USA/Europa: Die Streaming-Angebote Apple TV plus und Disney plus auf dem europäischen Markt

09.11.2019 •

Die Streaming-Anbieter Netflix und Amazon Prime Video wissen seit geraumer Zeit, dass sie in Europa bestimmte medienrechtliche Regelungen beachten müssen und haben sich darauf eingestellt. So muss ihr Angebot in Europa aus mehr bestehen als nur aus US-Produktionen. Eine Mischung aus Eigen- und Kaufproduktionen sichert den Plattformen von Netflix und Amazon deshalb schon jetzt einen europäischen Anteil von 20 bis 30 Prozent in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland.

Die neuen amerikanischen Anbieter auf dem Streaming-Sektor, Apple TV plus und Disney plus, die in den kommenden Monaten den Konkurrenzkampf auch um das europäische Publikum aufnehmen wollen, stehen diesbezüglich noch vor einer Hürde. Und es herrscht bisher weder intern noch extern Klarheit, wie sie es anstellen wollen, ihr Angebot zu lancieren, ohne gegen die Vorschriften zu verstoßen, die jedes Unternehmen beachten muss, das in Europa audiovisuelle Inhalte verbreiten will. Bisher gibt es auch noch keine präzise Definition, wie die auf einen 30-prozentigen europäischen Produktionsanteil ausgerichtete Quote für die neuen Streaming-Anbieter ermittelt werden soll, ob nach Titeln oder nach Sendezeit. Die US-Fachzeitschrift „Variety“ hat nun in einem Artikel versucht, wenigstens etwas Klarheit darüber zu verschaffen, was zu erwarten ist. Das Blatt stützt sich dabei im Wesentlichen auf Ergebnisse einer Untersuchung des in London ansässigen Forschungsinstituts Ampere Analysis.

Mangel an europäischen Produktionen

Der Untersuchung zufolge werden Disney plus und Apple TV plus zum Zeitpunkt ihres Auftritts in europäischen Ländern bei weitem nicht so viele Produktionen anzubieten haben wie Netflix und Amazon Prime Video. Ampere schätzt, dass Apple TV plus in Europa mit 38 Titeln beginnen wird, einschließlich Filmen und Fernsehserien, von denen nur 6,2 Prozent europäischer Herkunft sind. Disney plus wird vermutlich mit 982 Titeln anfangen, von denen 4,7 Prozent aus Europa kommen. Anders als bei Netflix und Amazon sieht die Strategie von Apple TV plus danach aus, dass man dort den Mangel an europäischen Produktionen nicht durch Ankäufe, sondern mittels Eigenproduktionen wettmachen will. Ein Anfang dazu, heißt es in dem „Variety“-Bericht, werde bereits mit der englisch-französischen Koproduktion „Josephine and Napoleon“, dem ebenfalls englisch-französischen Thriller „Faceless“ und mit einer Animationsserie gemacht, die Apple TV gemeinsam mit dem französischen Unternehmen Gaumont zu produzieren plane.

Die rund 1000 Titel von Disney plus kommen vorwiegend aus dem Archiv der Walt Disney Company. Darunter befinden sich aber im ersten Jahr auch rund 25 Originalserien und zehn eigenproduzierte Filme, zum Beispiel die Space-Opera-Serie „The Mandalorian“ und eine Neuverfilmung von „Lady and the Tramp“ (deutscher Titel: „Susi und Strolch“). Da Disney über Lizenzverträge mit verschiedenen europäischen Unternehmen wie Sky in Großbritannien, Deutschland und Italien wie auch Canal plus in Frankreich verfügt, wird das Streaming-Angebot des US-Konzerns in Europa von Land zu Land anders aussehen.

Die 30-Prozent-Quote ist aber nicht die einzige Herausforderung, der globale Streaming-Anbieter in Europa begegnen. Erst kürzlich habe die französische Regierung bekannt gegeben, so berichtete ebenfalls „Variety“, dass man die Absicht habe, die Forderung aufzustellen, dass alle internationalen Streaming-Plattformen 16 Prozent ihrer jährlichen Umsätze in Frankreich für Investitionen in regionale oder europäische Produktionen verwenden müssten. Der französische Senat solle im Januar 2020 darüber beschließen. Frankreichs Kulturminister Franck Riester habe gewarnt, dass im Fall eines positiven Votums des Senats Streaming-Anbieter, die sich nicht an die Vorgabe halten, in Frankreich verboten werden könnten.

09.11.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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