USA: Medienmogul Sumner Redstone ist tot

20.08.2020 •

Sumner Redstone, einer der letzten Medientycoons alter Schule, einer, der stets von sich sagte: „Ich habe nicht die Absicht, jemals in den Ruhestand zu treten oder zu sterben“, ist am 11. August im Alter von 97 Jahren in Los Angeles gestorben. Nun sind von der Garde alter Alleinherrscher in den USA nur noch Rupert Murdoch, 89, und Ted Turner, 81, übrig.

Geboren als Sumner Murray Rothstein am 27. Mai 1923 in Boston, war Redstone einer der Architekten moderner Medienkonzerne vor dem Einzug des digitalen Zeitalters. Im hohen Alter lebte er zurückgezogen und in beständigem Streit mit seiner Tochter Shari Redstone, die seine Nachfolge antreten wollte. Im August 2019 gab er den Kampf mit ihr auf. Das bedeutete, Viacom und CBS, die beiden Unternehmen, die Sumner Redstone jahrzehntelang mit eiserner Faust beherrscht hatte, schlossen sich daraufhin, wie Shari Redstone es wollte, erneut zusammen (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Es war eine Fusion, der sich der starrsinnige Mogul lange Zeit und mit letzter Energie widersetzt hatte.

Ein stahlharter Geschäftsmann

Sumner Redstone war Anfang 30, als er eine steile Juristenlaufbahn an den Nagel hing, um seinem Vater dabei zu helfen, eine Kette von Autokinos aufzubauen. 1962 eröffnete er die ersten Multiplex-Kinos in den USA. Ein gutes Jahrzehnt später legte er sich mit seinen Lieferanten, den großen Hollywood-Studios, an und verklagte sie wegen des damals üblichen „Blindbuchens“ von Filmen. Mit dem Vergleich, den er dabei herausschlug, erwarb sich Redstone den Ruf als stahlharter Geschäftsmann, dem er in seiner weiteren Karriere treu blieb. Sogar die Verbrennungen, die er bei einem Hotelbrand an 45 Prozent seines Körpers erlitt, konnten ihn nicht aus der Bahn werfen.

1987 übernahm Redstone in einer „feindlichen Übernahme“ die Kontrolle über den Viacom-Konzern und dessen Kabelsender, später dann das Paramount-Studio und Viacoms einstige Muttergesellschaft CBS. Auch den erfolgreichen Video-Verleiher Blockbuster Entertainment und die von Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen gegründete Produktionsfirma Dreamworks SKG verleibte er seinem Imperium ein. Wo immer sich ihm Hindernisse in den Weg stellten, räumte Redstone sie mit unnachgiebig durchgefochtenen Klagen aus dem Weg.

Selbst mit seiner Tochter Shari, die, wie vorgesehen war, nach seinem Tod seine Nachfolgerin werden sollte, führte er zehn Jahre lang den öffentlich ausgetragenen Streit über die Zukunft von Viacom und CBS, in dem mit viel Schmutz geworfen wurde. Erst vor dem Hintergrund von Redstones fortschreitender Demenz kamen sich die beiden am Ende wieder näher. Beobachter der Szene hoffen nun darauf, dass Ruhe einkehrt in Redstones Reich. In einer Erklärung von Shari Redstone nach dem Tod ihres Vaters hieß es unter anderem: „Mein Vater führte ein außergewöhnliches Leben, das nicht nur die Unterhaltungsindustrie, wie wir sie kennen, geformt, sondern auch ein unglaubliches Familienerbe geschaffen hat.“

20.08.2020 – Ev/MK

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