USA: HBO Max rüstet sich zum Kampf gegen Netflix & Co.

27.12.2019 •

„Friends“ ist eine der weltweit erfolgreichsten Fernsehserien. Auch in Deutschland war sie jahrelang bei Sat 1 und später bei Pro Sieben zu sehen. Insgesamt 236 Episoden umfasst die Serie, die von Warner Bros. Television produziert und in den USA vom Network NBC ausgestrahlt wurde. Die Serie wurde von Warner später an das Streaming-Unternehmen Netflix verkauft und erwies sich auch dort als eines der beliebtesten Angebote. Doch ab Anfang 2020 wird Netflix auf „Friends“ verzichten müssen. Stattdessen hat sich Warner entschieden, die nach wie vor zugkräftige Serie seiner neuen Streaming-Plattform HBO Max einzuverleiben, die im Frühjahr 2020 in den USA ihren Betrieb aufnimmt.

„Friends“ ist nicht der einzige Verlust, den Netflix hinnehmen muss. Auch die Serien „The Prince of Bel-Air“ (mit Will Smith in der Hauptrolle) und „Pretty Little Liars“ werden zu HBO Max überlaufen. Und 2021 folgt dann, wie schon seit einiger Zeit bekannt, auch noch „The Office“, die Serie wird zu NBC zurückkehren (vgl. MK-Meldung). Nachdem bereits die Walt Disney Company ihre heißbegehrten Produktionen zugunsten ihres eigenen Streaming-Angebots von Netflix abgezogen hat, ist dies ein weiteres Anzeichen dafür, wie hart die Konkurrenz auf dem Streaming-Sektor sein wird. Es ist wenig bekannt, dass Netflix, dessen Ruf durch teure und attraktive Eigenproduktionen begründet wurde, bislang zu zwei Dritteln auf Sendungen der Broadcast-Networks ABC, CBS und NBC sowie anderer Produzenten angewiesen ist. Der Hahn wird Netflix nun wohl nach und nach abgedreht, da all diese Unternehmen inzwischen mit eigenen Streaming-Plattformen verbunden sind.

DVD und Blu-ray bleiben auf der Strecke

HBO Max wird von Warner Media veranstaltet und soll vom Gütesiegel des erfolgreichen Pay-TV-Networks HBO profitieren, das für seine qualitativ hochwertigen Filme und Serien geschätzt wird. Zum Angebot von HBO Max werden dementsprechend HBO-Produktionen gehören; geplant sind aber auch Eigenproduktionen. Darüber hinaus soll die Angebotspalette aufgefüllt werden mit Produktionen von Warner Bros., New Line, DC Entertainment, den Turner-Sendern, dem Network CW und dem Cartoon Network. Um eigene Spielfilme anbieten zu können, schloss HBO Max kürzlich unter anderem Verträge mit den Produzenten Greg Berlanti und Reese Witherspoon ab. Berlanti ist bekannt für Serien wie „Arrow“, „The Flash“, „Riverdale“ und „Blindspot“, die auch ins Produktionsfach übergewechselte Schauspielerin Reese Witherspoon für Filme wie „Hot Pursuit“ und „A Wrinkle in Time“ sowie die Miniserie „Big Little Lies“.

In den kommenden Monaten wird es munter zugehen auf dem Streaming-Markt, wenn zunächst das amerikanische, bald aber auch das weltweite Publikum die Wahl zwischen den bereits existierenden Angeboten und den finanzstarken Neulingen Apple TV plus, Disney plus und HBO Max haben wird. Dass Disney eine reale Chance besitzt, sich auf dem Markt durchzusetzen, gilt angesichts seines großen Fundus an bekannten und beliebten Produktionen von klassischen Cartoons bis zu den „Marvel“- und „Star-Wars“-Filmen als sicher. Ebenso nimmt niemand an, dass Netflix, Amazon und Hulu von der Palette verschwinden werden. Andererseits dürften sich die Millionen von Apple-Anhängern wohl zumindest auf ein Probeabonnement einlassen, zumal das zur Zeit in den USA erst einmal kostenlos zu haben ist.

Doch der Kampf ums Überleben fängt damit erst an und wird in den nächsten Jahren wohl mit ebenso harten Bandagen geführt werden wie einst der Kampf der Broadcast-Networks gegen die Kabelsender. Nur eines scheint sicher zu sein: Auf der Strecke bleiben werden durch den Siegeszug der Streaming-Anbieter in naher Zukunft DVD und Blu-ray, darüber sind sich alle Analysten in den USA einig. Bekanntlich hat Netflix bei seiner Gründung 1997 mit der Vermietung von an seine Kunden versandten DVDs angefangen.

27.12.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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