Weltweites Bündnis öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten angesichts der Corona-Pandemie

25.05.2020 •

Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten aus der ganzen Welt rücken in der Zeit der globalen Coronavirus-Pandemie enger zusammen. Darauf verwies das neu gegründete Netzwerk Global Task Force for Public Media (GTF) in einer Erklärung vom 23. April. Zu diesem Netzwerk öffentlich-rechtlicher Medien gehören bisher acht führende Rundfunkanstalten aus aller Welt, darunter aus Deutschland das ZDF (Mainz). Das Netzwerk hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Werte und Interessen der öffentlich-rechtlichen Medien international zu verteidigen.

„Selten hatten öffentlich-rechtliche Medien eine wichtigere Funktion als heute“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Und weiter: „Unsere Länder mögen sich unterscheiden in Sprache und Kultur, doch wir öffentlich-rechtlichen Sender haben alle den denselben Auftrag – Information, Bildung und Unterhaltung. Es ist unabdingbar, dass wir unsere Inhalte auf einer Vielzahl von Wegen anbieten können, linear oder non-linear, damit unser Publikum diese nutzen kann, wann immer, wo immer und wie immer die Nutzerinnen und Nutzer es wollen.“

Die GTF appelliert in ihrer Erklärung „an die Politik in allen Ländern, die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien und des Journalismus insgesamt zu unterstützen und zu verteidigen“ und fährt fort: „Selten waren unabhängige öffentlich-rechtliche Medien wichtiger für die Sicherung von Demokratie und von Rechtsstaatlichkeit auf der ganzen Welt. Nur zusammen werden wir diese Krise meistern.“

Aus Deutschland ist das ZDF dabei

Zu den Mitgliedern der Global Task Force gehörten bei der Gründung die Intendanten bzw. Vorsitzenden der folgenden sieben öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: David Anderson, ABC (Australien), Jim Mather, RNZ (Neuseeland), Catherine Tait, CBC (Kanada), Tony Hall, BBC (Großbritannien), Delphine Ernotte, France Télévisions (Frankreich), Hanna Stjärne, SVT (Schweden) und Thomas Bellut, ZDF (Deutschland). Anfang Mai schloss sich auch der südkoreanische Rundfunk KBS mit seinem Intendanten Yang Sung-dong der Global Task Force for Public Media an. Die vier europäischen der insgesamt acht GTF-Mitglieder gehören auch der in Genf ansässigen europäischen Rundfunkunion EBU an.

Die Initiative zur Schaffung der Global Task Force ging im September 2019 von der in Groß­britannien ansässigen Public Media Alliance (PMA) aus, einer weltweiten Vereinigung von öffentlich-rechtlichen Medien in 54 Staaten. Vorsitzende der Global Task Force for Public Media wurde die Kanadierin Catherine Tait. Die 62-jährige, die in ihrer Laufbahn auch Produzentin war, studierte Literatur und Philosophie in Toronto sowie Kommunikations­wissenschaften in Boston und Paris. Danach arbeitete sie zunächst für Telefilm Canada und war von 1989 bis 1991 kanadischer Kulturattaché in Frankreich.

Von 1997 bis 2001 war Catherine Tait Präsidentin der kanadischen Produktionsfirma Salter Street Films. Im Jahr 2002 gründete sie das Fernseh-, Film- und Online-Produktionsunternehmen Duopoly in New York, das sie bis 2018 als Präsidentin leitete. 2018 wurde sie dann von der kanadischen Regierung unter Premierminister Justin Trudeau für fünf Jahre und als erste Frau zur Intendantin der 1936 nach britischem Vorbild gegründeten Cana­dian Broadcasting Corporation (CBC) berufen.

Die vertrauenswürdigsten Medien

Nach ihrer Wahl erneuerte Tait die Partnerschaften der CBC mit dem australischen Sender ABC und der britischen Rundfunkanstalt BBC. In einem Beitrag für das britische Wirtschaftsblatt „Financial Times“ im Februar 2020 hatte Catherine Tait darauf verwiesen, dass die öffentlich-rechtlichen Medien die vertrauenswürdigsten seien. Gleichzeitig würden sie aber, wie zuletzt etwa in Großbritannien, Dänemark oder Australien, von ihren jeweiligen Regierungen attackiert oder eingeschränkt. Der Artikel der CBC-Präsidentin in der „Financial Times“ erschien unter der Überschrift: „Eine Welt ohne öffentlich-rechtliche Medien wäre ein dunklerer Ort.“

Im Februar 2020 während eines Besuchs bei der Berlinale hatte Catherine Tait ein neues strategisches Partnerschaftsabkommen für die CBC mit dem ZDF geschlossen. Tait erklärte damals in Berlin zu der Kooperation: „Nie war für öffentlich-rechtliche Medien eine Zusammenarbeit wichtiger als heute, um ihre entscheidende Rolle für starke Demokratien und offenen Gesellschaften zu betonen. Diese Vereinbarung wird dem Publikum in Kanada und Deutschland das Beste aus beiden Sendern bieten und zusammen werden wir authen­tische Geschichten erzählen, unser Talent unter Beweis stellen und uns gegenseitig in unserem Wissen bereichern.“

25.05.2020 – me/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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