USA: Neues NBC-Unternehmen für Dokumentarproduktionen

20.02.2020 •

Dokumentarfilme und -reihen sind seit Anbeginn des Fernsehens unverzichtbare Bestandteile des Angebots, die dann jedoch bei einer Betrachtung des Gesamtprogramms eher eine Rand­stellung einnahmen. Schon seit geraumer Zeit ist indes in den US-amerikanischen Medien eine von Jahr zu Jahr steigende Nachfrage nach Non-Fiction-Produktionen zu beobachten. Immer mehr Begebenheiten des öffentlichen Lebens, die einst ihren alleinigen Platz in den Nachrichtensendungen der Networks fanden, werden in TV-Magazinen und zum Teil abendfüllenden Sendungen aufbereitet und finden ein bemerkenswert großes Echo beim Publikum.

Das Broadcast-Network NBC verzeichnet einen seiner größten Erfolge mit der True-Crime-Serie „Dateline“ (vgl. MK-Meldung), von der es inzwischen Hunderte von Episoden gibt und die auch von anderen Fernsehanbietern übernommen wird, so dass sie jetzt fast täglich irgendwo auf dem Sendeplan erscheint. Der Nachrichtenkanal CNN und der gleichsam öffentlich-rechtliche Sender PBS tun sich regelmäßig mit Dokumentarproduktionen hervor, etwa mit Filmen über die Country-Sänger Linda Ronstadt und Glen Campbell. Dokumentarische Reihen wie die von Ken Burns über Jazz, den amerikanischen Bürgerkrieg, die Roosevelts und die amerikanischen Nationalparks haben dem Genre große Anerkennung verschafft. Und natürlich haben mittlerweile auch die Kabelnetworks, unter ihnen vornehmlich der Pay-TV-Sender HBO, mit Dokumentarreihen wie „The Jinx“ (in Deutschland als „Der Unglücksbringer“ bei Sky ausgestrahlt) einst kaum vorstellbare Erfolge erzielt.

Steigende Bedeutung von Non‑Fiction

Mit dem Einzug des Videostreamings haben Non-Fiction-Produktionen noch mehr an Bedeutung gewonnen. Dem versucht sich NBC News, die für Nachrichten zuständige Produktionseinheit des Broadcast-Networks NBC, jetzt anzupassen. NBC scheint sich seiner historischen Verpflichtung als Sender des ersten regelmäßigen Nachrichtenprogramms im US-Fernsehen im Februar 1940, also vor 80 Jahren, bewusst zu sein. Genau im Jubiläumsmonat gab das Network nun die Gründung des Produktionsunternehmens NBC News Studios bekannt, einer neuen Einheit, die sich ausschließlich der Herstellung von Dokumentarfilmen und -reihen und von allem, was in den USA „Non-scripted programming“ genannt wird, widmen soll. Die früher mit dieser Aufgabe betraute Firma Peacock Productions wurde geschlossen.

Mit seiner Neugründung will sich NBC ersten Verlautbarungen zufolge der durch das Streaming auf einen neuen Höhepunkt des TV-Konsums zusteuernden Entwicklung im weltweiten Fernsehen anpassen. „Mehr und mehr Menschen verlangen nach diesen Inhalten“, sagt Liz Cole, die Chefin des neuen NBC-Produktionsunternehmens, mit Blick auf die Nachfrage von Dokumentarsendungen. Cole hat sich ihre Sporen unter anderem als Produzentin der „Dateline“-Formate verdient und setzt darauf, dass das die ihr anvertraute Firma NBC News Studios künftig eine führende Rolle im dokumentarischen Sektor spielen wird. Dabei will sie auch partnerschaftlich mit Unternehmen kooperieren wie Focus Features und Blumhouse Television, die sich in dem Genre als Produzenten einen Namen gemacht haben.

Die Firma NBC News Studios soll bei alldem nicht nur für das Programm des NBC-Networks produzieren, sondern auch für andere Unternehmen, insbesondere aus dem Bereich der Streaming-Anbieter. So ist zum Beispiel eine Partnerschaft mit Quibi, dem im Frühjahr 2020 startenden neuen Angebot von Zehn-Minuten-Videos (vgl. MK-Meldung), bereits unter Dach und Fach. Wie in der US-Presse zu lesen ist, wolle sich NBC News Studios dabei auf tägliche Nachrichtensendungen im Kurzformat konzentrieren.

20.02.2020 – Ev/MK

Print-Ausgabe 10/2020

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