USA: Erneut gesunkene Einschaltquote für die Oscar‑Übertragung

12.02.2020 •

Schon in den beiden vergangenen Jahren war die Live-Übertragung der Oscar-Zeremonie für das Network ABC eine herbe Enttäuschung. Diesmal hatte man allgemein darauf gehofft, dass die Einschaltquoten wieder steigen würden, waren doch einige populäre Filme mit beliebten Schauspielstars unter den nominierten Preisanwärtern. Doch es kam anders als erwartet. 23,6 Mio Zuschauer waren diesmal in den USA vor den Bildschirmen dabei – und das sind 20 Prozent weniger als in dem ebenfalls schon schlechten Jahr 2019. Der Marktanteil in der für den Sender aus kommerziellen Gründen wichtigsten Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen fiel noch dürftiger aus: Er lag um 31 Prozent unter der Zahl des Vorjahres. Damit lieferte die Oscar-Zeremonie 2020 das schlechteste Ergebnis seit Bestehen der Übertragungen. Die bis dahin niedrigste Einschaltquote verzeichnete die Sendung im Jahr 2018. Damals hatte die Übertragung in den USA 26,5 Mio Zuschauer.

Es ist schwer zu sagen, worauf die rückläufige Sehbeteiligung zurückzuführen ist. Gewiss ist die allgemeine Umorientierung vom linearen Fernsehen auf das Videostreaming für einen Teil der enttäuschenden Zahlen verantwortlich. Zu vermuten ist aber, dass auch die Unterhaltungsqualität der Oscar-Zeremonie in den letzten Jahren zu stark gelitten hat, als dass die alte Begeisterung unverändert anhalten könnte. Mehrfach war die veranstaltende Filmakademie (Academy of Motion Picture Arts and Sciences) mit der Wahl ihrer Moderatoren in die Kritik geraten. Doch die daraus gezogene Konsequenz, die Sendung nun ganz ohne durchgehende Moderation ablaufen zu lassen, hat sich ebenfalls nicht als das Gelbe vom Ei erwiesen. Der Übertragung war in diesem Jahr eine Mechanik eigen, die ihr viel von ihrem einstigen Temperament raubte und ihr darüber hinaus durch die krampfhafte Betonung einer gegenüber Minderheiten weltoffenen Haltung einen Anstrich der Unehrlichkeit verlieh, denn die Realität sieht immer noch anders aus.

Die Erwartungen des Publikums

Das ließ sich auch nicht gutmachen durch die geschichtsträchtige Entscheidung, dem zuvor schon von der Presse mit reichlich Lorbeeren versehenen südkoreanischen Film „Parasite“ nicht nur den Preis für den besten internationalen Film sowie die Auszeichnungen für die beste Regie (Bong Joon Ho) und für das „beste Drehbuch zukommen zu lassen, sondern auch den Hauptpreis für den besten Film. Zum ersten Mal in der Geschichte der Akademiepreise hat damit ein nicht englischsprachiger Film (der in den USA nur untertitelt zu sehen ist) den Oscar für den besten Film erhalten.

Mit dieser Entscheidung befindet sich das Preisgremium zweifellos auf dem richtigen Weg, was die Würdigung künstlerischer Leistungen angeht, entfernt sich aber zugleich von den Erwartungen des breiten Publikums in den USA, dessen Mehrheit das Kino inzwischen mit aufwendigen Event-Filmen gleichsetzt, die an diesem Abend nahezu völlig ausgeklammert sind. Das dadurch entstehende Dilemma wird nicht leicht zu überwinden sein, zumal sich die Akademie in einem Zwiespalt zwischen ihren eigentlichen Aufgaben und den Forderungen des die Preisverleihung übertragenden Networks ABC befindet. Die Oscars wurden jetzt zum 92. Mal ergeben.

12.02.2020 – Ev/MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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