USA: Streaming-Plattform HBO Max am 27. Mai gestartet

03.06.2020 •

10.000 Stunden Programm hat die neueste Streaming-Plattform in den USA dem Publikum versprochen: Am 27. Mai ist HBO Max gestartet. Und von Elmo bis Tony Soprano sollen alle mit von der Partie sein. Von „Friends“ bis „Game of Thrones“ werden Serien, die zu den beliebtesten überhaupt zählen, bei HBO Max zum jederzeitigen Zugriff bereitstehen. Vor allem aber sollen mehrere Originalproduktionen von Ridley Scotts Science-Fiction-Serie „Raised By Wolves“ bis zu Ellen DeGeneres’ Animationsserie „Little Ellen“ dem von Konkurrenz umlagerten Neuling helfen, sich auf dem Streaming-Markt zu profilieren.

So hofft es jedenfalls der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T, der es sich vor zwei Jahren 85 Mrd Dollar kosten ließ, den Mediengiganten Time Warner zu kaufen, um sich dadurch den Weg zum führenden Technologie- und Entertainment-Anbieter der USA zu ebnen (vgl. MK-Meldung). Seitdem beherrscht die Vorstellung eines alle Formen des Film- und Fernsehkosmos umfassenden Angebots das Denken des AT&T-Managements. Aus Time Warner wurde Warner Media und aus dessen Pay-TV-Network Home Box Office (HBO) entsprangen gleich mehrere Ableger: HBO Go, HBO Now und nun auch noch HBO Max. Seine Serie „Friends“ hatte Warner schon zur Verwertung an den Streaming-Marktführer Netflix verkauft, holte sie sich dann aber als Publikumsmagnet für die eigene Plattform zurück (vgl. MK-Meldung).

Das Gewirr der verschiedenen Angebote

Hoch hinaus will die Mannschaft von HBO Max nun also, deren Angebot während der Coronakrise an den Start gegangen ist. „Sogar mitten in einer unvergleichbaren Pandemie wird das All-Star-Team von HBO Max eine Plattform mit einer robusten Palette von Inhalten anbieten, die abwechslungsreich, von höchster Qualität und unübertrefflich ist“, so verkündete es Bob Greenblatt, der Chairman von Warner Media Entertainment. Für die potenziellen Zuschauer stellt sich aber zunächst ein ganz anderes Problem, nämlich sich zurechtzufinden im Gewirr der verschiedenen HBO-Angebote und auszutüfteln, wie sie sich unterscheiden und welches für ihn persönlich das passendste sein könnte.

HBO Go ist ein kostenloses Video-on-Demand-Angebot, das für HBO-Abonnenten Originalproduktionen und Kinofilme verschiedener Provenienz bereithält. HBO Now kann hingegen unabhängig von einem bestehenden Kabel- oder Satellitenabonnement gegen Entgelt gebucht werden. Es enthält ebenfalls ein breitgefächertes Angebot von Originalproduktionen. HBO Max soll nun schließlich die kostenpflichtige (und im Vergleich zu anderen Streaming-Angeboten mit monatlich 14,99 Dollar nicht gerade billige) Superplattform bilden, in der nicht nur alles zusammenkommt, was HBO heißt, sondern auch ein riesiger Fundus an lizenziertem Material von neuesten Kinofilmen der Studios Warner Bros. und New Line Cinema bis hin zum ganzen Arsenal von Warner-Media-Sendern wie CNN, TNT, truTV und das Cartoon Network.

Coronakrise durchkreuzt hochfliegende Pläne

AT&T hat sich zu der Voraussage aufgeschwungen, dass HBO Max bis zum Jahr 2025 in den USA 50 Mio Abonnenten haben werde; weltweit sollen es 75 Mio bis 90 Mio zahlende Kunden sein. Das mag vor wenigen Monaten noch halbwegs realistisch erschienen sein. Inzwischen jedoch haben Apple TV plus und Disney plus ihre erfolgreichen Starts auf dem Streaming-Markt hinter sich und die unkalkulierbare Coronakrise macht Veranstaltern und Publikum zudem einen dicken Strich durch die Rechnung.

Als Folge der Virus-Pandemie hat HBO Max von dem ursprünglich geplanten Angebot neuer Originalproduktionen rechtzeitig zu seinem Start gerade noch sechs übrigbehalten. Es ist inzwischen eine in der Branche anerkannte Tatsache, dass bisher nirgendwo anders ausgestrahlte Filme und Serien das wirkungsvollste Mittel zur Anwerbung von neuen Streaming-Abonnenten darstellen. Die Pläne von HBO Max wurden aber gerade auf diesem Sektor von der Coronakrise durchkreuzt. Und wann die derzeit lahmliegenden Produktionsstätten in der Lage sein werden, die Arbeit wieder aufzunehmen, steht in den Sternen. Was von dem hochfliegenden Vorhaben von HBO Max zur Zeit übrig bleibt, ist deshalb kaum mehr als ein Supermarkt, in dem sich der vom Pay-TV-Network HBO verwöhnte Zuschauer erst einmal mühsam zurechtfinden muss, um dann zwar an Zahl sehr viel, aber an wirklich Neuem wenig Aufregendes zu finden.

03.06.2020

Print-Ausgabe 13-14/2020

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