerische Rundfunk die Zuständigkeit für das „Mittagsmagazin“, die er nun ab Januar 2018 nach dann insgesamt rund 28 Jahren abgeben wird. Leiter der Redaktion des ARD-„Mittagsmagazins“ ist beim BR in München Klemens Hübner. In der Redaktion arbeiten vier fest angestellte Redakteure; hinzu kommen rund 20 feste freie Mitarbeiter. Hauptmoderatorin der Sendung ist Hannelore Fischer. Sie präsentiert das Magazin seit dem Start im Oktober 1989. Vertreten wird sie in der Moderation der Sendung von Stefan Scheider.

Gewinn für den RBB

Die seit Juli dieses Jahres amtierende RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sieht in der künftigen Zuständigkeit für das ARD-„Mittagsmagazin“ einen Gewinn für den Rundfunk Berlin-Brandenburg: „Der RBB will in der ARD mehr Verantwortung übernehmen und Präsenz zeigen. Die Federführung für das erfolgreiche ‘Mittagsmagazin’ bietet uns die Chance, in einer wochentäglichen Live-Sendung neue Akzente aus Berlin und der Hauptstadtregion im Ersten zu setzen. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an.“ Bei der Konzeption des Magazins will der RBB auch mit dem ARD-Hauptstadtstudio zusammenarbeiten, für das der RBB innerhalb des Senderverbunds mit der Federführung betraut ist.

Mit welchem Budget der RBB ab 2018 für die Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“ kalkuliert, dazu konnte sich der RBB auf Nachfrage noch nicht näher äußern. „Wir haben bislang für unsere Planungen einen Finanzkorridor abgesteckt, der aus unserer Sicht realistisch ist und den sich der RBB auch – ohne Hilfe von außen – leisten kann. Ansonsten beginnt die Konzeption der Sendung erst jetzt, so dass wir zum konkreten Kostenrahmen, den Planstellen und Ähnliches noch keine Auskünfte geben können“, erklärte RBB-Sprecher Justus Demmer gegenüber der MK. „Bei einem Neustart nach dann 28 Jahren besteht aber eventuell die Chance, manches auch günstiger als bisher zu produzieren“, so Demmer mit Blick auf den Wechsel der Zuständigkeit für das ARD-„Mittagsmagazin“.

10.12.2016 – vn/MK