USA: Skandal um die Golden Globe Awards

14.06.2021 •

Seit längerem umstritten und angefeindet, haben die von der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) alljährlich verliehenen Filmpreise, die Golden Globe Awards, Mitte Mai dieses Jahres einen Tiefpunkt erreicht und sehen sich einem Skandal ausgesetzt, von dem sie sich vielleicht nicht wieder erholen können: Die Tageszeitung „Los Angeles Times“ warf der HFPA einer Fülle von ethischen und finanziellen Verstößen vor, was dazu führte, dass der Fernsehsender NBC, der die Preisverleihungszeremonie unter dem Slogan „Hollywood’s Party of the Year“ seit 25 Jahren mit großem Zuschauerzuspruch live überträgt, die Show im Jahr 2022 nicht ausstrahlen wird.

„Wir glauben weiterhin“, heißt es in einer Stellungnahme von NBC, „dass die HFPA zu einer grundlegenden Reform bereit ist. Andererseits brauchen Veränderungen solchen Umfangs viel Geduld und Arbeit, und wir sind davon überzeugt, dass die HFPA Zeit benötigt, um das auf die richtige Weise zu tun. Deshalb wird NBC im Jahr 2022 die Golden Globes nicht übertragen.“

Tom Cruise schickt Preise zurück

Für die gesamte Medienindustrie bedeutet die Entscheidung des Senders einen heftigen Schlag, denn die Golden Globes dienten stets als wichtige Indikatoren für die spätere Verleihung der Oscars. Für NBC zählte die Übertragung der Zeremonie zu den Höhepunkten jeder Wintersaison. Sowohl dem Sender als auch der veranstaltenden Journalistenvereinigung brachte sie viel Geld ein. Doch dieses Jahr war die Preisverleihung, die Ende Februar stattfand, von Anfang an von dem Vorwurf überschattet, dass sich unter den 87 stimmberechtigten Mitgliedern der Organisation kein einziger Afroamerikaner befindet. Die Sehbeteiligung fiel aufgrund der Kontroverse um über 60 Prozent niedriger aus als im vorigen Jahr.

Trotz jahrelanger Kritik an der Legitimität, der Glaubwürdigkeit und den ethischen Maßstäben der HFPA hatte NBC die Zusammenarbeit mit der Organisation nie grundsätzlich in Frage gestellt. Die jetzt in der „Los Angeles Times“ erhobenen Anschuldigungen – Rassismus, zu wenig Diversität und mangelnde Transparenz – waren jedoch so schwerwiegend und zogen in Windeseile so weite Kreise, dass sogar einige der einflussreichsten Medienunternehmen wie Netflix, Amazon Studios, Warner Bros. und HBO ankündigten, die Golden Globes so lange zu boykottieren, bis die HFPA sinnvolle Änderungen vollzogen hat. Zu den Vorwürfen gegen den Verband zählten auch die Beeinflussung durch Geschenke und undurchsichtige Aufnahmekriterien. Das US-Fachblatt „Hollywood Reporter“ berichtete am 10. Mai, dass der Schauspieler Tom Cruise die drei Golden Globes, die er bisher erhalten habe, aufgrund der Vorwürfe an die Hollywood Foreign Press Association zurückgeschickt habe.

14.06.2021 – Ev/MK

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