Flucht, Wendezeit, „Charité“: ARD stellt Filme und Serien für das Jahr 2019 vor

12.02.2019 •

Als das Erste Programm der ARD vor fast genau einem Jahr am „Film-Mittwoch im Ersten“ einen Spielfilm zum Thema Flucht ausstrahlte („Aufbruch ins Ungewisse“, vgl. MK-Kritik) fühlte sich die rechtsextreme Trollfabrik „Reconquista Germanica“ zu einer Online-Kampagne gegen den Film bemüßigt, die man bis dato in dem Ausmaß noch nicht gesehen hatte. Der diesjährige fiktionale Beitrag zum Thema Flucht, die deutsch-französische Koproduktion „Eden“, hat womöglich ebenfalls das Potential, Rechtsextreme in Rage zu bringen. Der auf deutscher Seite vom Südwestrundfunk (SWR) verantwortete Dreiteiler, der auf dem Sendeplatz des „Film-Mittwochs im Ersten“ startet, erzählt von einer hiesigen Familie, die einen Geflüchteten aufgenommen hat, blickt aber auch „auf die Welt hinter den Kulissen der EU-Politik“, wie es in der Filmankündigung heißt.

„Eden“ ist einer der Höhepunkte des diesjährigen Fernsehfilm- und Serienprogramms, das die ARD am 24. Januar in einer Event-Location in der Hamburger Hafencity vorstellte. Zu den Höhepunkten zählt die ARD zudem den ebenfalls für den 20.15-Uhr-Sendeplatz am Mittwoch vorgesehenen Film „Wendezeit“, der von einer für die Stasi und die CIA tätigen Doppelagentin erzählt. Anlass der Platzierung im Programm ist der 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer.

Mehr Diversität im „Tatort“

In die Kategorie fiktionales Geschichtsfernsehen fällt auch die Fortsetzung von „Charité“, laut WDR-Fernsehdirektor und ARD-Fernsehfilmkoordinator Jörg Schönenborn „unsere erfolgreichste Fernsehserie der letzten Jahre“. Während die vor rund zwei Jahren ausgestrahlte erste Staffel der Krankenhaus-Serie (vgl. MK-Kritik) Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt war, hat die neue die Auswüchse der Medizin im Nationalsozialismus in der Zeit zwischen 1943 und 1945 zum Thema. Die zweite Staffel von „Charité“ (Start: 19. Februar) sei ein „guter Anlass, um über den Stellenwert von Freiheit und Demokratie nachzudenken“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres auf der Veranstaltung in Hamburg.

Entgegen vieler Vorurteile gehe es der ARD nicht nur um die Quote, sagte Herres. Als Beispiel dafür nannte er das am 16. Januar um 20.15 Uhr ausgestrahlte Doku-Drama „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“, das die realen Geschichten von vier deutschen Juden erzählt, die sich in Berlin vor den Nazis versteckten. „Selbstredend lagen wir damit nicht auf Platz 1, aber das wussten wir vorher“, so Herres. Er sei „stolz darauf“, dass 2,8 Millionen Zuschauer den Film gesehen hätten (vgl. dazu dieses Zitat).

Im Krimibereich gibt es zwei auffällige personelle Neuerungen. Désirée Nosbusch, die sich einem größeren Publikum gerade als Strippen ziehende Bankerin in der ZDF-Serie „Bad Banks“ in Erinnerung gebracht hat, ist als ermittelnde Psychologin Cathrin Blake in der neuen ARD-Fernsehfilmreihe „Der Irland-Krimi“ zu sehen. Die soll im vierten Quartal starten. Und die in Uganda geborene Schauspielerin Florence Kasumba („Deutschland 86“, „Black Panther“) sorgt nun für mehr Diversität in der „Tatort“-Reihe: Sie spielt als Kollegin von Maria Furtwängler alias Hauptkommissarin Charlotte Lindholm im niedersächsischen NDR-„Tatort“ die erste schwarze Ermittlerin seit dem Start der Krimireihe vor fast 40 Jahren; Kasumbas erster Aufrtitt als Kommissarin Anaïs Schmitz erfolgte am 3. Februar in der Folge „Das verschwundene Kind“.

Was ersetzt die „Lindenstraße“?

Noch nicht klar ist derzeit, was die ARD ab März 2020 nach dem Ende der „Lindenstraße“ (vgl. MK-Artikel) auf deren bisherigen Sendeplatz am frühen Sonntagabend zeigen wird. Man sammle derzeit Ideen, sagte Herres. Jörg Schönenborn deutete an, dass die letzte Möglichkeit, die „Lindenstraße“ langfristig zu retten, in den Jahren 2014 und 2015 bestanden habe. Schönenborn sagte, der WDR habe seinerzeit darüber nachgedacht, das Konzept radikal zu verändern – ähnlich wie es vor einiger Zeit bei der „Coronation Street“, dem britischen Vorbild der „Lindenstraße“, geschehen sei. Die heißt zwar immer noch so wie bei ihrem Start vor fast 60 Jahren, hat aber, so zumindest Schönenborn, nichts mehr mit dem Ursprungskonzept zu tun. Über einen entsprechenden Umbau des „Lindenstraßen“-Konzepts, das senderintern unter dem Codenamen „Birkenallee“ verzeichnet gewesen sei, habe der WDR mit den Machern der Serie aber kein Einvernehmen erzielen können.

ARD-Programmdirektor Herres wies im Rahmen der Hamburger Pressekonferenz auch auf einige Entscheidungen im Informationsbereich hin. So ist geplant, die Reihe „Was Deutschland bewegt“ fortzusetzen. Unter diesem Titel hatte die ARD 2018 an sechs aufeinander folgenden Montagen um 20.15 Uhr Reportagen gesendet. Auch das eher auf ein für ARD-Verhältnisse jüngere Publikum zugeschnittene Reportage-Format „Rabiat“ geht in die nächste Runde (vgl. hierzu diesen MK-Artikel).

12.02.2019 – René Martens/MK