USA: Neue Eigentümer für das spanischsprachige Network Univision

29.03.2020 •

Univision, das in letzter Zeit geschäftlich angeschlagene spanischsprachige Fernseh-Network in den USA, hat zwei neue Eigentümer. Wade Davis, ein früherer Chief Financial Officer (CFO) beim Medienkonzern Viacom, und die New Yorker Kapitalbeteiligungsgesellschaft Searchlight Capital Partners setzten sich nach einer monatelangen Auktion durch und erwarben Ende Februar gemeinsam die Aktienmehrheit an dem für seine überbordenden Telenovelas bekannten Network. Für eine unveröffentlichte Kaufsumme übernehmen sie 64 Prozent der Aktien von Univision. Die restlichen 36 Prozent verbleiben in der Hand des mexikanischen Mediengiganten Grupo Televisa, mit dem Univision ein langfristiger Zuliefervertrag verbindet. Der Deal bedarf noch staatlicher Genehmigung.

Die bisherige Eigentümergruppe unter dem in Los Angeles residierenden Medienmilliardär Haim Saban hatte Univision im Jahr 2007 für 13,7 Mrd Dollar erworben. Die mit dem Kauf verbundenen Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt. Obwohl Univision bei einem Teil der spanischsprachigen Bevölkerung nach wie vor beliebt ist, fiel die durchschnittliche Zuschauerzahl des Networks im Lauf des letzten Jahrzehnts während der Hauptsendezeit am Abend auf 1,4 Mio Zuseher – halb so viel wie zur Zeit, als Saban den Sender kaufte. Um nun überhaupt Interessenten für eine Übernahme zu finden, mussten die bisherigen Eigentümer das Network deshalb unter dem eigenen Einkaufspreis auf den Markt bringen; die Rede ist von 10 Mrd Dollar.

Hohe Schulden

Eine gewichtige Rolle spielte bei der Auktion nicht nur der zu beobachtende Zuschauerrückgang, sondern auch die Tatsache, dass Univision in der Zwischenzeit 7,2 Mrd Dollar Schulden aufgehäuft hat. Was einen in der Branche sich bestens auskennenden Manager wie den 47-jährigen Wade Davis veranlasst haben mag, das mit so viel Schulden belastete Network dennoch zu kaufen und dessen Chief Executive Officer (CEO) zu werden, ist vermutlich nicht zuletzt eine Spekulation hinsichtlich der steigenden Bedeutung, die Einwanderern aus Lateinamerika zukünftig im politischen Leben der USA zukommt.

Schon im derzeitigen Wahlkampf der demokratischen Vorwahlen zeigt sich, dass die spanischsprachigen US-Amerikaner als die größte ethnische Minderheit im Land großen Einfluss auf den Ausgang der bevorstehenden Präsidentenwahl besitzen. Mit seinen populären Nachrichtensendungen, vor allem den Sendungen mit Anchorman Jorge Ramos, dem „Walter Cronkite von Lateinamerika“, kann Univision dabei eine große Rolle spielen.

29.03.2020 – Ev/MK