Grimme-Preis 2019: Besondere Ehrung für deutsch-französischen Fernsehsender Arte

10.04.2019 •

Die „Besondere Ehrung“ beim Grimme-Preis ging jetzt erstmals nicht an eine Person für ihr Lebenswerk, sondern an einen Fernsehsender. Der Stifter des Grimme-Preises, der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV), vergab die Auszeichnung in diesem Jahr an den deutsch-französischen Kulturkanal Arte. Zum 100-jährigen Bestehen der Volkshochschulen wolle der DVV mit dieser Besonderen Ehrung auch „ein besonderes Zeichen setzen“, teilte der Verband dazu mit.

Arte bringe den Menschen die europäische Vielfalt der Geschichte, der Sprachen und der Kulturen näher und leiste damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Einigkeit in Europa, heißt es weiter in der Begründung des Preisstifters. Der Sender beindrucke mit einem einzigartigen Angebot an Kultur- und Dokumentationssendungen. Den Programmverantwortlichen gelinge Bildungsfernsehen im besten Sinne: Arte wecke Publikumsinteresse auch für komplexe Fragen und für Themen, die medial ansonsten nicht im Fokus stünden. Mit seiner besonderen Art der journalistischen Aufbereitung fördere der Sender das Verständnis für politische und kulturelle Praxis unter den europäischen Nachbarn.

Bildung, Demokratie, aktive Bürger

Die Preise des diesjährigen Grimme-Wettbewerbs (vgl. MK-Meldung) wurden am Abend des 5. April im Stadttheater von Marl verliehen. Dabei überreichte DVV-Präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (Bundesvorsitzende der CDU) die Grimme-Statuetten für die Besondere Ehrung an Arte-Präsident Peter Boudgoust (SWR-Intendant) und Arte-Geschäftsführer Emanuel Suard. Arte wurde im Jahr 1991 auf Basis eines am 2. Oktober 1990 von Deutschland und Frankreich geschlossenen Staatsvertrags gegründet, am 30. Mai 1992 startete der Sendebetrieb (vgl. FK-Artikel). Das Projekt zur Gründung von Arte war seinerzeit entscheidend unterstützt worden von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Frankreichs sozialistischem Ministerpräsidenten François Mitterand. Sitz von Arte ist die französische Stadt Straßburg.

Annegret Kramp-Karrenbauer sagte bei der Preisvergabe in Marl: „Viele fragen sich vielleicht: Was hat eigentlich der Volkshochschulverband, was haben die Volkshochschulen und Arte miteinander zu tun? In beiden steckt Bildung, in beiden steckt Demokratie und in beiden steckt auch der europäische Gedanke. Die Volkshochschulen seien vor 100 Jahren entstanden „aus dem Bewusstsein und aus dem Impuls heraus, dass aktive Demokratie aktive Bürger braucht. Bürger die sich informieren können. Bürger, die einordnen können. Bürger, die ihre eigene Meinung vertreten können und damit auch für sich selbst, für ihre Interessen und die Interessen der Allgemeinheit eintreten.“ Das habe die Volkshochschulen in all den 100 Jahren vorangetrieben. „Und das ist auch etwas“, so die DVV-Präsidentin „das Arte sich mit seinen Medien, mit seinem Bildungsauftrag auf die Fahnen geschrieben hat.“ Dabei sei Arte mittlerweile von einem deutsch-französischen zu einen europäischen Projekt geworden.

Die Vielfalt Europas als Reichtum

Und Arte sei, sagte Kramp-Karrenbauer, „der beste Beweis dafür, dass Bildungsfernsehen richtig viel Spaß machen kann, dass es nicht nur den Kopf anspricht, nicht nur den Intellekt, sondern auch das Gefühl“, etwa durch tolle Dokumentationen und „eine sehr, sehr fantastische Auswahl etwa von Spielfilmen“. Aus diesen Gründen gehe „der Ehrenpreis der deutschen Volkshochschulen an Arte. Kein Sender hätte ihn mehr verdient.“ Die Besondere Ehrung ist die höchste Auszeichnung beim Grimme-Wettbewerb, der jetzt zum 55. Mal veranstaltet wurde. Die Ehrung wird für herausragendes Fernsehschaffen bzw. für ein Lebenswerk vergeben.

Als Dunja Hayali, die Moderatorin der Grimme-Preisverleihung, Peter Boudgoust fragte, inwieweit Arte „für Verständigung und vielleicht auch für Zusammenhalt“ sorge, antwortete der Arte-Präsident, dies geschehe insoweit, als „wir Lebenswelten zeigen aus ganz Europa, ohne Dinge zu beschönigen. Wir beschäftigen uns mit dem, was die Menschen beschäftigt, wir zeigen das Gute, das Schöne, das, was nicht klappt, das, was die Leute stört. Aber wir zeigen“, betonte Boudgoust, „dass wir eine Vielfalt haben in Europa, die uns insgesamt nur zum Besten gereicht. Und wir können, glaube ich, die Menschen überzeugen, dass diese Vielfalt ein großer Reichtum ist.“

10.04.2019 – da/MK