USA: Frühstücksfernsehen hat einen schweren Stand

03.07.2020 •

Seit Jahrzehnten gehören die ‘Early Morning Shows’, also die Frühstücksfernsehen-Angebote, zu den unverrückbaren Standbeinen der amerikanischen Fernsehnetworks. Wobei diese Sendungen, so wie sie in den USA angelegt sind, nur bedingt als Nachrichtenmagazine klassifiziert werden können. Bei Millionen von Zuschauern jedenfalls sind diese morgendlichen Angebote beliebt und gehören zum Familienfrühstück wie der Kaffee und die Cornflakes.

Die populärsten ‘Early Morning Shows’ sind „Good Morning America“ (ABC), „Today“ (NBC), „This Morning“ (CBS), „Fox & Friends“ (Fox News), „Morning Joe“ (MSNBC) und „New Day“ (CNN). Sie bringen jedes Jahr zusammengerechnet eine Milliarde Dollar aus der zwischengeschalteten Werbung ein. Im Gegensatz zu den ‘harten Nachrichten’ des Tages servieren sie eine durchaus clevere Mixtur aus unterhaltenden Diskussionen und leicht verdaulichen Neuigkeiten. Eine lange Tradition lässt es gewissermaßen nicht zu, den Tag schon kurz nach dem Aufstehen mit schockierenden Nachrichten zu beginnen – außer wenn es gar nicht zu vermeiden ist. Dabei werden dann aber auch diese Themen weichgekocht wie das Frühstücksei. Erst in jüngster Zeit und besonders unter einem polarisierenden Präsidenten wie Donald Trump werden gelegentlich auch mal in den Sendungen des amerikanischen Frühstücksfernsehens kleine Feuer entzündet.

Kabelnetworks gewinnen Zuschauer

Aber eigentlich ist es das Kabelfernsehen, das in seinen Konkurrenzsendungen zu den Broadcast-Frühshows eine deutlichere Sprache eingeführt hat. Und heutzutage gibt es nun auch Smartphones, Twitter und neuerdings das Kurzvideo-Angebot Quibi (vgl. MK-Meldung), die mit eigenen Schlagzeilen und größerer Schnelligkeit neue Alternativen der Information anbieten. Die Furcht der Networks wächst von Tag zu Tag, dass ihnen am Morgen und am frühen Vormittag bald nur noch die nicht berufstätigen Hausfrauen als Publikum übrigbleiben könnten. Die Quoten bestätigen die allgemeine Unsicherheit: Während der letzten fünf Jahre fiel in der werberelevanten Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen die Sehbeteiligung bei „CBS This Morning“ um 22 Prozent, bei der NBC-Sendung „Today“ um 28 und bei „Good Morning America“ von ABC um 38 Prozent. Das Frühstücksfernsehen der Broadcast-Networks hat also derzeit einen schwereren Stand als lange gewohnt. Zuschauer gewonnen haben hingegen die Morgenangebote der Kabelnetworks und damit Sendungen wie „Fox & Friends“, „Morning Joe“ und „New Day“. Eine funktionierende Balance in der Berichterstattung haben aber auch sie bisher nicht gefunden.

Viel von der Unsicherheit, die sich heutzutage in den ‘Early Morning Shows’ breitmacht, hat auch mit dem immer häufigeren Wechsel der Moderatoren zu tun. Die damals 45-jährige Robin Roberts vervollständigte zum Beispiel im Jahr 2005 das Moderatorenteam Charlie Gibson und Diane Sawyer bei „Good Morning America“, vier Jahre später arbeitete sie zusammen mit George Stephanopoulos, heute mit Stephanopoulos und Michael Strahan. Matt Lauer musste „Today“ und Charlie Rose „This Morning“ als Folge zweier „MeToo“-Skandale verlassen. Mit jedem Personalwechsel ist aber ein Wechsel des Tonfalls verbunden, der regelmäßige Zuschauer irritiert und häufig dazu veranlasst, Konkurrenzsendungen auszuprobieren oder sich dem Zug der Zeit anzupassen und die Komfortzone der ‘Early Morning Shows’ zu verlassen, um sich alternativen Informationsangeboten zuzuwenden, an denen es im Zeitalter digitaler Medien nicht mangelt.

03.07.2020 – Ev/MK

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