USA: Partnerschaft von Comcast und Netflix

05.05.2018 • Noch bis vor kurzem waren sie Rivalen, Comcast, der größte amerikanische Kabelnetzbetreiber, und der mächtige Streaming-Konkurrent Netflix. Jetzt haben sie eine kaum für möglich gehaltene Partnerschaft proklamiert. Die Marktentwicklung hat sie dazu gezwungen. Comcast verlor im vergangenen Jahr 186.000 zahlende Kunden, während Netflix allein im ersten Quartal 2018 unerwartete 7,41 Mio Abonnenten hinzugewann, davon 5,46 Mio im Ausland.

Diese Entwicklung ist hinsichtlich der US-Konsumenten ein Zeichen dafür, dass deren Abnabelung von den Kabelpaketverträgen der Vergangenheit („Cord Cutting“) immer noch in vollem Gange ist. In Zukunft werden amerikanische Fernsehzuschauer, wenn sie Comcast-Kunden sind, nun die Wahl haben, ob sie reguläre Fernsehsender und Netflix-Streaming in einem einzigen Angebot und auf einer einzigen Rechnung zu einem Gesamtpreis haben wollen, der aller Voraussicht nach niedriger sein wird als separate Abonnements.

Großproduzent Netflix

Bei Comcast betrachtet man die Bündelung verschiedenster Serviceleistungen als einen Ausweg aus dem Dilemma der Konkurrenz zwischen Kabelfernsehen und Videostreaming. Schon jetzt bezahlen Comcast-Kunden für ein Sammelangebot bestehend aus Fernsehen, Telefon und Internet, wozu sich zukünftig als vierte Komponente dann auch Netflix hinzugesellen wird. Comcast rechnet damit, dass es durch das zusätzliche Angebot von Netflix-Streaming eine ansehnliche Zahl von Kunden bei der Stange halten kann, die sonst ihr Comcast-Abonnement kündigen würden. Netflix sieht andererseits die Notwendigkeit voraus, auch Zugang zu langjährigen zufriedenen Kunden der Kabelindustrie finden zu müssen, weil es in absehbarer Zeit beim Zugang von „Cord Cutters“ als Neuabonnenten den Sättigungsgrad erreicht haben wird und sein Wachstum in den USA dann spürbar abflauen dürfte.

Noch ist es allerdings nicht so weit, dass man sich bei Netflix Sorgen machen müsste. Auch für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen steigende Abonnentenzahlen. Netflix selbst rechnet mit 6,2 Mio neuen Kunden, während Analysten erwarten, dass es rund 5,6 Mio sein werden, was auch noch immer ein stolzes Ergebnis wäre. Mit einer jährlichen Investition von über 10 Mrd Dollar in Eigenproduktionen und den Ankauf neuer Filme und Serien ist Netflix derzeit auf dem Weg, einer der größten Produzenten in der weltweiten Unterhaltungsindustrie zu werden. Fürchten muss Netflix sich nur vor dem bevorstehenden Verlust aller Disney-Produktionen und damit der lukrativen Franchise-Filme von Pixar, Marvel und Lucasfilm, die heutzutage im Kino und in der Nachauswertung das meiste Geld einbringen (vgl. hierzu diese MK-Meldung 18/17 und diese MK-Meldung).

05.05.2018 – Ev/MK