USA: Viacom und CBS sind wieder vereint

20.12.2019 •

Seit Anfang Dezember sind Viacom und CBS, die beiden Unternehmen von Sumner Redstones Medienkonglomerat National Amusements, wieder vereint. Drei Jahre lang hatte sich Redstones Tochter Shari mit ihrem heute 96-jährigen Vater und dem Aufsichtsrat der CBS Corporation herumgeschlagen, um die im jetzigen Medienumfeld ihrer Meinung nach unumgängliche Wiedervereinigung durchzusetzen. Etwas mehr als ein Jahrzehnt lang waren die Unternehmen auf sich selbst angewiesen, nachdem sie 2006 von Sumner Redstone auseinanderdividiert worden waren. Das machte dessen Tochter nun rückgängig. In Zukunft sollen sie die Herausforderungen des digitalen Zeitalters gemeinsam geschultert werden.

Es gibt genügend Zweifler an der Richtigkeit von Shari Redstones Entscheidung, die von den Gremien der beiden Unternehmen schon vor vier Monaten abgesegnet wurde (vgl. MK-Meldung) und Anfang Dezember auch an der Börse vollzogen wurde. Immerhin steht der jetzt Viacom CBS genannte Konzern in seinem finanziellen Volumen kaum vergleichbaren Kolossen der Medienindustrie gegenüber, gegen die er sich behaupten muss. Der Marktwert von Viacom CBS wird auf 25 Mrd Dollar beziffert, der zum Beispiel von Walt Disney auf 268 Mrd.

Produktionen für den höchsten Bieter

Shari Redstone hat aber keine Angst vor einem Wettbewerb. Sie verlässt sich ganz auf ihre eigene Strategie, die sich deutlich von der Konkurrenz unterscheidet. Im Gegensatz zu den Rivalen auf dem Streaming-Sektor wird sich Viacom CBS nämlich vor allem dahingehend orientieren, seine Produktionen an den höchsten Bieter zu veräußern, statt sie ausschließlich über eigene Medien zum Publikum zu bringen. Zwar gibt es bereits das Streaming-Angebot CBS All Access, aber das soll Viacom CBS nicht daran hindern, Erzeugnisse des Unternehmens gewinnbringend auf dem freien Markt zu verkaufen.

Viacom CBS ist auch in dem neuen Umfeld weiterhin einer der größten Mitspieler, wenn es um Fernsehwerbung geht. Der Konzern hat außerdem angekündigt, er wolle jährlich über 13 Mrd Dollar in die Produktion von Filmen und Serien investieren, um sein Profil bei CBS All Access, dem digitalen Nachrichtenkanal CBSN, dem Pay-TV-Network Showtime und dem On-Demand-Angebot Pluto TV zu stärken. Man kann heute schon auf ein Archiv von 140.000 Serien-Episoden und mehr als 3600 Spielfilmen zurückgreifen.

Ein amerikanischer Familienstreit

Neben der Fortsetzung dieser Aktivitäten will Viacom CBS die Ausrichtung auf den Verkauf seiner Produktionen nun aber mit Macht vorantreiben. Das zu Viacom gehörende Hollywood-Studio Paramount wie auch CBS hatten damit bereits angefangen, bevor die Fusion vollzogen war. So wurde etwa die populäre Serie „Jack Ryan“, koproduziert von Paramount Television, an Amazon Prime verkauft und die „True-Crime“-Serie „Unbelievable“, an deren Produktion die CBS Television Studios beteiligt waren, an Netflix. Viacom selbst veräußerte die Streaming-Rechte an der Animationsserie „South Park“ an HBO Max.

Ein Erfolg von Viacom CBS in der heutigen Medienwelt wird davon abhängen, wie gut es dem Unternehmen gelingen wird, seine Produktionen an zahlungskräftige Abnehmer auf der ganzen Welt zu verkaufen. Dabei kommt dem Konzern der in den nächsten Jahren absehbar wachsende Bedarf an qualitativ hochwertigen und publikumsattraktiven Filmen, Serien und Dokumentationen sehr entgegen. Dennoch werden es Robert M. Bakish, der Chef des fusionierten Unternehmens, und Joseph Ianniello, der Geschäftsführer von CBS, nicht leicht haben, die hochfliegenden Pläne von Shari Redstone zu verwirklichen. Sie selbst wird als Aufsichtsratsvorsitzende von Viacom CBS weiterhin ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Zunächst einmal ist sie erkennbar stolz darauf, einen der „bittersten Familienstreite in der amerikanischen Geschäftswelt“ („New York Times“) gewonnen zu haben.

20.12.2019 – Ev/MK