USA: Science Fiction als Auftakt des Projekts „AMC Visionaries“

29.05.2018 • Seit es Filme und Serien gibt, faszinieren Aliens und Monster das Publikum. Doch Science Fiction für die Kinoleinwand zu produzieren, ist im Lauf der Jahrzehnte immer teurer geworden. Was also lag näher, als die Neugier des Publikums für eine Dokumentarserie zu nutzen, die gleichzeitig Erinnerungen und Deutungsversuche anbietet, ohne ein Vermögen zu kosten? Kein amerikanisches Fernsehnetwork konnte dafür besser geeignet sein als AMC, dessen drei Buchstaben ja für den Namen „American Movie Classics“ stehen.

Die Notwendigkeit für heutige Fernsehsender, sich unter den vielen Broadcast-, Kabel- und Streaming-Angeboten zu profilieren, sich mithin von der Konkurrenz signifikant zu unterscheiden und zur Heimat eines spezifischen Publikumskreises zu werden, hat AMC schon seit geraumer Zeit in Richtung der Genres Horror und Science Fiction geführt. Preisgekrönte Serien wie „The Walking Dead“ und „Breaking Bad“ waren für AMC jahrelang anhaltende Erfolge. Aber sie waren auch kostspielig. Vor dem Hintergrund der jüngst getroffenen Entscheidung des Networks, in diesem Jahr 65 Stunden seines Programms mit dokumentarischen Sendungen zu füllen und damit doppelt so viel Zeit wie noch im Jahr 2015, lag es nahe, die allmählich gewachsene Spezialisierung auf ikonische Hollywood-Genres mit der angestrebten Spezialisierung auch auf Dokumentationen zu verknüpfen: „AMC Visionaries“ nennt AMC dieses Vorhaben.

Auftakt mit James Cameron

Den Anfang hat jetzt die Produktion „James Cameron’s Story of Science Fiction“ gemacht. Die Dokumentarreihe des berühmten Regisseurs und Drehbuchautors besteht aus sechs Teilen, die Untertitel haben wie „Aliens“, „Outer Space“ und „Monsters“. James Cameron, den Schöpfer von „Avatar“ (2009), dafür zu gewinnen, war ein Coup, der nicht nur der Reihe selbst zugute kommt, sondern sich auch für AMC auszahlt. Denn mit Oscar-Preisträger Cameron an der Spitze war es ein Leichtes, für das Projekt auch andere Größen des Science-Fiction-Films vor die Kamera zu holen: Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott, Guillermo del Toro – zahlreiche Stars der bekanntesten Filme und Buchautoren, deren Vorlagen die Filmemacher inspiriert haben, sind mit dabei.

Das Projekt „James Cameron’s Story of Science Fiction“ ist nicht nur ein „Making-of…” (obwohl es auch das ist), sondern es ist zugleich eine Hinterfragung der Ideen und Absichten, die zu Filmklassikern wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und Fernsehserien wie „Star Trek“ geführt haben. Es werden Querverbindungen hergestellt, die dem Zuschauer die Augen öffnen, und philosophische Denkmodelle nachvollzogen, die Science-Fiction-Filme als eigenständiges, zukunftsorientiertes Genre definieren. Je länger man den zahllosen Filmausschnitten zuschaut und den Diskussionen zuhört, umso faszinierender wird jede der sechs Folgen. So ist das Cameron-Projekt ein imponierender Auftakt für „AMC Visionaries“ und für das Network eine Bestätigung, dass diese Art von Dokumentationen ein gangbarer Weg ist, um berühmte Gesichter auf den Bildschirm zu bekommen, ohne dafür eine Unmenge Geld bezahlen zu müssen.

29.05.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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