Bednarz war „Monitor“ und „Monitor“ war Bednarz: Der Mann mit dem blauen Pullover nimmt Abschied

22.06.2007 •

Als am 14. Juni Klaus Bednarz vom WDR mit einer Festveranstaltung in den Ruhestand verabschiedet wurde, war das alles andere als ein ruhiger und beschaulicher Abend. Das lag zum einen daran, dass in Köln das NRW-Medienforum 2007 mit mehreren Veranstaltungen schon seinen Schatten vorauswarf und also einige derjenigen, die Klaus Bednarz die Aufwartung machten, noch andere Termine zu absolvieren hatten. Zum anderen lagen Gewitter in der Luft, die auch den Bednarz-Gästen zu schaffen machten, als sie ein heftiger Regenguss auf der Terrasse des Museums Ludwig erwischte, wo der WDR zu einem Aperitif geladen hatte. Aber die Hektik des Tagesgeschäft wie die überraschenden Wendungen der Wetterlage passten dann doch wieder bestens zu dem Mann, dem man das Erreichen der Altersgrenze wirklich nicht ansieht. Klaus Bednarz, auch zu dieser Veranstaltung im offenen Hemd und in Jeans erschienen, waren Formfragen nie wichtig. Wichtig war ihm allein sein Anliegen als informierender und aufklärender Journalist.

Dass er mit 29 Jahren vom WDR und damit als erster Korrespondent eines westlichen Senders überhaupt in die polnische Hauptstadt Warschau geschickt worden war, überraschte in ihren Laudationes selbst Intendantin Monika Piel und ihren Vorgänger Fritz Pleitgen. Solcher Wagemut eines Senders, so ihr gemeinsamer Tenor, wäre heutzutage kaum noch möglich. Inzwischen geht es bei der Bestallung der Korrespondenten systematischer zu. Fernsehkarrieren, bei denen Korrespondentenstellen eine wichtige Brückenfunktion wahrnehmen, werden heute vom Sender wie von den jungen Journalisten am Reißbrett geplant. Eine Überraschungsnominierung wie die von Bednarz im Jahr 1971 ist nicht mehr möglich.

Umgekehrt möchte man auch den Wagemut des Journalisten unterstreichen, der Anfang der 1970er Jahre, als der Kalte Krieg langsam einer Normalisierung im Umgang zwischen den beiden Weltblöcken wich, in ein Land zog, das im Zweiten Weltkrieg zum ersten Opfer der deutschen Soldateska geworden war. Wie Bednarz die Deutschen über die Polen, ihr Land und ihre Geschichte aufklärte, ohne einen Kotau vor dem kommunistischen Regime in Warschau zu machen, war schon ein Bravourstück. Auch in Moskau, Hauptstadt der damaligen UdSSR und zweite Korrespondentenstation von Bednarz, ließ sich der Journalist von der Obrigkeit nie bange machen. Klaus Bednarz wie sein Moskauer Korrespondentenvorgänger Fritz Pleitgen waren es auch, die seinerzeit russischen Dissidenten wie Andrej Sacharow oder Lew Kopelew in Deutschland eine Öffentlichkeit verschafften.

Eine unbedingt pazifistische Haltung

Richtig bekannt wurde Bednarz dann ab 1983 als „der Mann mit dem blauen Pullover“, der jeden dritten oder vierten Donnerstag mit ernster Miene „Monitor“ vorstand. Als er die Leitung dieses vom WDR verantworteten ARD-Politmagazins übernommen hatte, schaffte er als erstes die bis dahin herrschende Gruppenmoderation ab, bei der jeder Redakteur seinen eigenen Beitrag ansagte. Wenn man so will, machte er aus sich und dem Magazin ein auf lange Jahre miteinander verschweißtes Produkt: Bednarz war „Monitor“, und „Monitor“ war Bednarz. Über 19 Jahre prägte der Journalist, der mit starrem Blick in die Kamera seine Sätze so seltsam spricht, weil er jedes Wort einzeln betont, als ergäben diese nicht auch einen Satzzusammenhang, das Magazin des WDR. Man lieferte sich viele Auseinandersetzungen und Kabalen. „Monitor“ war überall dort, wo Opposition und Wachsamkeit gefragt war, ob es nun um Bestechung von Mandatsträgern ging oder um verseuchten Fisch, um Kriegsbeteiligungen Deutschlands oder um die schleichende Armut in den Großstädten. Zweifel an der eigenen „unbedingt pazifistischen Haltung“ mochten Bednarz auch im Rückblick nicht beschleichen.

Er ist sich bis heute treu geblieben. Nach seinem Abschied von „Monitor“ intensivierte er die Arbeit an Reisefilmen, in denen er von großen Landschaften dieser Erde berichtete. Bildersatte Reportagen, an denen – das betonte Bednarz in seiner Dankesrede – seine Kameramänner wie auch die Cutterin Elke Christ große Anteile hatten. Die mehrteiligen Filme liefen in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich, auch wenn man in der Münchner ARD-Programmdirektion anfangs nicht an den Erfolg glauben wollte, wie Bednarz mit dem Anflug eines Lächelns berichtete. Heute sind diese Reisereportagen nicht nur erwünscht, sondern heiß begehrt, wie Monika Piel gestand, selbst wenn sich mit Gerd Ruge und Fritz Pleitgen schon zwei weitere Pensionäre auf diesem Feld tummeln. Pleitgen berichtete, wie er bei seinem letzten Reisefilm von einem Ehepaar für einen Mehrteiler gelobt worden sei, den er gar nicht gedreht hatte, worauf das Ehepaar enttäuscht antwortete: „Ach, dann sind Sie nicht der Ruge?!“ Gedreht hatte den gelobten Film – Klaus Bednarz.

(MK, erschienen damals in „Funkkorrespondenz“ Nr. 25/2007)

22.06.2007 – Dietrich Leder/FK

Klaus Bednarz

Foto: Screenshot


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