Konfrontation – Markus Feldenkrichen trifft Armin Laschet (WDR Fernsehen)

Externer Mitarbeiter

03.12.2020 •

Eine merkwürdige Konstruktion: Da beauftragt ein öffentlich-rechtlicher Sender für ein Porträt über den Ministerpräsidenten des Landes, in dem dieser Sender angesiedelt ist, nicht einen fest angestellten Journalisten, sondern einen externen, der bei einem politischen Printmagazin als Autor firmiert. Warum wählte – darf man deshalb fragen – der WDR für ein Porträt von Armin Laschet (CDU) als Filmemacher den „Spiegel“-Journalisten Markus Feldenkirchen aus?

Vielleicht weil man im Sender befürchtete, dass die landespolitischen Korrespondenten dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten entweder zu nahe oder zu fern stehen, was jeweils Kritik nach der Ausstrahlung des Porträts nach sich ziehen würde. Vielleicht weil Feldenkirchen einst einen anderen Politiker, der wie Laschet nicht nur aus Nordrhein-Westfalen kommt, sondern wie dieser ebenfalls in Aachen lebt, auf eine sehr bemerkenswerte Weise im „Spiegel“ porträtiert hatte. (Es handelte sich um den damaligen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz; das Porträt erschien dann sogar in erweiterter Form als Buch.)

Armin Laschet wird dem WDR-Feldenkirchen-Projekt wiederum die Zustimmung nicht versagt haben, weil ein Porträt eines durchaus als kritisch geltenden Journalisten ihm im Rennen um den Vorsitz der CDU, wo er einer von drei Kandidaten ist, Vorteile verschaffen könnte. Tatsächlich waren die Fernsehdiskussionen der letzten Monate nicht nur durch Themen wie die Coronakrise und die US-Präsidentschaftswahl bestimmt, sondern auch durch die Frage, wie sich im Kampf um den CDU-Vorsitz die Konkurrenten – neben Laschet noch Friedrich Merz und Norbert Röttgen – auf diesen Themenfeldern im Fernsehen profilierten. Das trug dem NRW-Ministerpräsidenten beispielsweise die überraschende Einladung in die ARD-Talkshow „Anne Will“ ein, als es dort am 8. November um die US-Präsidentschaftswahl ging. Vermutlich war Laschet deshalb eingeladen worden, weil in vielen anderen Sendungen und Interviews zu diesem Thema zuvor meist sein Konkurrent Norbert Röttgen in seiner Funktion als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages befragt worden war.

Als Sendung wies der am 28. November ausgestrahlte WDR-Beitrag „Konfrontation – Markus Feldenkirchen trifft Armin Laschet“ (Produktion: Beckground TV) eine merkwürdig hybride Form auf. Zu einem Teil war es eine klassische Presenter-Reportage, für die Feldenkirchen den Ministerpräsidenten bei politischen Terminen begleitete, aber auch das private Umfeld und beispielsweise die Religiosität von Armin Laschet ausleuchtete. Zum anderen Teil bestand die 45-minütige Sendung aus einem Studiogespräch, in dem Laschet die Reportage vorgeführt wurde, auf die er dabei direkt reagieren konnte. Damit dieser Teil einen gewissen Kniff bekam, hatte man sich aus der Unterhaltungsabteilung einen Buzzer ausgeliehen, den Laschet drücken sollte, wenn er mit etwas nicht einverstanden sei. Das tat er dann dreimal, auch wenn die Anlässe keine gewichtigen Urteile des Journalisten über den Porträtierten betrafen.

Im Studiointerview erwies sich Feldenkirchen als gewiefter Fragensteller, der den Interviewten bei den Fragen, mit denen er ihn konfrontierte, mehrfach überraschte und ihn so etwa zu entschiedenen Aussagen zu seinem Konkurrenten Friedrich Merz verleiten konnte. Diese Aussagen konnte man übrigens am Tag vor der Ausstrahlung der Fernsehfassung des Porträts – in der WDR-Mediathek kann man auch eine um 15 Minuten längere Fassung anschauen – schon bei Spiegel.de in einem Text nachlesen, der sich als Nacherzählung des Films herausstellte (Laschet „teilt hart gegen Friedrich Merz aus“, war gleich im Vorspann des Spiegel.de-Textes zu lesen).

Indes, was Feldenkirchen im Studio an Profil gewann, verschenkte er als Reporter. Es gab kein dokumentarisches Bild, keinen Originalton, der eine besondere Beobachtung aufwies. Es dominierte der Kommentar, den Feldenkirchen aus dem Off sprach, der fast über allen Szenen lag und diese also dominierte. Das erinnerte an die unfilmische Praxis, wie sie Zeitungsjournalisten Anfang der 1960er Jahre betrieben, als sie anfingen für das neue Medium Fernsehen zu arbeiten und mit den Bildern der Filmkamera rein gar nichts anfangen konnten.

Armin Laschet konnte im Gespräch durchaus punkten. Er zeigte sich ironisch, auch selbstkritisch und konnte selbst seinen gelegentlichen Wankelmut gut erklären. Ob ihm das im Kampf um den CDU-Vorsitz helfen wird?

An dem Donnerstagabend, als die „Konfrontation“-Sendung im Dritten Programm WDR Fernsehen ausgestrahlt wurde, zeigte sich dann, das es neben Merz und Röttgen ja noch einen anderen Kandidaten gibt, den Laschet fürchten muss, wenn es nämlich um den Posten des Kanzlerkandidaten von CDU/CSU bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr geht (darüber wird nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden entschieden werden). Denn der ursprünglich geplante Beginn der Sendung mit Laschet verschob sich um 15 Minuten nach hinten auf 20.30 Uhr, da das WDR Fernsehen an diesem Abend ein „ARD-Extra“ vom Ersten Programm übernahm, das – selbstverständlich in diesen Tagen – zur aktuellen Lage in Sachen Corona-Pandemie ausgestrahlt wurde. Und wer gab da mal wieder den demonstrativ strengen Ordnungspolitiker? Richtig, es war der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der als Vorsitzender der CSU bei der Frage des Kanzlerkandidaten nicht nur ein gewichtiges Wort mitsprechen will, sondern vielleicht auch dazu aufgefordert werden möchte, zu kandidieren.

Im Film nannte Laschet die Art, wie Söder sich in der Zeit der Pandemie präsentiere, eine „markante Auftrittsform“. Er selbst habe seine eigene Art: „Und die besteht auch aus Ruhe, auch aus Abwägen, auch aus dem Betrachten der Folgen des Tuns.“ Drei Tage später konnte Laschet die „markante Auftrittsform“ von Söder erneut beobachten, als dieser dann statt seiner Gast bei „Anne Will“ (29. November) war und es mal wieder um die Strategie ging, mit der die Pandemie bekämpft werden soll.

03.12.2020 – Dietrich Leder/MK

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