USA: Vor 50 Jahren nahm PBS seinen Sendebetrieb auf

05.10.2020 •

Als US-Präsident Lyndon B. Johnson im Jahr 1967 den „Public Broadcasting Act“ unterzeichnete und damit in den Vereinigten Staaten ein nicht-kommerzielles Fernsehen ermöglichte, dominierten drei Networks das amerikanische TV-Angebot: ABC, CBS und NBC. Was fehlte, war ein Unternehmen, bei dem nicht die geschäftlichen Interessen im Vordergrund stehen, sondern dessen Ziel es ist, „den Geist der Menschen zu bereichern“, wie Präsident Johnson es ausdrückte. Die Corporation for Public Broadcasting (CPB), die damals zustande kam, legte den Grundstein für eine Einrichtung, die weniger ein Network, sondern eher eine Vertriebsorganisation ist, den Public Broadcasting Service (PBS), der vor nunmehr 50 Jahren, am 5. Oktober 1970, seinen Sendebetrieb aufnahm und so etwas wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen der USA wurde.

PBS besteht aus 354 Mitgliedsstationen, überwiegend Bildungseinrichtungen, die das Programm beisteuern. Damals den Amerikanern noch unvertraut, katapultierte sich die Sendergruppe mit ihrer täglichen Berichterstattung über den Watergate-Skandal des Jahres 1973 ins Bewusstsein des Publikums und machte sich bald auch jenseits ihrer Nachrichtenaktivitäten mit Sendeformen einen Namen, die es ansonsten im Fernsehprogramm allenfalls am Rande gab: langformatige investigative Reportagen wie „Frontline“, allgemeinverständliche, spannend aufbereitete Wissenschaftsbeiträge wie in den Serien „Nature“ und „Nova“, historische Sendungen von „American Experience“ bis zu „Antiques Roadshow“, die vielfach preisgekrönte Serie „Masterpiece“ und nicht zu vergessen die ungemein populäre Kinderserie „Sesame Street“, die PBS bis in die entlegensten ländlichen Haushalte des nordamerikanischen Kontinents trug und darüber hinaus. Auch die Dokumentarfilme und -reihen des heute 67-jährigen Ken Burns fanden ihren Platz bei PBS, das heißt Produktionen wie „The Civil War“ (1990), „Jazz“ (2001), „The National Parks“ (2009) und „The Vietnam War“ (2017).

Die Nummer 1 in puncto Vertrauenswürdigkeit

Auch im Zeitalter des Streamings lässt PBS nicht nach, gesellschaftliche Strömungen und kulturelle Entwicklungen zu reflektieren. Im Mittelpunkt seiner Planungen des 50er-Jubiläums steht zum Beispiel ein Projekt unter dem Titel „American Portrait“, das sowohl auf digitalen Plattformen als auch in traditionellen Fernsehprogrammen verfügbar gemacht werden soll. Die Reihe soll dokumentieren, wie Amerikaner heute leben und was sie denken. Eine erste Folge, die im Mai 2020 unter dem Titel „In This Together: An American Portrait Story“ ausgestrahlt wurde, lässt amerikanische Bürger erzählen, wie sie den Beginn der Coronavirus-Pandemie erlebt haben.

Themen wie dieses sind genau das, was heutiges Publikum von PBS erwartet. Es gibt eingefleischte Anhänger der täglichen Nachrichtensendung „PBS News Hour“ und Fans der Natur- und Kindersendungen von PBS, die regelmäßig eingeschaltet werden. Was das öffentlich-rechtliche Programm aber im Bewusstsein des amerikanischen Publikums auch inmitten des immer diversifizierteren TV-Angebots vor allem präsent hält, ist seine Glaubhaftigkeit. Bei Umfragen hat sich in den letzten zwölf Jahren immer wieder ergeben, dass PBS unter sämtlichen großen Medienangeboten in den USA unverändert die Nummer 1 in puncto Vertrauenswürdigkeit geblieben ist. 86 Mio amerikanische TV-Haushalte schalten PBS jedes Jahr irgendwann ein – das ist eine bemerkenswerte Zahl in einer Zeit, in der andere schon lange etablierte Broadcast- und Kabelnetworks über die wachsende Abwanderung ihrer Zuschauer klagen.

05.10.2020 – Ev/MK

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