USA: Präsidentschaftsbewerber Donald Trump legt sich mit dem spanischsprachigen Network Univision an

03.09.2015 •

Kein Kandidat erregt im Vorfeld der kommenden amerikanischen Präsidentschaftswahl so viel kontroverse Reaktionen wie der Immobilientycoon und Medienstar Donald Trump. Tagtäglich verhöhnt der 69-Jährige seine Mitbewerber um die republikanische Kandidatur vor laufenden Kameras, bezeichnet illegale mexikanische Immigranten als Verbrecher und Vergewaltiger und stellt sich selbst als potenziellen Retter der Nation dar. Er tut das in einem Stil, der auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt, kommt damit aber beim Volk erstaunlich gut an.

Dass Trump die sofortige Abschiebung von 11 Millionen nicht von den amerikanischen Behörden erfassten Immigranten und den Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko fordert, hat ihm bisher nur bei der spanischsprachigen Minderheit geschadet. Laut einer repräsentativen Umfrage vom 21. und 22. August liegt Trump mit 40,1 Prozent an der Spitze aller republikanischen Bewerber um die Kandidatur für das Präsidentenamt. Weder der Neurochirurg Ben Carson noch Jeb Bush, der frühere Gouverneur von Florida (1999 bis 2007), können ihm derzeit mit ihren mageren 13 bzw. 10 Prozent gefährlich werden.

„Die lauteste Stimme der Intoleranz“

Von Anfang an hat in Trumps Wahlkampf das Thema der Einwanderungspolitik im Vordergrund gestanden. Wenn es ihm nötig erschien, legte er sich dabei auch mit jenen Medien an, die der Republikanischen Partei freundlich gesonnen sind wie etwa die beiden TV-Networks Fox News und Univision. Zum Erstaunen der Branche nahm Trump sogar Jorge Ramos, den „Walter Cronkite des spanischsprachigen Fernsehens“, aufs Korn, als er diesen bei einer Pressekonferenz in Dubuque (Iowa) des Raumes verwies. Der 57-jährige Ramos ist auf dem Nachrichtensektor der Star von Univision. Jeden Tag sehen dessen Sendung dort zwei Millionen Latinos, womit er sogar den unter konservativen Amerikanern besonders beliebten Wolf Blitzer bei CNN übertrifft.

Einen Mann wie Ramos macht man sich nicht zum Feind, wenn man die Spanisch sprechende Bevölkerung am Wahltag hinter sich wissen will. Donald Trump macht sich nichts daraus. Es beeinflusst seine Haltung auch nicht, dass Univision und der andere spanischsprachige Fernsehsender Telemundo ihm und seinen umstrittenen Äußerungen oft doppelt so viel Sendezeit widmen wie englischsprachige Programme. Vorerst scheint Trumps Kalkulation aufzugehen: Für jeden abspenstig gemachten Latino zieht er zwei Ultrarechte auf seine Seite. 3,3 Millionen Trump-Follower bei Facebook und 3,8 Millionen bei Twitter sind auch ein Indikator dafür.

„Trump zum Präsidenten zu machen, ist ungefähr so, wie einem Affen ein geladenes Gewehr in die Hand zu drücken“, konterte Ricardo Sanchez, Moderator einer viel gehörten Radiosendung in Los Angeles, Trumps Ausfälligkeiten. Hatte man die Kandidatur von Trump, der auch populäre Reality-Shows wie „Miss Universe“ und „Celebrity Apprentice“ produzierte bzw. moderierte, zu Beginn des Rennens um die republikanische Präsidentschaftsnominierung noch als „irrelevantes Sommeramüsement“ („New York Times“) abgetan, so beginnt man in politischen Kreisen und in der amerikanischen Presse inzwischen zu befürchten, dessen bombastisches und selbstherrliches Auftreten könnte ihm vielleicht tatsächlich den Weg ebnen. Die Unzufriedenheit mit den Berufspolitikern in Washington sitzt im Volk derzeit tiefer als jemals zuvor in der amerikanischen Geschichte. „Die lauteste Stimme der Intoleranz, des Hasses und der Spaltung in den Vereinigten Staaten“, wie Donald Trump von Jorge Ramos inzwischen apostrophiert wird, verschafft sich offenbar mehr Gehör, als irgendjemand zuvor gedacht hätte.

03.09.2015 – Ev/MK