USA: Kinder sehen immer mehr Sendungen online

27.11.2019 •

Der Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren ist in den USA während der letzten vier Jahre auf das Doppelte gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der nicht profitorientierten, in San Francisco ansässigen Organisation Common Sense Media, die seit dem Jahr 2003 Buch-, Film- und Fernsehangebote für Kinder kritisch unter die Lupe nimmt und ihre Einschätzungen an über 100 Mio Haushalte verbreitet. Nicht allein der rapide steigende Konsum steht im Mittelpunkt der jetzigen Untersuchung, sondern auch die Tatsache, dass sich die jungen Amerikaner immer mehr vom linearen Fernsehen abwenden und einen großen Teil ihrer Zeit online verbringen. Smartphones, Tablets und Laptops sind ihre bevorzugte ‘Hardware’ und nicht mehr das Fernsehgerät.

56 Prozent der 8- bis 12-Jährigen und 69 Prozent der 13- bis 18-Jährigen sehen jeden Tag Online-Videos an. Im Jahr 2015 lagen die Vergleichszahlen bei 24 bzw. 34 Prozent. Die Nutzung des traditionellen Fernsehens ist entsprechend rückläufig. Die Zeit, die Kinder und Jugendliche mit ihren digitalen Spielzeugen verbringen, hat sich dabei kaum verändert. Sie liegt bei der jeweiligen Altersgruppe bei täglich 4 Stunden und 44 Minuten bzw. 7 Stunden und 22 Minuten.

YouTube profitiert am stärksten

Am stärksten profitiert unter der Abwanderung der Kinder vom linearen Fernsehen das Google-Unternehmen YouTube. Dabei ist es nicht die speziell für Jüngere gedachte Plattform YouTube Kids, die bevorzugt wird, sondern das reguläre YouTube-Angebot, das von den Veranstaltern ausdrücklich als „nicht für Zuschauer unter 13 Jahren“ gekennzeichnet ist.

Besonders zu leiden haben unter der fortschreitenden Umorientierung des jüngsten Fernsehpublikums die vorwiegend auf Kinder ausgerichteten Kabelnetworks. Nickelodeon hatte zum Beispiel kürzlich elf aufeinanderfolgende Wochen zu verzeichnen, in denen die Einschaltquoten der Zwei- bis Elfjährigen rückläufig waren, und das Cartoon Network verlor bis zu 25 Prozent seiner jüngsten Zuschauer im Vergleich mit demselben Zeitraum im Jahr 2018. Beim Streaming-Angebot Netflix hingegen werden in rund 60 Prozent der Haushalte, die über ein Abonnement verfügen, regelmäßig Kindersendungen eingeschaltet.

Die Ergebnisse der Untersuchung machen deutlich, was Analysten bereits seit langem vermuten: Auf Kinder ausgerichtete Programme sind für die Streaming-Anbieter von großer Wichtigkeit. Und deren Verantwortliche berücksichtigen dies offenbar: CBS All Access hält zum Beispiel 1000 Episoden an Kinderprogrammen bereit, HBO Max bietet alles aus 50 Jahren der „Sesamstraße“ an plus fünf neue Staffeln der beliebten Kindersendung und Apple TV plus, das ganz auf Eigenproduktionen ausgerichtet ist, stellt immerhin bereits drei Kinderserien – in seinem bisher allerdings insgesamt noch mageren Angebot fürs junge Publikum – bereit. Um Disney plus, seit dem 12. November auf dem Streaming-Markt dabei (vgl. hierzu diese MK-Meldung), muss man sich in diesem Zusammenhang sicher gar keine Sorgen machen.

27.11.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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