ARD verlängert „Tagesthemen“ ab September 2020 um fünf Minuten

05.05.2020 •

Die ARD wird ihr Nachrichtenmagazin „Tagesthemen“ von montags bis donnerstags künftig um fünf Minuten verlängern. Wie die ARD am 10. April mitteilte, würden diese Ausgaben ab dem 7. September 35 Minuten lang sein. Das habe die ARD-Programmkonferenz beschlossen. An diesen vier Werktagen starten die „Tagesthemen“ im Ersten Programm nach wie vor zum Regeltermin um 22.15 Uhr und enden dann aber nicht mehr um 22.45 Uhr, sondern um 22.50 Uhr. Angesichts der seit dem 10. März nahezu täglichen Sonderberichterstattung der ARD im Ersten zur Primetime über die Corona-Pandemie beginnen die „Tagesthemen“ seitdem jeweils zu einem späteren Zeitpunkt.

Die nun bekannt gegebene fünfminütige Verlängerung gilt nicht für die „Tagesthemen“-Ausgaben, die von freitags bis sonntags ausgestrahlt werden. Die Freitagsausgabe wird bereits seit dem 13. März nicht mehr in einer 15 Minuten langen, sondern in einer 30-minütigen Ausgabe gesendet. Die Verdopplung der Sendezeit sollte ursprünglich erst ab dem 3. April wirksam werden; wegen der Coronavirus-Berichterstattung wurden die Ausgaben am Freitag jedoch schon im März verlängert. Der Regeltermin für die Ausstrahlung der freitäglichen Nachrichtensendung ist 21.45 Uhr. Die Sendelänge der „Tagesthemen“-Ausgaben am Samstag und am Sonntag bleibt unverändert bei jeweils 20 Minuten. Im Zuge der Berichterstattung über die Coronakrise wurden allerdings die sonntäglichen Ausgaben auf 30 Minuten ausgeweitet.

Neue Regionalrubrik „#mittendrin“

Die ab September geltende Verlängerung der „Tagesthemen“-Ausgaben von montags bis donnerstags wolle die ARD „insbesondere dazu nutzen, der Berichterstattung aus den Regionen noch mehr Platz in den ‘Tagesthemen’ einzuräumen“, erklärte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Geplant sei eine neue Regionalrubrik unter dem Titel „#mittendrin“. Eingeführt werden soll diese Rubrik zunächst noch vor September in der Freitagsausgabe. Einen genauen Termin dafür teilte die ARD nicht mit. Ab September soll die Regionalrubrik dann in den „Tagesthemen“ viermal in der Woche gesendet werden. Als „wichtigen Schritt zur weiteren Stärkung unserer Informationskompetenz“ bezeichnete Programmdirektor Herres die fünfminütige Verlängerung der „Tagesthemen“.

In ihrer Sitzung am 12. Februar in Köln hatten die ARD-Intendanten bereits in Aussicht genommen, die „Tagesthemen“ von montags bis donnerstags um fünf Minuten zu prolongieren, damit mehr über regionale Themen berichtet werden kann. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow (WDR-Intendant) verwies damals darauf, die zusätzliche Sendezeit solle dafür genutzt werden, um „die Lebenswirklichkeit der Menschen aus Deutschlands Regionen abzubilden, unabhängig von der Tagesaktualität“.

Beschlossen wurde auf der Sitzung in Köln indes nur die Verdopplung der Sendezeit der freitäglichen „Tagesthemen“-Ausgabe (vgl. MK-Meldung). Für die Fünf-Minuten-Verlängerung sollte zunächst noch ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet werden. Außerdem gab Programmdirektor Herres auf der Kölner Sitzung zu bedenken, dass eine Verlängerung der „Tagesthemen“ um fünf Minuten Auswirkungen auf die Zuschauerzahl der nachfolgenden Sendungen haben könne. Er verwies hier auf bestimmte Umschaltzeitpunkte, weshalb eine solche Verlängerung nicht nur vorteilhaft sei. Diese Bedenken von Herres, dass sich also die Einschaltquoten der den „Tagesthemen“ nachfolgenden Sendungen verschlechtern könnten, sollen nun aber, wie die „Berliner Zeitung“ am 9. April online berichtete, bei der ARD-Entscheidung kein Thema mehr gewesen sein.

Bedenken von Volker Herres kein Thema mehr

Die jetzt von der ARD vereinbarten Änderungen zur Sendedauer der „Tagesthemen“ sind die größten seit der Reform, die Anfang Januar 2006 in Kraft getreten war. Damals wurde für die von montags bis donnerstags ausgestrahlten „Tagesthemen“-Ausgaben 22.15 Uhr als Sendebeginn festgelegt. Damit wurde der Start um 15 Minuten vorgezogen. Im Zuge dieser Reform (vgl. FK-Meldung) hatten die ARD-Intendanten im Jahr 2005 auch beschlossen, dass die an zwei Tagen vor den „Tagesthemen“ ausgestrahlten 45-minütigen Politmagazine um ein Drittel und damit auf 30 Minuten verkürzt werden. Vor allem diese Entscheidung der Intendanten stieß damals auf deutliche Kritik aus Öffentlichkeit, Fachverbänden und den betroffenen Redaktionen.

Georg Restle, Leiter des vom WDR produzierten ARD-Politmagazins „Monitor“, sagte am 3. März, er wünsche sich die vor 15 Jahren gekürzten 15 Minuten für die Politmagazine zurück. In Zeiten, in denen sich die Gesellschaft mit wachsendem Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auseinanderzusetzen habe, bräuchten die politischen Magazine gerade hierfür mehr Sendezeit. Der Journalist äußerte sich in Essen im Rahmen der Bekanntgabe der diesjährigen Grimme-Preisträger. Restle wurde in diesem Jahr stellvertretend für die „Monitor“-Redaktion in der Kategorie „Information und Kultur“ mit einem Grimme-Preis für die „Besondere journalistische Leistung“ ausgezeichnet (vgl. MK-Meldung), und zwar „für die kontinuierliche und haltungsstarke Berichterstattung über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus“.

05.05.2020 – vn/MK