Jahrbuch Fernsehen 2019: Interview mit Kramp‑Karrenbauer zu medienpolitischen Themen

07.10.2019 •

Am 26. September ist das neue „Jahrbuch Fernsehen“ erschienen. Das Buch enthält unter anderem ein ausführliches Interview mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zu Medienthemen. Die Politikerin setzt beim digitalen Wandel insbesondere auch auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den sie gleichwohl für stark reformbedürftig hält. „Wie viel Unterhaltung darf es sein?“, fragt Kramp-Karrenbauer in dem Interview und fordert eine deutliche Konzentration auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag. „Als Nutzerin frage ich mich tatsächlich immer mal wieder, warum bestimmte gute Angebote erst gegen Mitternacht kommen und nicht zu anderen Zeiten oder nur in den Spartenkanälen“, so Kramp-Karrenbauer, die während ihrer Zeit als saarländische Ministerpräsidentin (2011 bis 2018) konkret auch für Medienpolitik verantwortlich war.

Zu den Essays des 2019er-Jahrbuchs gehört ein Aufsatz des Medienjournalisten René Martens über AfD-Politiker, die eine berufliche Vergangenheit als Fernsehjournalisten haben und früher unter anderem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiteten. Lucia Eskes, die Leiterin des Grimme-Preises, bilanziert in ihrem Beitrag das aktuelle TV-Schaffen. „Gewagt wird mittlerweile wenig, dafür wird alles durchformatiert: in der Sendelänge, in der Dramaturgie, im ‘Look and Feel’, man setzt auf bewährte Gesichter – und bitte: bloß keine Abweichungen“, schreibt Eskes und betont, dass in „Standardware“ nicht die Zukunft des Fernsehschaffens liegen kann.

DAZN und die Fernsehfußballwelt

In einem weiteren Beitrag des „Jahrbuchs Fernsehen 2019“ beschäftigt sich Jürn Kruse („taz“) mit der Welt des Fernsehfußballs und insbesondere damit, wie sie gerade durch den neuen Streaming-Anbieter DAZN aufgemischt wird. Nathalie Wappler, Direktorin des deutschsprachigen Schweizer Rundfunks und Fernsehens (SRF), beschreibt in ihrem Essay unter anderem am Beispiel der Sendung „True Talk“ aus der Schweiz, dass der veränderte Medienkonsum der jungen Generation für öffentlich-rechtliche Sender keine unüberbrückbare Hürde sei, sondern im Gegenteil eine Chance darstelle.

Das „Jahrbuch Fernsehen“ ist nun zum 28. Mal erschienen. Es enthält wie stets einen großen und aktuellen Service- und Adressenteil für die Medienbranche. Gemeinsame Herausgeber des Jahrbuchs sind das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, das Filmfestival Cologne, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und die „Medienkorrespondenz“. Neuer geschäftsführender Herausgeber des „Jahrbuchs Fernsehen“ ist Steffen Grimberg. Zuvor hatte diese Funktion 27 Jahre lang Lutz Hachmeister inne, der das Jahrbuch zusammen mit Knut Hickethier und Karl Prümm 1991 begründet hatte.

Jahrbuch Fernsehen 2019, Köln 2019, 430 Seiten, 34,90 Euro, ISBN: 978-3-9813465-9-6 (E-Mail-Bestellung möglich unter: info@jahrbuch-fernsehen.de)

07.10.2019 – MK