ARD-„Tagesthemen“: Mehr Sendezeit und Berichterstattung über regionale Themen

29.02.2020 •

Die ARD will ihr Nachrichtenmagazin „Tagesthemen“ verlängern und darin künftig stärker über regionale Themen berichten. Die angestrebten Änderungen gaben der seit Januar 2020 amtierende ARD-Vorsitzende Tom Buhrow (WDR-Intendant) und ARD-Programmdirektor Volker Herres am 12. Februar auf einer Pressekonferenz in Köln bekannt. Beide äußerten sich nach dem Ende der ARD-Intendantensitzung, die am Tag zuvor beim WDR in Köln begonnen hatte.

Die freitägliche Ausgabe der „Tagesthemen“ wird den Angaben zufolge ab dem 3. April von bisher 15 auf 30 Minuten verlängert. Damit werde ein bereits seit längerem empfundener „Missstand“ behoben, dass diese „Tagesthemen“-Ausgabe nur 15 Minuten lang sei, sagte Herres. Die „Tagesthemen“ am Freitag beginnen auch künftig um 21.45 Uhr, dauern dann aber bis 22.15 Uhr. Außerdem strebt die ARD an, die von montags bis donnerstags um 22.15 Uhr ausgestrahlten „Tagesthemen“ künftig um fünf auf dann 35 Minuten zu verlängern.

Die Bedenken von Volker Herres

Diese zusätzliche Sendezeit der „Tagesthemen“ solle, wie Buhrow erklärte, explizit dafür genutzt werden, um „die Lebenswirklichkeit der Menschen aus Deutschlands Regionen abzubilden, unabhängig von der Tagesaktualität“. Die Menschen wollten „ihre ganze Lebenswirklichkeit, auch mit ihren Erfolgsgeschichten, abgebildet sehen“. In den aktuellen Zeiten, in denen „die Gesellschaft immer mehr auseinanderzerrt“, sei die Rolle der ARD „als zuverlässiger Informationsgarant“ besonders wichtig, so Buhrow. Herres sprach davon, „gerade den ländlichen Raum, die Regionen, was die DNA der ARD ist, zu stärken“. Bei diesem Vorhaben gehe es nicht nur um mehr Sendelänge, sondern auch um die Frage, wie positioniert sich die ARD in der aktuellen und hintergründigen Berichterstattung.

Mit Blick auf die angedachte Verlängerung der „Tagesthemen“ um fünf Minuten von montags bis donnerstags soll nun zunächst ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet werden. Damit beauftragt wurden die ARD-Chefredakteure und die Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“ und „Tagesthemen“). Über das Konzept und dessen Umsetzung soll dann später entschieden werden. Volker Herres gab zu bedenken, dass eine Verlängerung der „Tagesthemen“ um fünf Minuten Auswirkungen für nachfolgende Sendungen haben könne. Es gebe bestimmte Umzeitschaltpunkte, weshalb eine solche Verlängerung nicht nur vorteilhaft sei – womit Herres letztlich meint, dass sich die Einschaltquoten der nachfolgenden Sendungen verschlechtern könnten, da Zuschauer um 22.45 Uhr zu einem anderen Programm schalten. 

Für Herres geht es um eine Güterabwägung zwischen dem angestrebten Ziel, mehr regionale Informationen anzubieten, und der Frage, was man dafür in Kauf nehme. Um diese Güterabwägung treffen zu können, bedürfe es „eines überzeugenden Konzepts“, sagte der ARD-Programmdirektor. Dass ab April die „Tagesthemen“ am Freitag zur Hälfte parallel zum ZDF-„Heute-Journal“ (Beginn um 22.00 Uhr) ausgestrahlt werden, darin sieht Volker Herres kein wirkliches Problem: „Die beiden Sendungen werden sich dann ein bisschen überlappen, aber sie laufen nicht parallel“, sagte er in Köln.

Die Ablehnung von Thomas Bellut

ZDF-Intendant Thomas Bellut lehnt hingegen die Verlängerung der ARD-„Tagesthemen“ am Freitag ab, weil sich die Sendung und das „Heute-Journal“ dann 15 Minuten lang überschneiden würden. Bellut verwies, wie die „Berliner Zeitung“ am 22. Februar berichtete, in einem Brief an Herres auf staatsvertragliche Regelungen, sich bei Änderungen des Programmschemas untereinander um Einvernehmen zu bemühen. Die ARD wolle trotz der Kritik des ZDF an der Verlängerung der Freitagsausgabe der „Tagesthemen“ festhalten, erklärte ARD-Chefredakteur Rainald Becker am 25. Februar gegenüber dem Deutschlandfunk.

Die Sendelänge der „Tagesthemen“-Ausgaben am Samstag und am Sonntag bleibt im Übrigen unverändert bei jeweils 20 Minuten. Beim ZDF haben die „Heute-Journal“-Ausgaben von montags bis freitags eine Sendelänge von jeweils 30 Minuten. Ende März 2019 hatte das ZDF die sonntägliche Ausgabe des Nachrichtenmagazins von bis dato 15 auf 30 Minuten verlängert, um das „weiter wachsende Interesse der Zuschauer an einordnenden Informationen“ zu bedienen. Die Samstagsausgabe des „Heute-Journals“ dauert 15 Minuten.

29.02.2020 – vn/MK

Print-Ausgabe 15/2020

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