Noch mehr und noch mehr: Eine Nachbetrachtung zu den Olympischen Spielen von Tokio im Fernsehen

27.08.2021 •

Sicher, vieles an diesen Olympischen Sommerspielen, die am 23. Juli eröffnet wurden und am 8. August zu Ende gingen, fiel denkbar merkwürdig aus. Was war alles merkwürdig? Beispielsweise, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Veranstaltung ein Jahr nach der ursprünglichen Ansetzung gegen den Protest vieler Menschen in Tokio und Umgebung, wo die Spiele trotz Pandemie ausgetragen wurden, durchgesetzt hatte und sie dann trotzig weiterhin mit der alten Jahreszahl 2020 schmückte.

Beispielsweise, dass die örtlichen Corona-Schutzverordnungen dazu führten, dass keine Zuschauer in den Stadien und an den Sportstätten sein durften, man also auf den Tribünen nur mehr oder weniger ordentlich maskierte Olympia-Funktionäre sah, während die Sitzplätze im Olympiastadion derart drapiert waren, dass visuell die Leere nicht auffiel. Beispielsweise, dass das IOC dafür sorgte, dass alles Kritische weitgehend ausgeblendet blieb, nicht zuletzt weil die Fernsehsender, die von den Spielen berichteten, die IOC-genehme, auf Spektakel und Emotionen setzende Regie des Weltbildes weitgehend übernehmen mussten. Die Schattenseiten des Sports, zu denen das leidige Thema Doping gehört, aber auch politische Themen, blieben dadurch größtenteils außen vor.

All das führte zu merkwürdig aseptischen Spielen, die gleichsam extraterritorial stattfanden, in die das reale Leben von Tokio nur als Tonstörung hineindrängte, zum Beispiel wenn man etwas vom Verkehrslärm außerhalb der Stadien hörte, der nicht wie sonst vom Geräusch der Zuschaueratmosphäre übertönt wurde. Aseptische Spiele, die aber in Deutschland von ARD und ZDF auf der einen und Eurosport auf der anderen Seite mit jenem hohen Aufwand und jener zeitlichen Dauer übertragen wurden, der sich seit mehr als 20 Jahren als Standard eingebürgert hat.

Das Dauergrinsen eines ARD‑Moderators

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wechselten sich bei den Übertragungen wie gewohnt tageweise ab. Sie begannen in ihren Hauptprogrammen nachts gegen 3.00 Uhr, wenn am Morgen japanischer Zeit die Wettkämpfe starteten, und sie setzten die Berichterstattung bis gegen 17.00 Uhr fort, wenn in der japanischen Nacht die letzten Wettkämpfe endeten. Online konnte man über die Mediatheken von ARD und ZDF ebenfalls abwechselnd jene Wettbewerbe live sehen, die in den Hauptprogrammen wegen attraktiver Konkurrenz nicht übertragen wurden. Einige dieser Live-Bilder wurden kommentiert, wobei sich ARD und ZDF hier auch nach Sportarten abwechselten und nicht nach Tagen, so dass man an einem ARD-Fernsehtag online den ZDF-Mann Béla Réthy eine Hockeyübertragung oder den ARD-Mann Bernd Schmelzer an einem ZDF-Tag ein Fußballspiel kommentieren hörte. Andere Live-Bilder waren nur mit dem jeweiligen Originalton versehen, was durchaus auch seinen Reiz besaß. Gut auch die Archivfunktion, mit der man noch Zugriff auf Live-Übertragungen hatte, die man etwa in der Nacht verpasst hatte. Hier zeigte sich die Stärke einer gut strukturierten Mediathek, die das laufende Programm ergänzt und das Verpasste zugänglich hält.

Dass die stundenlangen Live-Übertragungen im Ersten Programm der ARD und im ZDF dann doch eine irgendwie geartete Binnenstruktur aufwiesen, erkannte man nur daran, dass gefühlt alle halbe Stunde derselbe Sponsorhinweis der Sparkassen-Finanzgruppe über den Bildschirm lief. Hinzu kamen an Werktagen kleinere Reklameblöcke (vor 20.00 Uhr), die prompt die Frage provozierten, ob das öffentlich-rechtliche System ihrer wirklich bedürfe und ob es nicht ohne besser, da eindeutig nicht-kommerziell dastünde.

In der Moderation wechselten sich im Ersten Jessy Wellmer und Alexander Bommes und beim ZDF Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne ab. Sie hatten keinen leichten Job, als sie da über Stunden aus dem Studio in Tokio das Geschehen zusammenfassten, zu den Live-Übertragungen diverser Sportarten überleiteten und Interviews mit deutschen Sportlerinnen und Sportlern führten. Das verlangte eine große Kenntnis der Fachtermini, der Namen der wichtigsten Personen, der Regeln und der sportlichen Verfahrensweisen ab.

Angesichts dieser enormen Aufgabe machten sie ihre Sache nicht schlecht. Ohne Bastian Schweinsteiger, der jüngst bei den Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft an ihrer Seite stand (vgl. MK-Artikel), wirkte Jessy Wellmer deutlich gelöster, auch wenn man über manche ihrer burschikosen Formulierungen geteilter Meinung sein konnte. Rudi Cerne, der sich als ehemaliger Spitzensportler (unter anderem auch Olympia-Teilnehmer als Eiskunstläufer) noch am besten in die Situation der Athleten, die er zu befragen hat, einfühlen kann, wirkte sehr souverän, auch wenn ihm nicht jedes Interview gelang. Alexander Bommes konnte einem mit seinem leichten Dauergrinsen, das eine falsche Souveränität signalisiert, spätestens ab der zweiten Stunde eines Übertragungstages auf die Nerven gehen. Katrin Müller-Hohenstein merkte man mitunter die Anstrengungen des Tages an, wenn sich die Ereignisse überschlugen und viele Namen und Daten von ihr rekapituliert werden mussten.

Ein kleiner randständiger Sender

Dass sowohl ARD und ZDF als auch der Privatsender Eurosport Olympische Spiele übertragen, ist nicht ungewöhnlich; sie teilen sich seit vielen Jahren die Rechte. Nominell haben sich aber die Gewichte verschoben. Zur Erinnerung: Der Mutterkonzern von Eurosport, das US-Medienunternehmen Discovery, hatte 2015 die Rechte an den folgenden Olympischen Spielen der Jahre 2018 bis 2024 komplett erworben, als es auf den massiven Ausbau seiner Sportprogramme setzte (vgl. MK-Artikel). Anfangs schien es so, als würden ARD und ZDF da nur noch kleinere Rechtepakete als Sublizenzen erwerben können.

Doch von der großen Marktoffensive von Eurosport – zu der ja auch 2018/19 der Erwerb von Live-Rechten an Spielen der Fußball-Bundesliga gehörte – ist nicht mehr viel übriggeblieben. Eurosport ist, auch wenn man sich den Slogan „Home of the Olympics“ gegeben hat, wieder der kleine randständige Sender, der er seit seiner Gründung 1989 gewesen ist. Und ARD und ZDF haben über Sublizenzen (vgl. MK-Meldung) dann im Grunde praktisch dasselbe Rechtepaket erworben, als wenn sie dieses direkt beim IOC ersteigert hätten, und sie konnten somit sehr umfangreich über die Spiele von Tokio übertragen.

Eurosport sendete in seinem Hauptprogramm, das kostenfrei nur in Standardauflösung (SD) und also nicht in HD ausgestrahlt wird, rund um die Uhr. Ruhten die Wettbewerbe in Tokio und Umgebung, gab es in diesem Hauptprogramm, das den Namenszusatz „1“ hat, Zusammenfassungen und Hintergrundberichte. Bei der kostenpflichtigen Streaming-Plattform Joyn, an der Discovery (neben Pro Sieben Sat 1) beteiligt ist, konnte man die Wettbewerbe verfolgen, die von Eurosport 1 nicht live übertragen wurden. Zudem konnte man beim ebenfalls kostenpflichtigen Sport-Streaming-Portal DAZN neben Eurosport 1 auch Eurosport 2, ebenfalls mit Olympia-Übertragungen, in HD-Qualität sehen. Bei Eurosport 1 moderierten jeweils paarweise Anna Kraft und Oliver Sequenz sowie Birgit Nössing und Wolfgang Nadvornik das Geschehen. Sie saßen aber anders als ihre Kollegen von ARD und ZDF nicht in Tokio im Studio, sondern in München; das ließ sie auch dank der Doppelmoderation mitunter wacher als die Konkurrenz erscheinen.

In Zeiten der Corona-Pandemie

Auch viele der Eurosport-Kommentatoren verfolgten das Geschehen aus der Ferne, also am Bildschirm und nicht live vor Ort. Das verstärkte den aseptischen Eindruck dieser Fernseh-Spiele, bei denen bis in die Ansetzung der Wettbewerbe hinein der Einfluss der übertragenden und also das Spektakel finanzierenden Sender zu spüren war. So fanden die Schwimm-Entscheidungen am japanischen Morgen, also nachts deutscher Zeit statt, damit aber so, dass sie live zur Primetime in den USA zu sehen waren, wo sich das Network NBC für Milliarden Dollar langfristige Olympia-Übertragungsrechte gesichert hat.

Bei manchen Sportarten führte diese fernsehgesteuerte Art des Zeitplans dazu, dass Wettbewerbe zur Mittagszeit in Tokio angesetzt wurden, wenn dort im Juli und August Temperaturen über 30 Grad Celsius bei einer enormen Luftfeuchtigkeit herrschen, was die Sportler an ihre körperliche Belastungsgrenze und darüber hinaus trieb. Als 1964 zum ersten Mal Olympische Sommerspiele in Tokio stattfanden, waren sie wegen der meteorologischen Verhältnisse im Sommer in den Oktober verlegt worden. Auf so etwas wie die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler nimmt das IOC als Veranstalter aber schon seit längerem keine Rücksicht mehr, so wie es die Ausrichtung der Spiele in diesem Jahr trotz der weiterhin währenden Corona-Pandemie gegen alle Bedenken durchgesetzt hatte. In der ersten Woche der Spiele stiegen die Inzidenzzahlen in Japan deutlich an. Einen Zusammenhang mit Olympia, das ja viele Menschen aus aller Welt nach Japan brachte, wollte das IOC nicht sehen.

Das IOC will spektakuläre Bilder

Zu beobachten war auch, dass das IOC vor allem die Sportarten neu ins olympische Programm aufgenommen hat, die spektakuläre Bilder bedeuteten, wie sie das BMX-Radfahren, das Skateboarden oder das Windsurfen liefern, oder die kurzweilige Begegnungen versprechen, wie sie das 3x3-Basketballspiel hervorbringt. Sportarten zudem, die noch deutlicher der Jugendkultur zuzurechnen sind. Bei den Skateboard-Wettbewerben gab es denn auch eine Olympiasiegerin wie die Japanerin Momiji Nishiya, die gerade einmal 13 Jahre alt war und die in der Disziplin Street knapp vor der ebenfalls 13-jährigen Brasilianerin Rayassa Leal gewann.

Das Fernsehweltbild der Spiele von Tokio wurde von der Firma Olympic Broadcasting Services (OBS) produziert. Sie ist eine hundertprozentige Tochter des IOC. (ARD und ZDF fügten diesem Weltbild nur wenige eigene Bilder bei, zumeist Interview-Passagen von den Wettkampfstätten.) In der Live-Regie legt das OBS, wie erwähnt, einen großen Wert auf Emotionen. Bei den Turnwettbewerben etwa war denn auch auf einer den offiziellen IOC-Banden der Slogan „United by Emotion“ zwischen den Olympia-Ringen zu lesen.

Im Rückblick dominierten die Bilder, in denen Sieger um ihre Fassung ringen, wenn ihre Körper nach dem Gewinn zusammenbrechen, als sei alle Kraft aus ihnen gewichen, wenn sie die Hände vors Gesicht schlagen, weil sie’s kaum fassen können, wenn die Tränen fließen und der Oberkörper ob des Schluchzens zuckt. Man spürte förmlich die Enttäuschung der Live-Regie, wenn jemand den Sieg nur mit einem Lächeln, wenn nicht gar mit einem Schulterzucken quittierte. Die Szenen der mimischen Exaltationen fielen auch deshalb besonders auf, weil die Gesichter abseits der unmittelbaren sportlichen Aktionen stets mit Corona-Masken bedeckt waren und also stets emotionslos wirkten. Die Sportler durften einzig nach der Siegerehrung fürs Posieren mit den Medaillen für die Pressefotografen und, wenn der Abstand groß genug war, bei Interviews für Fernsehsender die Masken kurz abnehmen.

Die, die nicht siegten

Zum anderen ging die Regie des Weltbildes mit denen, die nicht siegten oder keine Medaille gewannen, geradezu schnöde um. Beim Schwimmen wurden zum Schluss nach dem Anschlagen nur die Namen der jeweils drei Erstplatzierten eingeblendet; wer noch dabei war, wurde nicht einmal erwähnt. Auch bei den anderen Wettbewerben wurden all diejenigen, die selbst vierte oder fünfte Plätze erreicht hatten, zu Nebenfiguren degradiert. Dass dabei sein alles ist, wie eine berühmte olympischen Devise verspricht, hat der Veranstalter IOC mit seinen Anweisungen an die das Weltbild produzierende Firma längst ins Gegenteil verkehrt: Es zählen nur die Sieger, alle anderen werden gleichsam ausgeblendet.

Ansonsten hatte die Weltregie die Zahl der Kameras weiter erhöht. Beim Wildwasserkanu hatte man das Gefühl, man erfasste jeden Meter des Parcours aus einer eigenen Perspektive. Bei der Vierer-Verfolgung im Bahnradfahren sah man sogar Bilder, die von einer Kamera stammten, die am Rennrad eines der vier Sportler installiert war. Beim Turnen gab es mehrfach eine aus den vielen Kameraeinstellungen errechnete virtuelle Fahrt um den jeweiligen Sportler herum, dessen Bewegung stillgestellt wurde. Auch hier galt also die neue Maxime des IOC: Mehr, noch mehr und noch mehr vielfältige Fernsehbilder auf noch mehr Sendern und Kanälen.

Den Nachteil der Omnipräsenz von Kameras und Mikrofonen mussten vor allem auch deutsche Trainer und Funktionäre verspüren. Beim Straßen-Zeitfahren der Männer war der Radsportfunktionär Patrick Moster aufgenommen worden, als er einem der deutschen Fahrer hinterherrief, er solle die vor ihm radelnden „Kameltreiber“ einholen; gemeint waren damit ein Algerier und ein Eritreer. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beließ es zunächst bei einer Ermahnung des Funktionärs, der sich im „im Eifer des Gefechts“ in der Wortwahl geirrt haben wollte; erst nach lautem öffentlichen Protest schickte der Verband den Mann nach Hause. Beim Modernen Fünfkampf sah man im Live-Bild, wie die Trainerin Kim Raisner das Pferd, das der deutschen Sportlerin Annika Schleu – wie in diesem Wettbewerb üblich – zugelost worden war, mit der Faust schlug, nachdem es mehrfach den Sprung über die Hindernisse verweigert hatte. Auch das eines der unvergesslichen Bilder, wie die bis dahin führende Annika Schleu mit tränenüberströmtem Gesicht das Pferd mit der Gerte schlägt, um es zu etwas zu zwingen, was es sichtlich nicht will. Trainerin Kim Raisner wurde anschließend von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Olympische Stimmung

Dass vieles, wie anfangs geschildert, gegen diese Sommerspiele sprach, dieses Gefühl hatte man vor allem während der ersten Wettbewerbstage. Aber dann geschah es spätestens mit dem 1. August, dass so etwas wie olympische Stimmung vor dem Fernsehgerät aufkam, die den Eindruck der aseptischen Spiele verdrängte. An diesem Tag gab es am Vormittag deutscher Zeit die Live-Übertragung des Tennis-Endspiels der Herren. Zwei Tage zuvor hatte der Deutsche Alexander Zverev in einem begeisternden Halbfinalmatch den derzeit weltbesten Tennisspieler Novak Djokovic aus Serbien, der bis dahin alle drei Grand-Slam-Turniere dieses Jahres gewonnen hatte, in drei Sätzen geschlagen. Nun stand Zverev im Endspiel Karen Khachanov gegenüber, der für die Mannschaft des Russischen Olympischen Komitees antrat: Unter diesem Namen (englisch abgekürzt: ROC) nahmen die russischen Sportler in Tokio teil, weil sie nicht unter dem Namen ihres Landes antreten dürfen, da Russland wegen systematischen Dopings vom IOC bestraft worden war (was im Übrigen einer dieser großen Selbstwidersprüche ist, die das IOC am laufenden Band generiert).

Alexander Zverev ließ im Finalmatch seinem russischen Gegner keine Chance, dominierte ihn bei fast allen Ballwechseln und gewann mit 6:3 und 6:1. Das bedeutete die erste Goldmedaille für Deutschland beim Tennis im Einzel der Herren. Wer das Endspiel bei Eurosport 1 sah (via Internet leicht zeitversetzt zur ZDF-Übertragung), erlebte es auch aus der Perspektive von Zverevs Bruder Mischa mit, der für Eurosport als Co-Kommentator im Tennis agierte. Wie er mitfieberte, wie er die Taktik seines Bruders erläuterte und doch immer mal wieder von dessen sensationellen Schlägen überrascht wurde, das war schon etwas Besonderes.

Besondere, begeisternde Momente

Am Nachmittag deutscher Zeit gab es an diesem Tag besondere Leichtathletik-Entscheidungen. In ihrem letzten Versuch erzielte Yulimar Rojas aus Venezuela mit 15,67 Meter im Dreisprung der Frauen einen neuen Weltrekord und gewann damit Gold. Man sah der Sportlerin an, wie sich die Überraschung über die eigene sensationelle Leistung und die Freude über den Olympiasieg mischten. Beim Hochsprung der Männer verständigten sich vor den Kameras Gianmarco Tamberi aus Italien und Mutaz Essa Barshim aus Katar, die bei derselben Anzahl an Fehlversuchen 2,37 Meter übersprungen hatten, darauf, auf ein Ausscheidungsspringen um Gold zu verzichten, so dass sie sich beide den ersten Platz kameradschaftlich teilten. Nachdem sie sich darauf geeinigt hatten, tanzten die beiden Arm in Arm über die Laufbahn, auf der wenig später sensationell der Italiener Lamont Marcell Jacobs den 100-Meter-Lauf der Männer in neuem Europarekord von 9,80 Sekunden gewann. Wenig später riss ihn der italienische Hochsprungkollege und Mannschaftskamerad Tamberi fast um, als er auf ihn zulief und den Landsmann umarmte.

All das waren besondere Momente, die in Erinnerung bleiben werden und die fast vergessen lassen, dass diesen Olympischen Spielen die Zuschauer vor Ort fehlten. Sie erst hätten mit ihrer Freude und Begeisterung diese weitgehend aseptischen Fernseh-Spiele zum bewegenden sportlichen Großereignis geadelt. Dass sie in den Stadien und an den Spielstätten fehlten, was die Live-Regie immer wieder vergessen zu machen versuchte, daran erinnerte dankenswerterweise bei der fast 140 Minuten währenden Übertragung der Abschlussfeier am 8. August Uwe Schwering (NDR), der Asien-Korrespondent und Leiter des ARD-Studios Tokio, der die Live-Übertragung zusammen mit seinem Sportreporterkollegen Ralf Scholt (HR) für das Erste kommentierte. Schwering sagte, wie schade es gewesen sei, dass die Menschen in Japan, die diese Spiele finanziell, organisatorisch und mit ihren Hilfen erst ermöglicht hatten, eben diesen Spielen nicht beiwohnen konnten. „Es hätten wirklich tolle Spiele werden können!“, war sein Schlusswort. Dem ist nichts hinzuzufügen.

27.08.2021 – Dietrich Leder/MK

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