Oliver Schwabe: Being David Hasselhoff (Arte)

Entspanntheit im Umgang mit dem eigenen Mythos

05.09.2019 •

Man muss sich David Hasselhoff als glücklichen Menschen vorstellen. Als einen, dessen Karriere durch teils unglaubliche Zufälle befördert wurde. Aber eben auch als einen, der sich (fast) nie zu schade für etwas war, der die Gelegenheit beim Schopf zu packen wusste und der die große Gabe besitzt, in allem das Positive zu sehen.

Oliver Schwabes bei Arte ausgestrahlte Dokumentation „Being David Hasselhoff“ (Spoonfilm Medienproduktion) verfolgt einen ebenso originellen wie gelungenen Ansatz. Der einzige Gesprächspartner in dem rund 55-minütigen Film über den US-amerikanischen Schauspieler und Sänger ist: David Hasselhoff. Keine Angehörigen, keine Wegbegleiter, keine Zeitzeugen kommen zu Wort – nur der größte David-Hasselhoff-Experte von allen, Hasselhoff selbst.

Und dieses Konzept ist deutlich kurzweiliger, als man auf den ersten Blick vielleicht meinen möchte. Denn der 67-Jährige ist eine wahre Rampensau, einer, der sich und seine Storys genießt und solchen Spaß beim Erzählen hat, dass sich die gute Laune auch auf den Zuschauer überträgt. Klar, eitel ist der Star auch – und wie! Doch da „The Hoff“ zugleich über die Gabe verfügt, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, da er mit einem milden Blick auf sich und die Welt blickt und sich überzeugend als bodenständiger Typ von nebenan zu präsentieren weiß, ergibt das ein durchaus sympathisches, vor allem aber unterhaltsames Gesamtpaket.

Illustriert werden die Erzählungen und Anekdoten des Popstars, der ja längst Kultstatus erreicht hat, durch üppig eingesetztes, teils nostalgisch stimmendes Archivmaterial aus einer sehr offensichtlich untergegangenen Epoche: In den 1980er und 1990er Jahren erlebte Hasselhoff mit den Serien „Knight Rider“ und „Baywatch“ und dem 1989 veröffentlichten Song „Looking for Freedom“ die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Der Zufall wollte es, dass „Looking for Freedom“ genau zu der Zeit veröffentlicht wurde, als in Berlin die Mauer fiel. Dadurch wurde das Lied gleich auch zur „Freiheitshymne“ geadelt. Das sei wirklich völlig unverhofft geschehen, betont Hasselhoff. Und zu sehen sind dann natürlich auch die Bilder, wie er in seiner von einer Lichterkette umwickelten Lederjacke, wie er an Silvester 1989 an der zerstörten Berliner Mauer seinen berühmtesten Song zum Besten gab.

Größeren Raum nimmt in dem Filmporträt der spezielle Anteil der deutschen und gerade auch der österreichischen Hasselhoff-Fans an dessen Aufstieg ein. Völlig zufällig habe er beispielsweise davon erfahren, dass sein in den USA gefloppter Song „Night Rocker“ aus dem Jahr 1985 in Österreich auf Platz 1 der Charts stehe, so Hasselhoff. Daraufhin hätten er und sein Manager innerhalb von zwei Wochen eine Österreich-Tournee auf die Beine gestellt. Wunderbar auch die Anekdote, die Hasselhoff, der nach der ersten „Baywatch“-Staffel auch als Produzent bei der Serie einstieg, über die Dreharbeiten erzählt: Weil sie aus finanziellen Gründen zwei Minuten pro Folge zu wenig gedreht hatten, beschlossen sie kurzerhand, das Ganze zu strecken, in dem sie ihn im Vorspann in Zeitlupe den Strand entlangrennen ließen: „So stimmte die Länge!“ – und Slow Motion wurde zum Markenzeichen der Serie. Wieder so ein Zufall.

Es sind diese Entspanntheit im Umgang mit dem eigenen Mythos und der eigenen öffentlichen Person, ein großes Selbstbewusstsein und seine Selbstironie, die Hasselhoff hier zu einem so vergnüglichen Conférencier in eigener Sache machen. Hin und wieder schürft er dann tatsächlich auch mal tiefer, wenn er etwa die Überlegung anstellt, dass man sich selbst nicht verändere, wenn man berühmt werde – sich dagegen aber alle um einen herum veränderten. Autor und Regisseur Oliver Schwabe – der zuletzt auch den Kinofilm „Asi mit Niwoh – Die Jürgen Zeltinger Geschichte“ über den gleichnamigen Kölner Musiker drehte – gebührt zunächst einmal das nicht geringe Verdienst, David Hasselhoff eine Bühne bereitet zu haben, die dieser dann ziemlich souverän bespielt. Natürlich aber ist es nicht so einfach, wie das Ganze vielleicht auf den ersten Blick wirkt. Dass es so gut geworden ist, hängt dann auch damit zusammen, dass Oliver Schwabe David Hasselhoff die richtigen Fragen gestellt und die interessanten Aspekte von dessen Werdegang herausgearbeitet hat. Und dass er schließlich die mutmaßlich stundenlangen Aufnahmen mit der Plaudertasche Hasselhoff in Kombination mit den gekonnt und witzig ausgewählten Archivbildern zu einer interessanten Dramaturgie und schlüssigen Erzählung sortiert hat.

Vom reichlich vorhandenen Tratsch und Klatsch rund um den Sänger und Schauspieler hält sich der Filmemacher dabei übrigens in wohltuender Weise fern. So wurde dieser vom RBB für das Arte-Programm zugelieferte Film eine alles in allem ebenso vergnügliche wie gelungene Annäherung an einen Popstar, der sein Dasein als Relikt einer versunkenen Epoche noch immer geschickt zu vermarkten weiß.

05.09.2019 – Katharina Zeckau/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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