USA: Sony Pictures schließt Exklusivvertrag mit Netflix

26.04.2021 •

Während andere Hollywood-Studios eigene Streaming-Plattformen gegründet haben, um sich gegen den Marktführer Netflix zu behaupten, entschied sich nun das zum Sony-Konzern gehörige, in Culver City angesiedelte Studio Sony Pictures, den umgekehrten Weg zu gehen. Sony Pictures schloss für die Streaming-Auswertung seiner Filme und Serien einen Exklusivvertrag mit Netflix ab. Der Vertrag umfasst die Sony-Produktionen der Jahre 2022 bis 2026. Seine Gültigkeit erstreckt sich dabei nur auf das Lizenzgebiet der Vereinigten Staaten. Wie es heißt, wollen die Vertragspartner aber über eine Ausdehnung auf andere Länder demnächst nachdenken. Die Kundenzahl von Netflix ist inzwischen weltweit auf 204 Mio Abonnenten angewachsen.

Sämtliche Filme, die unter den Bannern von Sony, Sony Pictures Classics, Columbia Pictures, Screen Gems und TriStar hergestellt werden, gehen anschließend an das sogenannte „Kino-Fenster“ zur alleinigen Streaming-Auswertung an Netflix. Der Vertrag räumt Netflix außerdem ein Zugriffsrecht auf alle Sony-Filme ein, die nicht in die Kinoauswertung gelangen, sondern direkt ins Streaming kommen sollen. Die finanzielle Dimension des Deals wurde bisher nicht offiziell bekannt, von Fachleuten wird sie jedoch auf einen Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Dollar geschätzt.

Eine große Ausnahme

Blockbuster-Filme der Hollywood-Studios gelten nach wie vor als die wichtigsten Stützen der konkurrierenden Pay-TV- und Streaming-Märkte. Deshalb haben die großen Studios ihre oft mit erheblichem Finanzaufwand hergestellten Produktionen mit wenigen Ausnahmen in eigene Streaming-Angebote oder in die digitalen Plattformen ihrer Mutterhäuser dirigiert: Die Filme des Disney-Konzerns gehen zu Disney plus, die Filme von Universal zu Peacock, Warner-Filme zu HBO Max und Paramount-Filme zu Paramount plus. Der Pakt zwischen Sony und Netflix ist die große Ausnahme. Er ist auch ein Signal für die in den kommenden Jahren zu erwartende Umgestaltung der Film- und Serienauswertung.

In welchem Umfang das Unterhaltung suchende Publikum nach dem noch nicht abzusehenden Ende der Corona-Pandemie in die Kinos zurückkehren wird oder aber Gefallen daran gefunden hat, seinen Bedarf lieber vor dem heimischen Großbildschirm zu decken, ist vorerst noch eine offene Frage. Deutlich lässt sich aber eine wachsende Abwendung vom Kabelfernsehen und Pay-TV zugunsten des Streamings feststellen. Für mehr als eine Dekade hatten Sony-Filme ihre Heimat bisher bei dem Kabel- und Satellitenunternehmen Starz gefunden, das der Lions Gate Entertainment Corporation gehört. Damit ist es nun zu Ende. Ähnliche Umstrukturierungen dürften auch andernorts zu erwarten sein.

26.04.2021 – Ev/MK

Print-Ausgabe 14-15/2021

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