USA: Facebook als neuer Anbieter von Videoinhalten

02.11.2018 • Über zwei Milliarden monatliche Besucher tauschen sich weltweit auf Facebook, dem populärsten aller Social-Media-Angebote, über nahezu alles aus, was in ihrem und ihrer Familie Leben passiert. Die meisten von ihnen haben aber noch nicht bemerkt, dass Facebook inzwischen mehr ist als nur eine Gedanken- und Gerüchtebörse. Allein in diesem Jahr hat das in Menlo Park in der Nähe von San Francisco beheimatete Unternehmen – das auch durch eine permanente Vernachlässigung des Datenschutzes auffällt – rund eine Milliarde Dollar für originale TV-Formate ausgegeben, die vor allem dazu erdacht wurden, um der zu Google gehörenden Videoplattform YouTube Konkurrenz zu machen, die von Facebook als größter Rivale betrachtet wird. Die Produktionen, die Facebook zeigt, sind Serien wie „Queen America“, eine Komödie mit Catherine Zeta-Jones, oder „Red Table Talk“, eine Talkshow mit Jada Pinkett-Smith.

Während die Rivalen Amazon, Apple und YouTube längst zu bedeutenden Mitspielern auf dem Content-Markt geworden sind und dem Broadcast- und Kabelfernsehen in den USA heftig Konkurrenz machen, hat Facebook auf diesem Sektor bisher nur eine zweite Geige gespielt. Die Zeit soll nun vorbei sein. Von kurzen Videos, die mit geringem Budget produziert werden, bis zu episodischen (Web-)Sendereihen, die ebenso ihren Platz im traditionellen Fernsehangebot haben könnten, sind die Weichen auf eine Ausdehnung der Aktivitäten gestellt.

Das Geld aus der Werbebranche

Bei alldem geht es nicht zuletzt um Geld, genauer gesagt: um viel Geld. Nämlich um einen Anteil an dem auf 28 Mrd Dollar angeschwollenen Werbevolumen des digitalen Videomarkts. Vorerst hat Facebook noch damit zu kämpfen, dass seine Aktivitäten auf diesem Gebiet von den potenziellen Zuschauern überhaupt wahrgenommen werden. Nach Angaben des Forschungsunternehmens Diffusion Group ist bisher nur etwa der Hälfte aller Facebook-Nutzer bekannt, dass es dort auch eine Videoplattform gibt.

Facebook tut derzeit alles, um daran etwas zu ändern. So etwas wie ein Durchbruch kam im September dieses Jahres mit der Serie „Sorry for Your Loss“, deren erste Folge 3,8 Mio Zuschauer anlockte und für die das Unternehmen bis zu eine Million Dollar pro Episode gezahlt hat. „Sorry for Your Loss“ ist eine Halbstundenserie über eine junge Witwe, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes mit Schmerz- und Verlustgefühlen zu kämpfen hat. Die ursprünglich für das Kabelnetwork Showtime geplante Serie, in der Elizabeth Olsen die Hauptrolle spielt, hatte ihre Premiere beim diesjährigen Toronto-Filmfestival und sammelte dort enthusiastische Kritiken ein.

Facebook nennt seine neue Aktivität „Facebook Watch“. Das Angebot ist seit dem vorigen Monat auch weltweit nutzbar. Wie die US-Fachzeitschrift „Variety“ berichtet, äußerten Facebook-Manager, die Aufmerksamkeit für „Facebook Watch“ wachse und man sei dabei, verschiedene Programmtypen auszuprobieren, um festzustellen, was bei den Facebook-Nutzern am besten ankomme. Einige der Shows und Sendungen hätten besonders bei jungen Nutzern deutliche Resonanz gefunden. Das ist für Facebook besonders wichtig, weil bei dessen Nutzern der Anteil der 18- bis 24-Jährigen in diesem Jahr um fast sechs Prozent zurückgegangen ist. Von dieser Nutzergruppe sind viele übergelaufen zu den Social-Media-Plattformen Instagram (gehört wiederum Facebook) und Snapchat.

02.11.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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