Bauerfeind – Die Show zur Frau. 12‑teilige Talkreihe mit Katrin Bauerfeind (One/MDR Fernsehen)

Witz, komm raus!

05.04.2019 •

Kommt eine Frau auf die Bühne und erzählt einen Witz. Aber der donnernde Applaus bleibt aus, nur höfliches Anstandsklatschen im Saal. Kann passieren, so ein Rohrkrepierer, der sich als Eisbrecher aufmachte. Ist aber definitiv eine Unterhaltungssünde, will man sein Publikum für eine Dreiviertelstunde Talk rund um das Thema Humor aufwärmen. Ihr ist es so passiert, der „Sünderin“ Katrin Bauerfeind, in ihrer neuen Show.

Seit Anfang Februar präsentiert Bauerfeind die wöchentliche Unterhaltungssendung „Bauerfeind – Die Show zur Frau“. Dieser Sendetitel ist durchaus missverständlich, und zwar, weil man ihn so verstehen könnte, dass sich die Show um Frauen generell und Frauenthemen im Speziellen dreht, was sie aber nicht tut. Über Verschwörungstheorien und Künstliche Intelligenz (KI) wurde dort schon gendervariabel geredet, auch über Ernährung, das Alter und eben den Humor. Weibliche Gäste sind sogar in der Unterzahl. Dreh- und Angelpunkt dieser Sendung ist eine Frau: Katrin Bauerfeind aka das ewige Moderationstalent von bald 37 Lebensjahren. Nun also hat sie mal wieder eine neue Show, die diesmal gleich in zwei Programmen ausgestrahlt wird: mittwochs beim ARD-Spartensender One (verantwortet vom WDR) und samstags im Dritten Programm des MDR Fernsehen. So ganz wird der bei One praktizierte wöchentliche Rhythmus beim MDR nicht eingehalten und zur Sendezeit dort kann man nur sagen, dass die Show im MDR Fernsehen irgendwann nach 22.00 Uhr ausgestrahlt wird, es kann auch 23.00 Uhr werden.

Auf die Frage, warum sie, die vor 14 Jahren mit der Internetsendung „Ehrensenf“ berühmt wurde, es nicht schon längst mit einer eigenen Show ins Erste geschafft habe, antwortete Bauerfeind jüngst in einem Interview mit dem passablen Witz: Für Menschen unter 40 gebe es in der ARD nur einen Sendeplatz, und den habe Carolin Kebekus. Nun hat diese U40-Jährige auch nicht gerade die Witzigkeit mit Riesenlöffeln gefressen, aber eine erstaunliche Vielseitigkeit über das reine Moderieren hinaus kann man Carolin Kebekus im Unterschied zu Katrin Bauerfeind nicht absprechen. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Letztgenannte ‘nur’ Karriere im Nischenfernsehen macht. Bei 3sat zum Beispiel schien Bauerfeind eine Dauerbleibe für jegliche Art von Quatsch mit fernsehbekannten Gesprächspartnern gefunden zu haben. Mal begleitete sie sie durch deren Alltag („Bauerfeind assistiert“, vgl. FK-Heft Nr. 19/14), mal las sie mit ihnen aus Büchern vor („Bauerfeind – Die Leseshow“; vgl. MK-Kritik). Von letzterer Sendung unterscheidet sich die neue nur unwesentlich.

Auch in der „Show zur Frau“ widmet sich jede Ausgabe – es sind insgesamt zwölf geplant – einem Oberthema, über das Bauerfeind mit je drei Gästen plaudert. „Nie bierernst, aber immer seriös, sehr unterhaltsam, aber immer mit Haltung“, heißt es dazu in der offiziellen Sendungsbeschreibung, was natürlich, nimmt man das PR-Geschwafel wirklich ernst, eine enorme Fallhöhe aufbaut. Doch nach der neuerdings im politischen Diskurs vielstrapazierten Haltung suchte man in den ersten fünf Ausgaben vergebens. Und nach der Unterhaltsamkeit meist auch.

Das könnte daran liegen, dass die Gastgeberin das Motto aus ihrer Dreiviertellesestunde, das da lautete: „Lesen, labern, lachen“, recycelt hat. Auch in der neuen Show wird gelabert und gelacht, wobei Bauerfeind dafür sehr viel mehr Sendezeit für sich selbst in Anspruch nimmt als ihre Gäste; kaum einen Satz können manche von ihnen zu Ende bringen, ohne von ihr unterbrochen zu werden. Bücher kommen auch vor, wenn auch nicht als zentrales Element wie in der „Leseshow“. Weil heutzutage Promis kaum noch aus reinem Spaß an der Freud’ in eine Talksendung zu bewegen sind, bringen die Eingeladenen zur „Show zur Frau“ ihre aktuell auf dem Markt erhältlichen literarischen (oder auch filmischen) Ergüsse mit. So hat es der Fernsehkoch Nelson Müller gehalten oder auch der feministische Shooting-Star Sophie Passmann. Die Gastgeberin wirbt unterstützend mit, indem sie das jeweilige Werk in die Kamera hält.

Nicht nur inhaltlich, auch optisch ist Kontinuität. Zwar wird statt im Berliner E-Werk nun in Köln aufgezeichnet, im Dock.One am Mülheimer Hafen (ausgeführt von der Firma Banijay Productions im Auftrag von One und MDR), aber wieder muss eine ehemalige Fabrikhalle als Ort für Talk herhalten, Hall im Ton inklusive. Um die Atmosphäre etwas heimeliger zu gestalten, lümmelt das Publikum auf Couches und Fauteuils. Das Mobiliar auf der Bühne, bestehend aus einer Bar und einer Sitzgruppe, präsentiert sich im bronzefarbenen Edellook.

Man kann nicht bestreiten, dass Bauerfeinds Redaktion die jeweiligen Sendungen nicht auch inhaltlich intensiv aufpoliert und die Gäste in ihrer Mischung nicht spannend ausgewählt hätte. Die Do-it-yourself-Expertin Sonya Kraus („Die Mauerwerkfräse ist mein Fetisch“) mit dem TV-Klugwisser Ranga Yogeshwar über Künstliche Intelligenz diskutieren zu lassen, hat was, wenn auch keine Gesprächstiefe. Die Argumente pro und contra KI und allerhand andere Infos und Gags hat das Team seiner Moderatorin auf mehrere DIN-A4-große, papierweiße Seiten geschrieben. An sie klammert sich Bauerfeind auffallend fest. Anstatt sich spontan auf den Gesprächsfluss einzulassen, blättert sie in den Papieren (warum sind es nicht die sonst üblichen handlichen Moderationskärtchen mit Sendungslogo?) vor und zurück und liest laut ab, was man ihr (oder war’s doch sie selbst?) dort alles Gescheites aufgeschrieben hat. Wobei die Betonung auf „laut“ liegt. Eine Meisterin der leisen Töne war Katrin Bauerfeind nie. Egal, wo und was sie moderiert, es bricht aus ihr in einer Dezibel-Stärke heraus, dass man zu Hause das Empfangsgerät leiser stellen möchte. Womöglich verspüren auch Bauerfeinds Gäste diesen Impuls. Als der Filmemacher Michael „Bully“ Herbig einmal verschreckt vor ihr zurückweicht, fragt Bauerfeind besorgt: „Schrei ich dich zu sehr an?“

Gerade diese Ausgabe mit dem an sich sehr lustigen Herrn Herbig zur Frage, ob Humor Grenzen habe (es war die vierte), war die bisher unlustigste von allen, eine regelrechte Unterhaltungskatastrophe gar, die auch dem zweiten geladenen Humor-Profi, dem Comedian Ingmar Stadelmann, peinlich zu sein schien. Als er anhob zu einer ernsthaften Verteidigung von Meinungsfreiheit und der Freiheit des Witzes, also vermutlich so etwas wie Haltung zeigen wollte, drückte Bauerfeind mit großer Pennälerfreude auf einen Lachautomaten (auch ein Furzkissen und ein aufziehbarer Plastikpenis gehörten in dieser Ausgabe zu ihren Requisiten!). Stadelmann, sonst eigentlich durchaus offen für Scherze unterhalb des Bauchnabels, war not amused: „Es spricht für deine Sendung, dass du das brauchst.“ Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die beiden nicht mehr.

Mag sein, dass die zwischenmenschliche Chemie mit Stadelmann (und auch Herbig) nicht stimmte. Mit den Gästen Maren Kroymann und Sophie Passmann zum Thema „Für immer jung – Ist Alter nur eine Frage der Einstellung?“ klappte es bedeutend besser. Wobei Passmann ein Bauerfeind-Witz auf Kosten von Schlager-Star Helene Fischer auch nicht passte: „Da klatsche ich nicht mit. Tolle Frau!“ Dass Katrin Bauerfeind oft in einer anderen Humorwelt unterwegs ist als ihre Gäste und ihr Publikum, ist ein Problem, das sich in der hintersten Fernsehecke verstecken lässt. Anschauen muss man sich das dort aber nicht.

P.S.: Der eingangs erwähnte Witz, den Bauerfeind erzählte und den sie als „Anti-Witz“ bezeichnete, was die Sache alles andere als besser machte, ging übrigens so: „Steht ein Pils im Wald, kommt der Hase vorbei und trinkt’s aus.“

05.04.2019 – Senta Krasser/MK