USA: Spekulationen um Trump und Fox News

28.12.2020 •

Vier Jahre lang galt Rupert Murdochs Kabelnetwork Fox News als der „Haussender“ des während dieser Zeit amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Während andere auf Nachrichten spezialisierte Kabelfernsehprogramme wie CNN und MSNBC Abstand hielten zu der oft konfusen Regierungspolitik des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, konnten sich Trumps Anhänger darauf verlassen, bei Fox News dem Staatsoberhaupt gefällige Berichterstattung zu finden. Auch noch die abwegigsten Behauptungen des republikanischen Präsidenten fanden bei den konservativen Moderatoren des Networks Unterstützung.

Das ging so bis zur Wahlnacht des 3. November. Da war ausgerechnet Fox News das Network, das hinsichtlich der Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl als erster der berichterstattenden Sender den Trump-Konkurrenten Joe Biden von der Demokratischen Partei zum Sieger im Bundesstaat Arizona erklärte, während alle anderen Nachrichtenprogramme diesbezüglich noch tagelang Zurückhaltung übten, weil es in Arizona ein so knappes Rennen war. Trumps Wahlhelfer protestierten sogleich bei Rupert Murdoch persönlich, während der Präsident sich entrüstet von seinem Lieblingssender abwandte und seine Anhänger zu kleinen, bisher kaum beachteten Nachrichtensendern wie insbesondere Newsmax dirigierte. Fox News lag übrigens richtig: Ende November wurde nach einer erneuten Auszählung offiziell bestätigt, dass Joe Biden in Arizona rund 10.500 Stimmen mehr erhalten hatte als Donald Trump.

Der 2014 gegründete Nachrichtensender Newsmax ist bekannt geworden als „ein Landeplatz für Kabelfernsehpersonal, das eine neue Heimat finden muss“ („The Washington Post“). Inzwischen hat der politisch konservative Sender Zugang zu 75 Mio Haushalten in den USA. Newsmax konnte seine Reichweite 2017 durch Kooperationen mit dem Telekommunikationskonzern AT&T und dem Satellitenfernsehunternehmen DirecTV signifikant vergrößern (vgl. MK-Meldung). Viele der heute bei dem Sender tätigen Mitarbeiter wie Greg Kelly und Rob Schmitt kommen von Fox News und haben bei Newsmax ihre erzkonservative Kommentierung des politischen Tagesgeschehens fortgesetzt, womit sie sich Trumps Zuneigung erwarben.

Ein eigener Streaming-Kanal für Donald Trump?

Die Fürsprache des Präsidenten hat sich für den kleinen Nachrichtensender ausgezahlt. Waren es vor dem Wahltag noch rund 180.000 Zuschauer im Schnitt, die sich täglich bei dem in Florida und Texas beheimateten Network einschalteten, so schoss die Sehbeteiligung in den darauffolgenden Wochen auf bis zu eine Million Zuschauer hoch. Bei Fox News muss man befürchten, dass viele der zu Newsmax abgewanderten Trump-Anhänger auch in den kommenden Jahren dort bleiben werden. Ausgeschlossen ist andererseits aber auch keineswegs, dass Trump nach Ende seiner Amtsperiode mit Fox News Frieden schließt und sich dort eine eigene Plattform beschafft. Die Spekulationen enden damit nicht. Der Newsmax-Gründer und -Geschäftsführer Christopher Ruddy spielt Golf in Trumps Mar-a-Lago-Club in Palm Beach und bezeichnet sich als langjährigen Freund des Präsidenten. Es klingt deshalb durchaus glaubhaft, wenn gemunkelt wird, Ruddy habe Trump angeboten, bei Newsmax zukünftig eine ausgewiesene Rolle zu spielen.

Vielleicht behält aber auch das „Wall Street Journal“ recht, das berichtet, Investoren stünden bereit, um eine um Trump zentrierte Videostreaming-Plattform zu finanzieren. Jon Klein, einstiger Produzent bei den „CBS Evening News“ und ehemaliger CNN-Präsident, besitzt Erfahrung im Umgang mit Politikern. Er sagte zur „Los Angeles Times“: „Donald Trump könnte mit einem Streaming-Kanal ein Vermögen verdienen. Der Schlüssel zum Erfolg beim Streaming ist ein Stammpublikum. Und wenn sich das Publikum miteinander verbunden fühlt, dann macht es das Marketing für dich.“ Klein hatte schon einmal Eliot Spitzer, den früheren Gouverneur von New York, für CNN angeheuert und er hat für Sarah Palin, ehemalige Kandidatin für das Amt der US-Vizepräsidentin, einen Streaming-Kanal ins Leben gerufen. Die amerikanischen Kolumnisten jedenfalls sind sich über eines einig: Auch nach dem 20. Januar 2021, dem Tag des Präsidentenwechsels zum Wahlsieger Joe Biden, wird es um Donald Trump nicht still werden.

28.12.2020 – Ev/MK

Print-Ausgabe 14-15/2021

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