Diskussion über mögliche Vorverlegung der ARD-„Tagesthemen“

07.04.1995 •

Überlegungen des WDR-Hörfunkdirektors und designierten WDR-Intendanten Fritz Pleitgen über einen früheren Sendetermin für die ARD-„Tagesthemen“ haben kontroverse Diskussionen ausgelöst. Wie am 3. April der WDR als Reaktion auf Zeitungsmeldungen mitteilte, hält Pleitgen einen Termin für die „Tagesthemen“ ab 21.45 Uhr für vorstellbar. Die „Tagesthemen“ könnten sich nach Ansicht von Pleitgen außerdem auf drei oder vier Themen beschränken und möglicherweise früher beginnen. Zugleich sprach er sich dafür aus, den Beginn der politischen Donnerstag-Magazine der ARD von 21.00 auf 20.15 Uhr vorzuverlegen.

Bei einem Sendeplatz um 21.45 Uhr würden die „Tagesthemen“ in direkter Konkurrenz zum „Heute-Journal“ des ZDF ausgestrahlt. ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser wurde dazu von dpa am 4. April mit den Worten zitiert: „Bei aller Lust am Wettbewerb: Ich halte nichts davon, dass sich nun auch die öffentlich-rechtlichen Sender mit gleichen Sendungen zur gleichen Zeit Kon­kurrenz machen.“

An einer Schärfung des Informationsprofils der ARD in bewusster Konkurrenz mit dem ZDF ist Fritz Pleitgen offenbar sehr gelegen. Bereits im Zusammenhang mit Überlegungen für ein gemeinsames Wahlforschungsinstitut von ARD und ZDF hatte sich Pleitgen strikt gegen solche Pläne ausgesprochen. Da eine Vorverlegung der „Tagesthemen“ Folgen für die übrige Programmstruktur mit sich brächte, dürfte diese Frage wie andere auch nur im Rahmen eines ARD-Reformkonzepts zu entscheiden sein. Neu sind die Diskussionen darüber, wie das Informationspotenzial der ARD besser zu nutzen sei beziehungsweise wie eine größere Akzeptanz der Nachrichtensendungen erreicht werden könnte, auch innerhalb der ARD nicht. So beschäftigen sich auch die Programmdirektoren schon seit einiger Zeit damit.

• Text aus Heft Nr. 14/1995 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

07.04.1995 – FK

Print-Ausgabe 18/2020

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