USA: Streaming-Anbieter setzen auf Kinderprogramme

15.02.2021 •

Die Consumer Technology Association (CTA) ist der Wirtschaftsverband von rund 2200 Technologie-Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Ein wichtiger Teil der Aufgaben des Verbandes ist die Marktbeobachtung. Dabei widmet die CTA ihre Aufmerksamkeit nicht nur gegenwärtigen Entwicklungen, sondern analysiert auch sich abzeichnende Trends und Zukunftschancen. Dabei gelangte sie jüngst zu der Prognose, dass die Ausgaben der amerikanischen Konsumenten für das Videostreaming im gerade begonnenen Jahr um 15 Prozent auf 41 Mrd Dollar steigen werden. Addiert man zu dieser Voraussage hinzu, dass in den USA 75 Prozent aller Eltern regelmäßig mehrmals in der Woche mit ihren Kindern fernsehen, so lässt sich ahnen, wie stark die Einkünfte der Streaming-Anbieter vom Anteil ihrer Kinderprogramme abhängig sind.

Angesichts der schnell wachsenden Zahl von Streaming-Plattformen auf dem Medienmarkt und der zumindest in den USA zu beobachtenden Bereitschaft des Publikums, sich von altgewohnten linearen Fernsehangeboten abzuwenden, finden die Strategien der Streaming-Plattformen immer mehr Aufmerksamkeit. Deren Eigentümer scheinen sich der kommerziellen Bedeutung des auf Kinder ausgerichteten Programmsegments inzwischen sehr bewusst zu sein. Die Fachzeitschrift „Variety“ zitierte in diesem Zusammenhang jüngst zum Beispiel Brian Roberts, den Präsidenten des Senders Nickelodeon, auf dessen Kinderprogramme sich der vor dem Start stehende Streaming-Anbieter Paramount plus weitgehend verlassen wird, mit dem Satz: „Als Elternteil weiß man genau, dass man lieber aufs Essen verzichtet, bevor man seinem Kind etwas wegnimmt.“

Eine Folge der Corona-Pandemie

Es überrascht deshalb nicht, dass bei allen Strea­ming-Anbietern Kindersendungen immer stärker ins Blickfeld treten. Bisher haben Disney plus und Netflix auf diesem Gebiet einen Vorsprung, aber die vielen Konkurrenten haben längst reagiert und wollen im Lauf dieses Jahres im Bereich Kinder­programm zunehmend aufholen. Die Schnelligkeit, mit der das passiert, hat auch viel mit der grassierenden Corona-Pandemie zu tun. Die meisten Schulen und Kindergärten sind derzeit auch in den USA geschlossen, weshalb die Kinder doppelt so viel Zeit zu Hause verbringen als unter normalen Umständen. Eltern sind nicht nur damit beschäftigt, das Homeschooling zu beaufsichtigen, sondern auch die ungewohnt lange Freizeit ihrer Kinder zu füllen. Dabei spielt das Fernsehen in den USA klar die Hauptrolle. Und es sind dann nicht zuletzt die Kinder selbst, die in zahllosen Familien den Anstoß dazu geben, dass ihre Eltern eine Streaming­Plattform abonnieren, weil sie dort zielgerichteter als bei den linearen Sendern das zu sehen bekommen, was sie sehen möchten.

„Die Aufmerksamkeit von Kindern zu wecken“, heißt es in dem „Variety“-Artikel weiter, „dürfte eine der wichtigsten Aufgaben der Entertainment-Industrie sein. Junge Zuschauer jagen ihre Spielgefährten sogar schneller zu neuen Angeboten als vielen Mainstream-Unternehmen lieb ist. Wenn Apple, Netflix, Warner Media, Disney und Nickel­odeon diese jungen Zuschauer nicht gewinnen können, wer wird es dann in Zukunft sein?“ In einem sind sich die Fachleute allerdings sicher: Die Virusepidemie wird ihre Wirkung auf diesem Sektor auch dann noch tun, wenn sie schon längst zu Ende ist. Bis dahin werden neue Orientierungen nämlich längst zur Gewohnheit geworden sein und die Faszination des Streamings ist dann nicht mehr wegzudenken.

15.02.2021 – Ev/MK

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