Judith Voelker/Nina Koshofer: Die Spur des Geldes. 2-teilige Dokumentation. Reihe „Terra X“ (ZDF)

Mal im Wohnzimmer, mal in der Werkstatt

14.05.2015 •

Das ZDF hat schon seit langem zumindest einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Ersten Programm der ARD: Die Hauptredaktion ‘Kultur und Wissenschaft’ am Sendersitz in Mainz kann mit „Terra X“ ein auf populär gemachtes, spielszenensattes Primetime-Doku-Format verweisen. Die direkte Konkurrenz hat Vergleichbares nicht zu bieten. Womit über die Qualität der „Terra-X“-Filme freilich noch nichts gesagt ist.

Wenn es im Rahmen der Reihe Mehrteiler gibt, ist es üblich, dass bei „Terra X“ moderierende Erzähler eingesetzt werden, die aus anderen Zusammenhängen bekannt sind. Für den Zweiteiler „Die Spur des Geldes“ – der etwa von den Ursprüngen des Münz- und Papiergeldes erzählt und vom  „Währungschaos in der Antike“, Schlaglichter auf die jüngere Vergangenheit inklusive – greift das ZDF wieder auf den Schauspieler Christian Berkel („Mogadischu“, „Der Kriminalist“) zurück. Er erfüllt diese Aufgabe bereits zum dritten Mal.

Als Bühne – so ungewöhnlich die Formulierung in diesem Zusammenhang zunächst klingen mag – dienen Berkel in diesem „Terra“-Zweiteiler unter anderem mal eine Wohnzimmer-Kulisse, mal ein Werkstatt-Ambiente. So sieht man ihn im ersten Teil („Münzen und Mächte“) bei einem Glas Rotwein vor dem Kamin und im zweiten Teil („Die Macht der Millionen“) macht er sich einmal daran, Gold zum Schmelzen zu bringen, in entsprechender Schutzkleidung natürlich.

Christian Berkel lächelt und grinst ausgiebig und bringt auch sonst einen nicht kleinen Teil seines mimischen Repertoires zur Geltung. Jedenfalls lässt er keine Sekunde Zweifel daran, dass sein Fach die Schauspielerei ist. Das stört kolossal. Schließlich herrscht in „Die Spur des Geldes“ – Regie des ersten Teils: Judith Voelker; für die zweite Folge zeichnet Nina Koshofer verantwortlich – kein Mangel an Schauspielern. Sie sollen dem Zuschauer, überwiegend in Dialogszenen, Geldgeschichtspioniere von König Krösus bis zum Bankier Nathan Rothschild nahebringen. Hätte sich der Erzähler hier etwas zurückgenommen, hätte das dem Film vielleicht gutgetan.

Berkels Darbietung ist hier nicht der einzige Makel. Sogar Verfechter bombastischer Soundtracks werden sich möglicherweise fragen, warum im zweiten Teil dieser Produktion zum Beispiel fanfarenartige Musik erklingen muss, als Regisseurin Koshofer unsere Aufmerksamkeit auf das Fugger-Haus lenkt, dass die mächtige Kaufmannsfamilie gleichen Namens 1525 im österreichischen Schwaz baute.

Gewiss: Dass die 81 Tonnen Silber, die Alexander der Große in der Schlacht von Issos eroberte, am Anfang seiner Siegesgeschichte standen, dass die Bankenkrise in Florenz in den 40er Jahren des 14. Jahrhunderts als Blaupause gelten kann für spätere Desaster wie den Wall-Street-Crash von 1929 oder dass Bill Gates in der Liste der reichsten Personen der bisherigen Weltgeschichte nur Rang 14 belegt und damit weit zurückliegt hinter dem Erstplatzierten Mansa Musa I. (Vermögen: umgerechnet auf heute zirka 300 Mrd Euro) – das alles nimmt man als bildungsbeflissener Mensch gern zur Kenntnis. Damit, dass man solche Informationen abspeichert, hat es sich dann aber auch. Neue Fragen oder sonstwie Anregendes löst „Die Spur des Geldes“ (Produktion: Cinecentrum; Redaktion beim ZDF: Heike Schmidt) nicht aus.

Insgesamt wirkt der Zweiteiler wie ein Feuerwerk, das durch plötzlichen Starkregen zunichte gemacht wird. Judith Voelker und Nina Koshofer versuchen, sämtliche Register zu ziehen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen – sei es durch Berkels erwähnte Erzählperformance, sei es durch die möglicherweise kaum kostengünstige Ausstattung der Reenactment-Szenen. Doch die Maßnahmen verpuffen in kürzester Zeit – entweder weil die Macherinnen ihnen nicht wirklich vertrauen oder weil die einzelnen Elemente nicht zusammen passen. Aber: Ein opulenter, recherchegesättigter Spielfilm über einen ausgewählten Pionier des Zahlungsverkehrs – das könnte vielleicht funktionieren. (Der erste Teil von „Die Spur des Geldes“ hatte 3,79 Mio Zuschauer bei einem Marktanteil von 12,3 Prozent, der zweite Teil kam auf 3,32 Mio Zuschauer und einen Marktanteil von 13,0 Prozent.)

14.05.2015 – René Martens/MK

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