Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt. Spielshow mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer‑Umlauf (Pro Sieben)

Kochsalzspritze und Alligatorkuss

27.07.2012 •

Das waren Strapazen, die die beiden Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bei ihrer neuen Samstagabendshow „Joko und Klaas – Das Duell um die Welt“ freiwillig auf sich nahmen. Da wurde vor Schmerz geweint, vorsichtig die geprellte Rippe betastet und vor Angst am ganzen Körper gezittert. Da bekam Klaas jede Menge Kochsalzlösung in (!) die Stirn gespritzt und Joko musste einen Alligator küssen. Der Einsatz der beiden war hoch, um am Ende „World Champion“ – ja, worin eigentlich? – zu werden.

Knapp dreieinhalb Stunden dauerte es, bis Joko jubelnd einen Glaspokal in den Händen hielt. In dieser Zeit waren mal wagemutige Aufgaben zu erfüllen und mal schwachsinnige; wie es auch kam – die beiden Moderatoren stellten sich allen Anforderungen und versuchten sie, immer nach kleinen, mehr oder weniger gespielten Maulereien darüber, bereitwillig zu bestehen. Neben Einspielern ihrer Reise um die Welt gab es auch einige weniger spektakuläre Spiele im Studio, die aber fast ebenso schmerzvoll zu sein schienen.

Russland, Mexiko, Japan – billig war zumindest die Produktion dieser Auftaktsendung der neuen Pro-Sieben-Show nicht. Das Konzept geht so: Joko und Klaas treten in mehreren Spielen gegeneinander an, wofür die beiden Kandidaten mit einem Kamerateam in unterschiedliche Länder reisten, um dort Aufgaben zu bestehen, die dem einen der jeweils andere per Handy, brieflicher Mitteilung oder auch mit Hilfe eines veritablen Boten mitteilte. Und da es sich um eine Show handelt, mussten die beiden zum jeweiligen Land auch irgendwelche Spiele im Studio vor irgendeinem Publikum und angeleitet von irgendeiner Moderatorin spielen. Nur wenn sie beide Aufgaben gelöst hatten, erhielten sie einen „Länderpunkt“. Verlieren sie etwa das Studiospiel, „neutralisiert“ sich das Land und sie erhalten keinen Punkt.

Wem das Prinzip der Show bekannt vorkommt, der kennt vielleicht die Werbekampagne einer großen deutschen Bank mit dem Slogan „Giro sucht Hero. Ein Konto, zwei Kandidaten, 5 Aufgaben. Joko oder Klaas.“ Und, marketingtechnisch ein gelungener Schachzug, ebendiese Bank präsentiert auch die TV-Show.

Live war an diesem langen Samstagabend bei Pro Sieben allerdings gar nichts. Gerade bei den Einspielfilmen fiel besonders die seltsame Mischung aus inszenierten Szenen und authentischen Interviews auf. Die Antipathie dem Gegner gegenüber, das knallharte Konkurrenzgehabe, die kurzen Einspieler, in denen den beiden Kandidaten ihre jeweilige Aufgabe mitgeteilt wurde – viel war da von „Krieg“ und „Kampf“ die Rede. So sagte Joko aufgeblasene Sätze wie „Am Ende des Tages geht es einfach ums Überleben.“ Oder: „Ja, ich wollte ihn auf dieser Reise töten.“  Neben diesem künstlich erzeugten Konflikt kommentierte anfangs der jeweilige Kandidat selbst aus dem Off das Geschehen. Auch die ein oder andere waghalsige Aktion schien nicht nur aufwändig geschnitten, sondern schlicht nach Drehbuch abzulaufen. Etwa als Klaas nach einem Wrestlingkampf gegen eine pralle Blondine mit Maske vor seiner Konkurrentin mit dem Auto fliehen musste, weil er ihr – auch das gehörte neben dem Kampf zu seiner Aufgabe – an den Allerwertesten und an die Brüste gelangt hatte. Unterlegt wurden solche „geplanten“ Szenen häufig mit Musik wie im Actionfilm.

Wesentlich authentischer in diesem Mix aus Spielshow, Comedy und Scripted Reality wirkten dagegen die Interviews mit Joko und Klaas nach den absolvierten Aufgaben. Da sprachen die beiden unverhohlen über ihre Ängste und Unzulänglichkeiten, über das wenig kollegiale Verhalten des Kamerateams und über die Drehbedingungen. Auch während der Aufgaben kommunizierten die beiden oft mit dem Kamera- oder dem Tonmann – hier gab es oft spontane Regungen, die bewusst nicht aus dem Filmmaterial herausgeschnitten wurden.

Nichts war den beiden Moderatoren in dieser Sendung zu peinlich, nichts zu schmerzhaft: Im Akkord scharfe Chillis oder Brennesseln essen, sich mit verbundenen Augen von einem Thai-Boxer verdreschen zu lassen oder sich mittels der Kochsalzinjektion die Stirn zu einem Bagel aufspritzen zu lassen – Tabus darf es, soll es in dieser Primetime-Show des Privatfernsehens nicht geben.

Ein großes Stück erinnerte dieser Abend an die Duelle der ebenfalls von Pro Sieben hausgebackenen (Anti-)Helden Elton und Simon, denn „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ folgt letztlich demselben Prinzip wie „Elton versus Simon“: Präsentiert wird ein körperlicher Wettkampf, der die Ängste und Unzulänglichkeiten der Kandidaten entlarvt und nicht zuletzt deren zunehmend herabgesenkte Hemmschwelle dokumentiert. Wobei es bei Elton und Simon eher putzig wie beim Kindergeburtstag zugeht, während Joko und Klaas forcierter in Richtung einer gewissen Gefährlichkeit der Aufgaben gehen.

Möglicherweise machen gerade die letzteren beiden sich dabei noch mehr zu Deppen der TV-Nation. Denn man hat wirklich den Eindruck, sie machen, um Aufmerksamkeit und Quote zu erzielen, einfach alles mit, sie würden noch nicht einmal nein sagen, wenn es ihre Aufgabe wäre, sich ein drittes Nasenloch bohren zu lassen. Bleibt abzuwarten, was da noch kommt. Die nächste Ausgabe von „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ gibt es am 25. August und sie ist als Revanche angekündigt, bei der Klaas die Chance hat, Joko zu schlagen.

Und bald soll es noch mehr geben von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die das derzeit wohl meistbeachtete Moderatorenduo sind. Medienberichten zufolge sollen die beiden, die die Gunst des so umworbenen jungen Publikums genießen, ab dem kommenden Jahr bei Pro Sieben eine wöchentliche Show bekommen. Vor einigen Monaten gab es sogar das Gerücht, Joko und Klaas seien als neue Moderatoren für die große ZDF-Show „Wetten, dass..?“ im Gespräch. Doch hier wird nun bald Markus Lanz in die Fußstapfen von Thomas Gottschalk treten. Beim kleinen Sender ZDFneo präsentieren Joko und Klaas ja ihre nicht unbeliebte Late Night Show „neoParadise“. Wie lange das noch geht, wenn sie wirklich wöchentlich bei Pro Sieben auf dem Bildschirm sind, bleibt abzuwarten.

• Text aus Heft Nr. 30/2012 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

27.07.2012 – Angelika Luderschmidt/FK

Print-Ausgabe 15/2020

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