Peter Bardehle: Jahrhundertflieger DC-3 – Das erfolgreichste Flugzeug der Welt (ZDFinfo)

Stromlinienförmig

07.09.2018 •

Ohne dieses stromlinienförmige Flugzeug wäre der D-Day, die Landung der alliierten Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie, nicht möglich gewesen. In Erinnerung geblieben ist die DC-3 in Deutschland aber vor allem als „Rosinenbomber“, als Transportflugzeug bei der legendären Berliner Luftbrücke (1948/49). Weniger bekannt ist, dass mit diesem Flugzeug der amerikanischen Douglas Aircraft Company bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts die zivile Luftfahrt zu einer komfortablen Reisemöglichkeit wurde. Weil die robuste DC-3 obendrein auf nahezu jeder Piste landen kann, etwa auch mit Ski-Zusätzen am Fahrwerk versehen, versorgt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Sitz: Bremerhaven) seine Arktis-Expeditionen bis heute mit einer modernisierten Version dieses 70 Jahre alten Flugzeugtyps. Etwa 150 Stück dieser Maschine sind weiterhin flugfähig und es werden sogar noch zwei Linienbetriebe mit der DC-3 betrieben.

Es sind heterogene Aspekte, die Peter Bardehle in seinem Film „Jahrhundertflieger DC-3 – Das erfolgreichste Flugzeug der Welt“ zusammengefasst hat. Die 45-minütige, an einem Samstag zur Primetime im Spartenkanal ZDFinfo ausgestrahlte Dokumentation leistet dabei mehr als nur eine Technikgeschichte für Spezialisten und Flugzeugenthusiasten. In seinem Beitrag versucht Bardehle eine Kulturgeschichte aus der Perspektive eines Fluggeräts zu erzählen. Den thematischen Rahmen bildet dabei das Kurzporträt des Hobbypiloten Hugo Mathys, der sich seine große Leidenschaft für die DC-3 einiges kosten lässt. Restaurieren ließ der wohlhabende Schweizer Unternehmer die historischen Maschinen, die er besitzt, bei der Firma Basler im US-Bundesstaat Wisconsin, in deren Werkstätten und Ersatzteillager der Film interessante Blicke wirft – und dabei ganz nebenbei noch eine junge Flugzeugmechanikerin vorstellt, die hier an Fliegern schraubt.

Parallel zu dieser gelungenen Verklammerung zwischen Nostalgie und Gegenwart zeichnet Peter Bardehle in groben Zügen auch noch die Historie der zivilen Luftfahrt nach, die dank der DC-3 Mitte der 1930er Jahre ihren großen Aufschwung nahm. Erstmals konnte man damals in fünfzehn Stunden von New York nach Los Angeles gelangen. Was heute nicht mehr so sensationell klingt, bedeutete für damalige Passagiere einen enormen Zeitvorteil. Doch den konnten sich seinerzeit fast nur Hollywood-Stars leisten. Denn ein Flug kostete etwa zwei herkömmliche Monatslöhne. Die Dokumentation spart hier nicht mit interessanten Details: So war die DC-3 der erste Passagierflieger „mit getrennten Toiletten“.

Als es um Thematisierung des Zweiten Weltkriegs und hier des D-Days geht – über den es 2014 angesichts seines 70. Jahrestags zahlreiche Dokumentationen gab – vermag der Film in diesem Zusammenhang mit dem Fokus auf der DC-3 einige Aspekte der Strategie der alliierten Streitkräfte hervorheben, die man so noch nicht kannte. Man kann anschließend gut nachvollziehen, warum der US-General und spätere amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower den Einsatz des bewährten Fluggeräts als „kriegsentscheidend“ hervorhob. Die Dokumentation fasst daraufhin die logistische Meisterleistung bei der Berliner Luftbrücke zusammen und erinnert anschließend daran, dass die DC-3 auch noch in den späten 1960er Jahren beim Krieg in Fernost eingesetzt wurde: „In Vietnam bringt sie keine Schokolade, sondern den Tod“, heißt es im Off-Kommentar. Der Film greift hier verstärkt auf illustrierende Archivbilder zurück und erscheint daher nicht mehr so lebendig wie im ersten Abschnitt, in dem reportageartig beobachtet wurde, wie der Schweizer Multimillionär Hugo Mathys allein für die Reparatur eines der beiden Flugzeugmotoren einer DC-3 stolze 50.000 Dollar hinblättert.

Der kurzweilige Film ist informativ und dabei im großen und ganzen durchaus interessant. Im Zuge des konventionellen Wechsels zwischen Experteninterviews, Gesprächen mit Zeitzeugen und Archivmaterialien verdichtet sich am Ende allerdings der Gesamteindruck eines typischen ZDFinfo-Beitrags. Der Film bietet zerstreuendes Infotainment mit einem gewissen Mehrwert; beim Zusehen entsteht jedoch der Eindruck, dass die Formatierung die Perspektive etwas einschränkt. So ist der Beitrag über den „Jahrhundertflieger DC-3“ (Produktion: Vidicom Media und Title Entertainment) fraglos eine ordentlich gemachte, wissensvermittelnde Historiendokumentation. Dem Thema des Flugzeugs entsprechend bleibt aber bei diesem Film insgesamt der Eindruck einer gewissen Stromlinienförmigkeit.

07.09.2018 – Manfred Riepe/MK