Einfach super! Familienunterhaltungsshow, moderiert von Elton (Kika/ZDF)

„Produktionelle Synergien“

09.10.2020 •

Aus eins mach zwei – auf diesen knappen Nenner lässt sich die neue, mit Kostenbewusstsein ausgedachte Show-Strategie des ZDF bringen. Als Experimentierfeld für „produktionelle Synergien“, wie es auf Nachfrage heißt, haben sich die Mainzer Fernsehmacher, genauer: die Abteilungen Hauptredaktion ‘Show’ sowie ‘Kinder und Jugend’, eine Sendung ausgesucht, die es dem (ungefähren) Namen nach schon einmal gab. Ihr wurde jetzt in doppelter Ausführung in gleich zwei Programmen neues Fernsehleben eingehaucht: zuerst im Kinderkanal (Kika), den das ZDF gemeinsam mit der ARD betreibt, dann in der Primetime des ZDF-Hauptprogramms.

„Einfach super!“ heißt dieser Versuchsballon einer Familienunterhaltungsshow. Das Ganze war in der Vorankündigung noch mit dem Untertitel „Die große Show zum Staunen“ versehen, im Sendetitel wurde das dann aber nicht eingeblendet. Wie auch immer, erstaunlich ist zunächst einmal, dass „Einfach super!“ einen in Vergessenheit geratenen Vorläufer hat. Zwischen 2003 und 2005 präsentierte der aus der Kika-Nachrichtensendung „Logo!“ bekannte Andreas Korn zunächst sonntagmittags, dann samstags eine halbe Stunde lang „1fach Super! Die Quiz-Show der Superlative“ im ZDF.

Was davon übrigblieb? Auf jeden Fall nicht der ursprüngliche Moderator. Elton, bürgerlich Alexander Duszat, durfte für den Neuaufschlag 2020 ran. Mit Show-Recycling kennt er sich aus. Als langjähriger Gastgeber des Plopp-Klassikers „1, 2 oder 3“ hat sich Elton bereits mit bärenrunder Gemütlichkeit in die Herzen des Kinderratepublikums moderiert. So einen Bonus verspielt man nicht, zumal Elton auch im Erwachsenenfernsehen beim Privatsender Pro Sieben Primetime-Tauglichkeit bewiesen hat und somit doppelt kompatibel ist.

Elton hält also bei „Einfach super!“ zusammen, was die Leitwolf TV- und Filmproduktion im Auftrag des ZDF in Berlin an mehreren Tagen im Studio Adlershof mit dem „Helene-Fischer-Show“-gestählten Regie-Granden Ladislaus Kiraly umgesetzt hat. Vom Titel her ist es im Kika und im ZDF dasselbe Ding, doch in komplett unterschiedlicher Ausprägung, weil feinabgestimmt auf die jeweilige Zielgruppe und den Sendeplatz. Im Fall des ZDF-Hauptprogramms bedeutet das: keine Abendshow ohne Promis und ohne Musik-Act. So durfte Popstar Nico Santos am Ende von „Einfach super!“ sogar singen.

Bei der ZDF-Ausstrahlung gehörte Nico Santos mit Sternchen Sarah Lombardi, dem schauspielernden ZDF-„Bergretter“ Sebastian Ströbel und YouTuberin Julia Beautx und dem Sportler-Ehepaar Miriam und Felix Neureuther zu den „Spielpaten“; sie bildeten jeweils ein Paten-Duo für die Kinder Lukas, Max und Feena, die mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten die Zuschauer in Erstaunen versetzen sollten. Spielpartner waren die prominenten Paten – o Corona, Corona – nicht. Physische Berührungspunkte zwischen Groß und Klein wurden gemäß Hygienevorschrift vermieden. So war Holznägel in eine Wand einschlagen – eins dieser Action-Spiele, über deren Sinn man rätselt – allein Erwachsenensache. Die Kids schauten nur zu, räumlich getrennt in poppig bunten Sitzliften, die auch für Fahrgeschäfte auf dem Rummel taugen. Bis auf ihren jeweiligen Auftritt, wo sie ihr besonderes Talent als Schlagzeuger, Zauberer und Kung-Fu-Kämpferin unter Beweis stellten, hatten die drei U15-Kandidaten in der ZDF-Variante sonst wenig zu melden.

Deutlich größer raus kamen die „kleinen Stars“ dagegen in der kleineren Kika-Version, die zeitlich Ausstrahlungsvorrang vor dem ZDF hatte. „Einfach super!“ im Kinderkanal – das waren zweimal 50 Minuten promifreie Show in fast identischer Kulisse, aber komplett anderer Kinderbesetzung und Ausrichtung: nämlich mit mehr Fokus auf Wissensvermittlung statt Erwachsenen-Bespaßung. Das nicht vorhandene Promi-Panel in der linken Bildhälfte sparte die Kamera aus mit dem Effekt, dass die Bühne kleiner, kinderfernsehmäßiger wirkte.

Gleich paarweise zeigten die jungen Akteure auf dieser Bühne, wie toll sie Seilchen springen, Drohnen steuern oder Breakdancen können. Alles Fertigkeiten, die erfreulicherweise nicht ganz so angsteinflößend genial wirkten wie das, was sonst etwa die Wunderkinder bei der ARD-Konkurrenz „Klein gegen Groß“ von Kai Pflaume so präsentieren. Dazwischen wurde, wie auch in der ZDF-Version (die 105 Minuten lang war), gespielt und geraten. Das übliche Multiple-Choice-Quiz-Gedöns. Nix Spektakuläres, außer dass mit jedem gesammelten Punkt der bereits erwähnte Sitzlift in die Höhe fuhr, näher ran an den Gewinn in Höhe von 1500 Euro „Talentförderung“.

Das Überraschendste und Sympathischste an der Kika-Variante von „Einfach super!“ waren indes nicht die Kinderkandidaten, sondern: eine Erwachsene. Die (angehende) Astronautin Insa Thiele-Eich, Jahrgang 1983, legte als Eltons Show-Assistentin ein unerwartetes Moderationstalent an den Tag. Ihre Rolle war, wissenschaftliche Phänomene zu erklären, und das kann sie schlau und verständlich.

Mit ansteckend kindlicher Freude stürzte Thiele-Eich sich auch in Live-Experimente. Mal schwebte sie auf einem mit Feuerlöschern und Laubbläsern angetriebenen Surfbrett durchs Studio, mal ließ sie Bowlingkugeln in einem Meer aus aufgewirbeltem Sand verschwinden. Da kam „Knoff-hoff“-Nostalgie auf, auch ohne Dixie-Band, die ja fester Bestandteil dieses populärwissenschaftlichen ZDF-Unterhaltungsdinos aus den 1980er Jahren war.

Sollte es 2021 mit dem Flug ins All nicht klappen – Insa Thiele-Eich könnte die erste deutsche Astronautin auf der ISS werden! –, dann sollte sie eine Karriere im Fernsehen ernsthaft in Betracht ziehen. (Astronautenanwärterinnen haben beim ZDF momentan gute Karten: Thiele-Eichs ESA-Kollegin Suzanna Randall gab am 9. September ihr Modera­tionsdebüt auf dem YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“, wo sie sich mit dem ZDF-Wissenschaftsanchor Harald Lesch abwechselt.)

In der ZDF-Version von „Einfach super!“ war von der Astronautin Thiele-Eich dann, leider, keine Spur mehr. Elton allein zu Haus im Adlershof, na, fast. Lutz van der Horst, bekannt als wuschelig-verpeilter Reporter aus der „Heute-Show“ des ZDF, mimte in einem Einspielfilm einen verrückten Professor nach Art des Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“. In dem Experiment, das Doc van der Horst anleitete, ging es darum, wie weit ein Auto mit jener Menge Stickstoff fährt, die Moderator Elton in seinen 49 Lebensjahren bisher als Furz in die Welt gesetzt hat. Total irre, diese „Lebens-Pups-Emissions“-Nummer. Allerdings konnte sie es, nach der Quote besehen, bei den zuschauenden, pardon, Sesselfurzern nicht herausreißen. Das ZDF schafft an einem Mittwoch-Primetime-Abend normalerweise locker mehr als die 2,82 Mio Zuschauer (Marktanteil: 10,2 Prozent), die „Einfach super!“ versammelte. Die Doppelshow-Strategie ist noch ausbaufähig. Die beiden „Einfach-super!“-Ausgaben im Kika hatten im Übrigen 131.000 und 167.000 Zuschauer (Marktanteile: 0,5 und 0,6 Prozent).

09.10.2020 – Senta Krasser/MK

` `