USA: Fernsehnachrichten müssen neue Wege gehen

23.10.2021 •

Mark Feldstein, Professor an der George Washington University und einstiger Fernsehjournalist, mischte sich unlängst in eine Diskussion ein, die spätestens seit Donald Trumps Präsidentenzeit die amerikanischen Fernsehnetworks bewegt. Es geht darum, die Nachrichtensendungen der Networks klarer als entweder Nachrichten- oder Meinungsprogramme zu definieren. Besonders das dem NBC-Universal-Konzern gehörende Spartenprogramm MSNBC leidet unter den Folgen seiner unpräzisen Abgrenzungen zwischen reinen Nachrichtensendungen und sogenanntem „opinion programming“, wo die Neuigkeiten des Tages von Moderatoren und sachkundigen Gästen subjektiv kommentiert werden. „Zu einer Zeit, in der das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Nachrichtenmedien an einem Tiefpunkt angekommen ist und die Furcht vor Fake News sich in einem Allzeithoch befindet, ist wahrheitsgetreue Kennzeichnung eine willkommene Neuerung“, sagte Feldstein.

Der Weg zu deutlicheren Definitionen und Abgrenzungen der Sendeangebote auf dem Nachrichtensektor erscheint umso dringlicher, als in den USA die Sehbeteiligung bei den auf Nachrichten orientierten Networks stark rückläufig ist. Im dritten Quartal dieses Jahres verlor zum Beispiel MSNBC bei der für die Werbekunden wichtigen Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres 48 Prozent; CNN büßte hier 46 und Fox News 25 Prozent ein. Viel zu tun haben damit die sozialen Medien, die gerade bei dieser Altersgruppe einen rasanten Zuwachs verzeichnen. Stunden- und Halbstundensendungen, wie sie die Networks anbieten, haben an Attraktivität verloren. Immer mehr gerade jüngere Menschen beziehen ihre Nachrichten scheibchenweise, mal hier und mal dort, bei Twitter, bei Face­book, bei YouTube und anderen Online-Medien.

Harte Nachrichten statt Meinung

Als Rashida Jones im Februar dieses Jahres zur neuen Präsidentin von MSNBC berufen wurde, beeilte sie sich, ihre Zukunftsvorstellungen kundzutun. Es war dabei nicht zu überhören, dass sie „harten Nachrichten“ gegenüber dem „opinion programming“ den Vorzug gibt. Und es dauerte nicht lange, bis bei MSNBC die abendlichen Stundensendungen mit Rachel Maddow, Lawrence O’Donnell und Brian Williams intern im Mittelpunkt großer Streitereien standen, denn diese Sendungen sind „opinion programs“. Und die Frage dürfte sein, inwiefern das so bleiben soll oder nicht.

Rachel Maddow hat inzwischen einen neuen Vertrag abgeschlossen, der ihr die Aufgabe zuweist, Projekte für MSNBC zu entwickeln, und der gleichzeitig die Möglichkeit offenlässt, von ihrer Abendsendung zurückzutreten. Jährlich 30 Mio Dollar, die Maddow zugesagt sind, dürften sich als hoher Anreiz herausstellen, auf die Vorstellungen von MSNBC-Präsidentin Rashida Jones in Richtung mehr harter Nachrichten zumindest zu einem gewissen Teil einzugehen und in der Programmentwicklung zu berücksichtigen. Denn gerade auf dem Feld harter Nachrichten ist der große Konkurrent CNN bislang stärker aufgestellt. Und im Konkurrenzkampf mit CNN besser zu bestehen, ist das Ziel der MSNBC-Präsidentin.

23.10.2021 – Ev/MK

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