USA: Film- und Fernsehproduzenten werden aktiv gegen sexuelle Übergriffe

08.02.2018 • Die Welle der Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs reicht in den Vereinigten Staaten inzwischen von Film- und Fernsehstars über Musikkoryphäen und Chefs aus der Industrie bis hin zu Senatoren. Namen wie Harvey Weinstein, Kevin Spacey, Bill Cosby, Bill O’Reilly und Charlie Rose haben zu der inzwischen weit über die USA hinausreichenden #MeToo-Bewegung geführt. Öffentliche Ächtungen und Entlassungen waren häufig die Folge. So schloss zum Beispiel die Producers Guild of America den Produzenten Harvey Weinstein schon vor einigen Monaten aus ihren Reihen aus. Und Kevin Spaceys Darstellung des Ölmilliardärs J. Paul Getty wurde in letzter Minute aus dem Kinofilm „Alles Geld der Welt“ entfernt, Spacey wurde durch Christopher Plummer ersetzt. Doch in die Zukunft weisende Konsequenzen für die Film- und Fernsehbranche sind bisher eher selten auszumachen.

Umso wichtiger erscheint eine am 19. Januar veröffentlichte Resolution der Producers Guild of America, der führenden Organisation von 8200 amerikanischen Film- und TV-Produzenten, deren Direktorengremium einstimmig eine Neufassung seiner Richtlinien beschlossen hat. „Sexueller Missbrauch kann in unserer Industrie oder in den Reihen unserer Mitglieder nicht länger toleriert werden“, heißt es darin. Die gewählte Formulierung ist ein verstecktes Eingeständnis der Tatsache, dass die in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Übergriffe in der Branche eigentlich nichts Neues sind, sondern durch die gesamte amerikanische Film- und Fernsehgeschichte zurückverfolgt werden können.

Das Verhalten am Arbeitsplatz

Vorbei scheint es nun zu sein mit der Politik der vorgehaltenen Hand. „Es ist unsere Verpflichtung, unsere Kultur zu ändern und sexuellen Missbrauch auszuradieren“, so kommentieren die Kopräsidenten der Organisation, Gary Lucchesi und Lori McCreary, die neuen Richtlinien. Dort heißt es unter anderem: „Wir befinden uns in einem Übergangsstadium unserer Gesellschaft, in dem wir unser Verhalten am Arbeitsplatz und darüber hinaus neu bestimmen müssen. Produzenten verfügen über die Autorität innerhalb und außerhalb des Studios und können bei der Bildung gegenseitigen Respekts eine Führungsstellung einnehmen […]. Gemeinsam müssen wir das Vorbild für einen Arbeitsplatz abgeben, der frei ist von Missbrauch, und wir müssen unsere Kollegen dazu ermuntern, dasselbe zu tun.“

Die Producers Guild of America scheint es nicht bei solchen pauschalen Erklärungen belassen zu wollen. Sie stellte vielmehr auch ein Trainingsprogramm für alle Mitwirkenden vor und hinter der Kamera in Aussicht, das vor dem Start jeder einzelnen Produktion und vor dem Beginn jeder neuen TV-Saison einer Serienproduktion mit der Notwendigkeit konfrontieren soll, jede Form sexueller Übergriffe zu verhindern. Im Gegensatz zu der laxen Form, in der konkrete Beschuldigungen bisher behandelt wurden, sollen zukünftig bei allen Produktionen zwei Ansprechpartner bestimmt werden, an die sich Mitwirkende ohne die Befürchtung arbeitsrechtlicher Konsequenzen wenden können.

Auch die Writers Guild of America (West), der 20.000 Film- und Fernsehautoren der US-Westküste angehören, hat sich inzwischen mit einer E-Mail an alle ihre Mitglieder gewandt. Darin postuliert der Autorenverband ähnliche Verhaltensweisen wie die Producers Guild: keine Toleranz für jede Form von Diskriminierung und keine Toleranz für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Die Beachtung entsprechender Gesetze sei lange überfällig, heißt es in dem Rundbrief, in dem hinsichtlich des Geschehenen festgestellt wird, dass Arbeitgeber „historisch versagt“ hätten, Inhalt und Geist der Gesetze aufrechtzuerhalten.

08.02.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 3-4/2018

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