USA: Nachrichtensender profitieren weiterhin von Donald Trump

19.01.2018 • Die Meinungen über US-Präsident Donald Trump könnten in den Vereinigten Staaten kaum unterschiedlicher sein: Die einen halten ihn für „unfähig“, die anderen sehen in ihm den „Retter Amerikas“. Von dieser gespaltenen Reaktion profitieren die Nachrichtensender. Das war schon zur Zeit von Trumps Präsidentschaftswahlkampf so (vgl. MK-Meldung) und das hat sich auch nach dem Amtsantritt fortgesetzt – was für die Verhältnisse in den USA durchaus ungewöhnlich ist: Denn während normalerweise nach vollzogener Wahl eines neuen Präsidenten das Interesse des amerikanischen Fernsehpublikums an politischen Nachrichten von Monat zu Monat nachlässt, gab es 2017 die umgekehrte Entwicklung zu beobachten. Vor allem die drei großen Nachrichtensender im Kabelfernsehen konnten bei den Einschaltquoten zum Teil deutlich zulegen. Mit einem Durchschnitt von 1,5 Mio Zuschauern pro Tag im Jahr 2017 legte Fox News gegenüber 2016 um 8 Prozent zu und setzte sich damit zum zweiten Mal in Folge in dieser Sendergruppe an die Spitze. MSNBC als zweitplatzierter Sender erreichte durchschnittlich 890.000 Zuschauer pro Tag, CNN kam als Dritter im Schnitt auf 783.000.

Besonders bemerkenswert ist, dass MSNBC seine Zuschauerzahl im Vergleich zum Jahr 2016 um 48 Prozent steigern konnte. Bei CNN belief sich das Plus auf 4 Prozent. MSNBC gelang es damit erstmals seit 2012, wieder an CNN vorbeizuziehen, nicht zuletzt aufgrund der zuschauerstarken Sendung „The Rachel Maddow Show“, in der sich Moderatorin Rachel Maddow in temperamentvoll-analytischer Form vielfach mit der Politik von Präsident Trump auseinandersetzt. MSNBC hat sich in den USA nun zu einem echten Konkurrenten für CNN entwickelt.

Aggressive Note bei CNN

Festzuhalten ist darüber hinaus, dass die Beliebtheit der rechtslastigen Nachrichtensendungen von Fox News nach Trumps Amtsantritt, der am 20. Januar 2017 erfolgte, sogar noch zugenommen hat. Das ist deshalb erstaunlich, weil der Sender im vorigen Jahr zwei seiner führenden Moderatoren verloren hat: Bill O’Reilly, lange Zeit der ungekrönte König der Kabelfernsehnachrichten, musste nach Anschuldigungen wegen sexueller Belästigungen seinen Abschied nehmen (vgl. MK-Meldung) und Megyn Kelly, der aufkommende Star von Fox News, wechselte zu NBC (vgl. MK-Meldung).

CNN bemühte sich auch angesichts der zahllosen Kontroversen im Weißen Haus und im Kongress, seine traditionelle Unabhängigkeit zu bewahren. Doch in der Berichterstattung über die behauptete Verstrickung von Trump und seiner engsten Mannschaft mit Russland schlug der Sender eine aggressive Note an, die ihm den Zorn des Präsidenten und damit auch von dessen Anhängern einbrachte. Unerschüttert kritisch ging allein MSNBC mit der neuen Regierung um und wurde dafür von dem Publikum, das Trump ablehnend gegenübersteht, kräftig belohnt.

Insgesamt haben die amerikanischen Broadcast- und Kabelnetworks 2017 aber kein kein gutes Jahr gehabt. Mehr und mehr Fernsehzuschauer wanderten zu Streaming-Diensten ab. Nun, da 62 Prozent aller US-Haushalte ihr Fernsehgerät mit dem Internet verbunden haben, überraschen die insgesamt rückläufigen Zahlen bei den Broadcast- und Kabelsendern nicht mehr. In der Hauptabendzeit verloren sie im vergangenen Jahr 6 Prozent ihrer Zuschauer, in der Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen sogar knapp 10 Prozent. Dass die Broadcast- und Kabelnetworks überhaupt noch so viele Zuschauer haben, liegt nicht zuletzt daran, dass das Marktforschungsunternehmen Nielsen bei der Messung der Einschaltquoten inzwischen auch die zeitversetzte Nutzung von Sendungen mit einbezieht.

19.01.2018 – Ev/MK