ARD-„Tagesthemen“ verlängert und mit namensgeänderter Rubrik „Meinung“

14.09.2020 •

Bei den ARD-„Tagesthemen“ hat es mit Wirkung ab dem 1. September zwei Änderungen gegeben. Zum einen dauert das abendliche Nachrichtenmagazin im Ersten seither von montags bis donnerstags fünf Minuten länger, das heißt, die reguläre Sendezeit ist von 22.15 bis 22.50 Uhr (zuvor bis 22.45 Uhr). Zum anderen wurde die „Tagesthemen“-Rubrik „Kommentar“ nun in „Meinung“ umbenannt. Die ARD-„Tagesthemen“ gibt es seit dem 2. Januar 1978.

Die zusätzlichen fünf Minuten Sendezeit von montags bis donnerstags sollen vor allem dazu genutzt werden, der Berichterstattung aus den Regionen noch mehr Platz in den „Tagesthemen“ einzuräumen. Die entsprechenden Berichte werden im Rahmen einer Rubrik mit dem Titel „Mittendrin“ nun regelmäßig ausgestrahlt. Die Rubrik war bereits vor September in der Freitagsausgabe eingeführt worden, die im Übrigen ab Mitte März von 15 auf 30 Minuten verlängert worden war. Am 10. April hatte die ARD mitgeteilt, dass die ARD-Programmkonferenz beschlossen hatte, die „Tagesthemen“ auch von montags bis donnerstags auszuweiten (vgl. MK-Meldung).

„Kommentar“ als Label abgeschafft

Die ARD-Intendanten hatten schon auf ihrer Sitzung am 12. Februar beim WDR in Köln die Absicht bekundet, die „Tagesthemen“ von montags bis donnerstags um fünf Minuten zu verlängern, um in der Sendung verstärkt auch regionale Themen aufgreifen zu können. Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow hatte damals darauf verweisen, die zusätzliche Sendezeit solle dafür genutzt werden, um „die Lebenswirklichkeit der Menschen aus Deutschlands Regionen abzubilden, unabhängig von der Tagesaktualität“ (vgl. MK-Meldung). Ursprünglich hatte es seitens der ARD geheißen, die Verlängerung der „Tagesthemen“ auf 35 Minuten solle zum 7. September geschehen, nun wurde das Ganze um eine Woche vorgezogen.

Mit der Maßnahme reagiert die ARD auch auf Vorwürfe, im Journalismus zu stark die Sichtweise von Stadtbewohnern darzustellen. Helge Fuhst, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Nachtmagazin“), sagte dazu gegenüber der in Chemnitz erscheinenden Tageszeitung „Freie Presse“ (online, 31.8.20), bei dem Blick in die Regionen, um den es den „Tagesthemen“ mit ihrer „Mittendrin“-Rubrik gehe, sollten „vor allem auch die ostdeutschen Bundesländer sichtbarer werden“.

Etwa überraschend wurde dann noch bekannt gegeben, dass es in den „Tagesthemen“ künftig die Rubrik „Kommentar“ nicht mehr geben wird. Helge Fuhst teilte dazu am 31. August über den Twitter-Account der „Tagesthemen“ mit, dass es in der Sendung ab dem 1. September die neue Rubrik „Meinung“ geben werde: „Sie ersetzt nach 42 Jahren den ‘Kommentar’.“ Dazu erläuterte Fuhst: „Mit der Änderung von ‘Kommentar’ in ‘Meinung’ wollen wir den Zuschauern und Usern transparenter machen, dass es sich um die Meinung einer einzelnen Person handelt, nicht die der ganzen Redaktion.“

Den letzten „Tagesthemen“-Kommentar unter dem Label „Kommentar“ sprach in der Ausgabe vom 31. August ARD-Chefredakteur Rainald Becker (SWR) zur Sicherheitsdebatte nach den Demonstrationen gegen die deutsche Corona-Politik am 30. August in Berlin und den Ausschreitungen dort vor dem Reichstagsgebäude. Den ersten „Tagesthemen“-Kommentar unter der neuen Überschrift „Meinung“ sprach dann am 1. September Thomas Kreutzmann (HR), Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio, zu den Aufarbeitungsbemühungen beim Wirecard-Skandal.

14.09.2020 – da/MK

Regionaler Blick: Moderatorin Caren Miosga vor der Grafik der neune „Tagesthemen“-Rubrik „Mittendrin“ (Sendung vom 1.9.2020)

So sieht's aus: Thomas Kreutzmann kommentiete bei den „Tagesthemen“ als Erster unter dem Logo der neuen Rubrik „Meinung“

Fotos: Screenshots


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