USA: NBC und Comcast starten neue Streaming-Plattform Peacock in zwei Schritten

02.02.2020 •

Seit Jahrzehnten erkennen amerikanische Fernsehzuschauer das Broadcast-Network NBC am Markenzeichen eines bunten Pfaus (englisch: Peacock). In Zukunft wird der Pfau nun auch den Namen für ein Streaming-Angebot abgeben, mit dem der Eigentümer von NBC, das in Philadelphia beheimatete Kabelunternehmen Comcast, den Konkurrenzkampf mit Apple, Disney und den bereits seit längerem existierenden Streaming-Alternativen aufnehmen will. Den Start von Peacock gaben Comcast und NBC-Universal am 16. Januar während einer Investorenkonferenz in New York bekannt. Er soll sich in zwei Schritten vollziehen. Ab dem 15. April 2020 können die 24 Mio Abonnenten des von Comcast betriebenen Internet-Unternehmens Xfinity und die Kunden der Telekommunikationsfirma Cox Communications auf Peacock zugreifen. Ab dem 15. Juli ist das Angebot in den USA dann landesweit für alle Interessenten buchbar.

Der Ansturm neuer Streaming-Anbieter, der sich in diesem Frühjahr über das amerikanische Fernsehpublikum ergießt, verwirrt so manchen potenziellen Kunden. Selbst Fachleute wagen bisher kaum eine Voraussage, welche von den vielen Angeboten langfristig reüssieren werden. Für den einzelnen Kunden dürfte sich die Entscheidung, welcher Streaming-Plattform er den Vorzug gibt (wenn er denn überhaupt eine bestimmte bevorzugt), an der Vielfalt des Programmangebots und am Preis entscheiden.

Schwerpunkte: Sport und Nachrichten

Was Peacock nach den bisherigen Ankündigungen von der Konkurrenz unterscheiden wird, ist seine starke Betonung von Sport und Nachrichten. Peacock wird zum Beispiel Live-Übertragungen von den Olympischen Sommerspielen in Tokio einschließlich der Eröffnungs- und der Schlusszeremonie anbieten, bevor sie anderswo auf dem Bildschirm zu sehen sind, denn NBC verfügt in den USA über die Olympia-Rechte. Außerdem wird Peacock die in anderen Sendern des Landes immer noch vernachlässigten Fußballspiele der höchsten US-Liga (Major League Soccer) zum festen Bestandteil machen und sich mehr als andere Anbieter um den in den USA stark an Popularität gewinnenden Golfsport kümmern.

Wo Netflix, Disney plus und HBO Max ihr Hauptaugenmerk auf Filme und Serien richten, scheint sich Peacock außerdem auf Nachrichtenprogramme spezialisieren zu wollen. Es wird nicht nur die populäre Nachrichtensendung „NBC Nightly News With Lester Holt“ streamen, sondern auch die Programme des an jungem Publikum ausgerichteten Online-Kanals NBC News Now. Darüber hinaus sollen die Sendungen des neuen, in London ansässigen internationalen Nachrichtensenders NBC/Sky Global News, den Comcast Ende 2018 gekauft hat, zum Bestandteil von Peacock werden.

Late-Night-Shows als besondere Attraktion

Das heißt natürlich nicht, dass sich das neue Streaming-Angebot von Comcast und NBC-Universal in Enthaltsamkeit üben will, was Filme und Fernsehserien angeht. 600 Spielfilme und 400 Serien stehen parat, um das Angebot zu füllen, darunter mehr als 1000 Episoden der NBC-Krimimarke „Law & Order“ sowie die in den USA überaus beliebte Serie „The Office“, die deshalb ab Ende 2020 bei Netflix nicht mehr zur Verfügung stehen wird (vgl. MK-Meldung). Außerdem wird es bei Peacock eine Vielzahl von Neuproduktionen auf dem Komödiensektor geben, unter anderem von Tina Fey, Mindy Kaling und Amy Poehler. Als besondere Attraktion wird die regelmäßige Übernahme der beim Network NBC laufenden Late-Night-Shows „The Tonight Show Starring Jimmy Fallon“ und „Late Night With Seth Meyers“ betrachtet, die im Streaming-Angebot schon dreieinhalb Stunden vor ihrer Ausstrahlung im regulären Spätabendprogramm von NBC zu sehen sein werden, also während der Hauptsendezeit der Broadcast-Networks und nicht erst zu nachtschlafender Stunde.

Was die Kosten für ein Abonnement von Peacock angeht, wird das Angebot in drei Versionen zur Verfügung stehen: 9,99 Dollar monatlich ohne Werbung, 4,99 Dollar mit zeitlich auf fünf Minuten pro Stunde begrenzter Werbung und kostenlos für Abonnenten der Kabelprogramme von Comcast und Cox. Comcast rechnet für Peacock bis zum Jahr 2024 mit 30 Mio bis 35 Mio Kunden und setzt Presseberichten zufolge darauf, dass die Streaming-Plattform in fünf Jahren schwarze Zahlen schreibt. Über die Verfügbarkeit auf dem internationalen Markt gibt es bisher keine konkreten Angaben. Es heißt aber, dass Peacock „eines Tages auch in Länder außerhalb der USA expandieren“ werde. In Deutschland, Italien und Großbritannien könnte dann ein Start von Peacock über das Pay-TV-Unternehmen Sky erfolgen, das im September 2018 für umgerechnet 33 Mrd Euro von Comcast übernommen wurde (vgl. MK-Meldung).

02.02.2020 – Ev/MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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