USA: Streaming-Plattform von Disney hat 95 Mio Abonnenten

05.03.2021 •

Die Nachricht, dass die Kundenzahl der Streaming-Plattform Disney plus bereits auf weltweit fast 95 Mio Abonnenten angewachsen ist, hat in der amerikanischen Medienindustrie für Aufsehen gesorgt. Analysten hatten ein gesundes Wachstum des am 12. November 2019 gestarteten Streaming-Angebots erwartet, sahen sich aber allesamt durch den rapiden Anstieg der Abonnentenzahl überrascht, die im Februar vom Disney-Konzern im Bericht für das vierte Quartal 2020 veröffentlicht wurde. Die Bekanntgabe des schnellen Wachstums ging Hand in Hand mit der Ankündigung, Disney plus werde das dem Publikum zur Verfügung stehende Angebot in den kommenden Monaten beträchtlich vergrößern. Genannt wurde eine Zahl von mindestens 100 neuen Titeln pro Jahr.

Alle anderen Geschäfte der schon im Jahr 1923 gegründeten Walt Disney Company hatten aufgrund der Corona-Pandemie einen bisher nie dagewesenen Einbruch erlebt. Das Unternehmen verlor nicht nur die sonst für seine Bilanz entscheidenden Einnahmen aus dem Kinogeschäft, sondern gleichzeitig die Umsätze aus seinen lukrativen Vergnügungsparks und aus den diversen Kreuzfahrtangeboten. Als finanzielle Säule erwies sich in dieser prekären Lage die im November 2019 ins Leben gerufene Streaming-Plattform.

Auch wenn Disney plus noch zu jung ist, um die jüngsten Verluste aus anderen Unternehmenssparten und die hohen Investitionen der eigenen Anfangszeit auszugleichen, rechnet Disney fest damit, dass das Konglomerat aus Disney plus und den ebenfalls zum Konzern gehörenden Streaming-Plattformen Hulu (39,4 Mio Abonnenten) und ESPN plus (12,1 Mio) binnen weniger Jahre in der Lage sein wird, aus dem einstigen Mickey-Mouse-Studio eine globale Supermacht zu entwickeln. Nicht nur dem Streaming-Marktführer Netflix (derzeit 203,7 Mio Abonnenten) will Disney Paroli bieten, sondern der Konzern will sich an die Spitze des Weltmediengeschäfts setzen.

Ein Name, dem jedermann vertraut

Bis Ende 2024 rechnet Disney plus mit 260 Mio zahlenden Abonnenten weltweit und hofft, inklusive Hulu und ESPN plus 300 Mio bis 350 Mio Kunden zu erreichen. „Nicht mehr die Einspielergebnisse der Kinos werden in Zukunft die Umsatzzahlen bestimmen, sondern neue Abonnenten der Streaming-Plattformen, sagte Medienberichten zufolge Derek Johnson, Professor für Medien und kulturelle Studien an der Universität von Wisconsin-Madison, angesichts der derzeit zu beobachtenden Entwicklung.

Sieht man sich genauer an, wie Disney plus es geschafft hat, in so kurzer Zeit seinen jetzigen Stand zu erreichen, so erscheinen hochfliegende Voraussagen gar nicht so unwahrscheinlich. Nur eine Handvoll neuer Produktionen wie „The Mandalorian“ und „WandaVision“ standen nämlich anfangs für die Plattform zur Verfügung, während Filme und Serien aus dem bereits vielfach vorher ausgewerteten Disney-Archiv die Hauptzahl des Angebots ausmachten, das trotzdem so schnell hocherfolgreich wurde. Erst in den kommenden Monaten werden vermehrt attraktive neue Produktionen das Angebot von Disney plus füllen und aller Voraussicht nach für den erhofften weiteren Zustrom von Abonnenten sorgen.

Es war und ist hauptsächlich der weltbekannte Name, dem jedermann vertraut und der auch diesmal wieder eine Erwartungshaltung geschürt hat, von der Disney plus profitierte und mit der die meisten Konkurrenten nicht rechnen können. Hinzu kommt die Erfahrung, dass Disney in den beiden letzten Jahrzehnten eine überaus glückliche Hand bewiesen hat, was den Erwerb attraktiver Produktionsunternehmen wie Pixar, Marvel und Lucasfilm angeht, deren Erzeugnisse in Zukunft zum festen Bestandteil der Streaming-Plattform gehören werden.

05.03.2021 – Ev/MK

Print-Ausgabe 7/2021

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