Medienaufsicht beanstandet Werbeverstoß in der Nachrichtensendung „RTL aktuell“

07.02.2021 •

Die Medienaufsicht hat im Programm des privaten Fernsehsenders RTL einen Verstoß gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm festgestellt. Am 26. August 2020 sei in der Nachrichtensendung „RTL aktuell“ ein moderativer Hinweis auf die aktuelle Ausgabe des Wochenmagazins „Stern“ ausgestrahlt worden, teilte die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) am 25. Januar mit, und „diese Werbung wurde nicht angemessen vom Programm abgesetzt“, so die Aufsichtsbehörde, bei der RTL (Köln) lizenziert ist. Der Sender habe somit gegen die Bestimmung des Medienstaatsvertrags verstoßen, gemäß der Werbung als solche leicht erkennbar und vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar sein muss. Das Magazin „Stern“ wird vom Hamburger Verlag Gruner + Jahr herausgegeben, der wie der Sender RTL zum Bertelsmann-Konzern in Gütersloh gehört.

Am 18. Januar hatte die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedien­anstalten den Werbeverstoß festgestellt. Aufgabe der für RTL zuständigen und in Hannover ansässigen NLM war es dann, die Beanstandung dem Sender über einen entsprechenden Bescheid mitzuteilen. Bei dem Fall – auf den die Medienaufsicht Ende August 2020 von der MK aufmerksam gemacht worden war – ging es konkret um eine Äußerung von „RTL-aktuell“-Moderator Peter Kloeppel nach einem in der Nachrichtensendung ausgestrahlten Beitrag, der die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft vor den US-Präsidentschaftswahlen im November 2020 thematisierte. Anlass für den Bericht war das Foto-Projekt „Divided We Stand“ eines Schweizer Fotografen-Ehepaares, das über Porträts von Menschen die Stimmung in den USA eingefangen hatte (vgl. MK-Meldung).

Solingen-Berichterstattung ebenfalls gerügt

Nach dem Ende des Beitrags in „RTL aktuell“ sagte Moderator Peter Kloeppel: „Einige Menschen aus dem Foto-Projekt kommen auch in der neuen, jetzt erscheinenden Ausgabe des ‘Stern’ zu Wort, unter dem Titel ‘Die zerrissenen Staaten von Amerika’.“ Die „Stern“-Ausgabe, die einen Tag später am 27. August 2020 erschien, enthielt dann neben der genannten Titelgeschichte auch eine „große Foto-Reportage“ zu „Divided We Stand“. RTL erklärte damals auf Nachfrage, der Sender habe die Gelegenheit gehabt, das Material vom „Stern“ für das Fernsehen auszuwerten. Es gehöre wie bei jeder Quellenangabe dazu, „zu erwähnen, woher das Material stammt“.

Dass die Medienaufsicht nun einen Werbeverstoß festgestellt hat, will RTL akzeptieren und keine Rechtsmittel einlegen, auch wenn der Sender nicht der Auffassung ist, dass ein solcher Verweis wie der nun beanstandete medienrechtlich problematisch ist: „Über die korrekte Formulierung von redaktionellen Quellenhinweisen kann man trefflich streiten. Muss man aber nicht. Wir nehmen daher die Aufsichtspraxis der ZAK zu Kenntnis, bedauern allerdings, dass man sich der von uns angeregten Abstimmung einer einheitlichen Aufsichtspraxis mit den Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mehrheitlich verschlossen hat“, erklärte eine RTL-Sprecherin auf MK-Nachfrage. Der Sender spielt damit offenbar darauf an, dass es auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Informationssendungen etwa Hinweise auf den Kinostart von Produktionen gibt, an denen die Sender beteiligt sind.

Bereits am 12. Januar beanstandete die NLM bei RTL einen Verstoß gegen die journalistischen Grundsätze, ebenfalls nachdem die ZAK einen diesbezüglichen Beschluss gefasst hatte. In dem Fall ging es um einen Beitrag des Senders vom 4. September 2020 über die tags zuvor bekannt gewordene Tat einer Mutter, die in Solingen fünf ihrer sechs Kinder getötet hatte. „Durch den in diesem Beitrag abgebildeten Inhalt eines WhatsApp-Chats des einzig überlebenden Kindes wurde die besonders gebotene Zurückhaltung bei der Recherche gegenüber Kindern missachtet“, teilte die NLM mit. 

Außerdem seien, so die Medienanstalt weiter, in dem Beitrag der Vor- und Nachname des interviewten Freundes und der Name und das Alter des überlebenden Jungen genannt worden. Dadurch seien beide unzulässigerweise zu identifizieren gewesen. Die von der Medienaufsicht gerügten Verstöße gegen den Medienstaatsvertrag und den Pressekodex hat RTL ebenfalls akzeptiert. Die damalige Solingen-Berichterstattung des Senders hatte deutliche Kritik ausgelöst. RTL entschuldigte sich dann auch dafür, den vollen Namen des Jungen genannt zu haben (vgl. MK-Artikel).

07.02.2021 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 19-20/2021

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