USA: Großer Kundenrückgang beim Satellitenfernsehen

17.02.2020 •

„Das Zeitalter des Streamings ist da. Alles wird sich jetzt ändern.“ Als diese Sätze vor ein paar Jahren zum ersten Mal zu hören waren, gab es noch eine Menge Zweifler. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass für die Welt des Fernsehens tatsächlich eine gravierende Umwälzung bevorstand, wie es einst beim Siegeszug der Broadcast-Networks in den 1950er und beim Boom des Kabelfernsehens in den 1980er Jahren der Fall gewesen war.

Angesichts von weltweit inzwischen 166 Mio Netflix-Abonnenten, des Einzugs von Disney und des Silicon Valleys in das Streaming-Geschäft und der Tatsache, dass heutzutage in den USA im audiovisuellen Bereich nicht weniger als 271 Online-Angebote empfangbar sind, beginnen jedoch auch die hartnäckigsten Zweifler zu schweigen. Seitdem das Publikum Streaming-Plattformen vorfindet, die man sich nach seinen individuellen Interessen zusammenstellen kann, fragen sich denn auch immer mehr Fernsehzuschauer, warum sie jedes Jahr Hunderte von Dollars für den Empfang von Programmen ausgeben sollen, die sie in der Überzahl gar nicht interessieren, die sie aber im Rahmen von Paketverträgen mitabonnieren müssen. Noch vor ein paar Jahren hätte man es kaum für möglich gehalten, dass es zum Beispiel einmal Online-Angebote wie Pongalo für Telenovelas, Shudder für Horrorfilme, AeroCinema für Flugzeug-Fans und Takt1 für Liebhaber klassischer Musik geben würde.

Die Streaming-Konkurrenz

Die alteingesessenen Networks haben unter der Streaming-Konkurrenz ebenso zu leiden wie die Kabel- und Pay-TV-Sender. Aber nicht sie allein sind von der sich rapide verändernden Situation betroffen. Auch das Satellitenfernsehen, das einst als Rettung angesehen wurde für TV-Liebhaber, die vom Kabelfernsehen nicht erreicht wurden, steht an einem Punkt, der so manchen Analysten in den USA bereits ahnen lässt, dass es hier früher oder später zu einem Exitus kommen könnte. Jüngste Zahlen scheinen den Schwarzsehern recht zu geben. DirecTV, der führende Satellitenfernsehanbieter in den USA, der es Mitte der 1990er Jahre schlagartig auf 13 Mio Kunden brachte und dann weiter in den Zenith des TV-Universums bis auf 21 Mio stieg, verlor allein während des vergangenen Jahres knapp 3 Mio Abonnenten. Sein Konkurrent im Satellitenfernsehbereich, das Dish Network, fiel von 2014 bis Ende 2019 von 14 Mio auf 9,9 Mio Kunden zurück.

Dass sich DirecTV, das heute ein Bestandteil des Telekommunikationsriesen AT&T ist, und das Dish Network vom Anschwellen des Streaming-Angebots und dessen Verlockungen für das Publikum besonders bedroht fühlen, hat seine Ursache auch in unglücklichen Personal- und Sachentscheidungen, vor allem aber in der Tatsache, dass Satellitenempfang technologisch eine Einbahnstraße ist, die keine Rückkommunikation des Kunden zulässt. Als „archaisch“, wenn auch „hoch respektiert“, bezeichnete deshalb Craig Moffett, einer der führenden Wall-Street-Analysten, schon vor einigen Jahren die Satellitentechnologie. Wer damals noch über dieses Urteil gestaunt haben mag, nähert sich heute ebendieser Einschätzung. Hier und da hört man bereits die Meinung, AT&T bleibe wohl kaum eine andere Lösung, als das vor gerade einmal fünf Jahren für 67 Mrd Dollar gekaufte DirecTV wieder abzustoßen. Das wäre eine schwierige Angelegenheit, denn außer dem Rivalen Dish Network zeichnen sich keine Interessenten dafür ab und eine Übernahme durch den direkten Konkurrenten würde höchstwahrscheinlich auf wettbewerbsrechtliche Komplikationen stoßen.

17.02.2020 – Ev/MK