USA: Ein schlechter Tag für Präsident Trump und Fox News

03.09.2018 • Zwanzig Monate nach Donald Trumps Amtsantritt als Präsident der USA zweifelt niemand mehr daran, dass das amerikanische Volk in seinem politischen Denken so gespalten ist wie selten in seiner Geschichte. Die kaum noch verhandlungsfähige Polarität spiegelt sich nicht zuletzt auch in den Einschaltquoten der Nachrichtensender im Kabelangebot des amerikanischen Fernsehens wieder. Während CNN und MSNBC unverkennbar auf der Seite der Trump-Gegner stehen und das in ihren Sendungen auch deutlich zum Ausdruck bringen, bedient das zum Murdoch-Konzern gehörende Programm Fox News die Erwartungen der Trump-Anhänger. Der ideologische Gegensatz wird zweifellos noch dadurch gefördert, dass Präsident Trump Fox News fortwährend in der Öffentlichkeit rühmt, während er alle anderen TV-Nachrichtenprogramme pauschal der Verbreitung von Fake News bezichtigt.

Umso bemerkenswerter war jener Dienstag, der 21. August, an dem gleichzeitig Trumps früherer Wahlkampfleiter Paul Manafort wegen Banken- und Steuerbetrugs schuldig gesprochen wurde und Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen den Präsidenten der Zahlung von Schweigegeldern an zwei Frauen beschuldigte, mit denen der jetzige US-Präsident früher angeblich Affären hatte. Amerikanische Zeitungen und Fernsehkommentatoren hielten nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg, dass dieser Dienstag der bisher schlimmste Tag in der Zeit von Donald Trumps Präsidentschaft gewesen sei.

Die ideologische Spaltung der Nation

Schlimm war der Tag aber auch für Fox News. Selten zuvor hat der Sender seine seit dem Jahr 2002 unangefochtene Vorherrschaft bei den Fernsehnachrichten im Bereich der Kabelsender abgeben müssen, aber an diesem für Donald Trump markanten Tag passierte es: Fox News fiel bei der Berichterstattung auf den dritten Platz hinter MSNBC und CNN zurück. MSNBC verzeichnete in der für die Sender wichtigen Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen im Schnitt 709.000 Zuschauer, CNN 638.000 und Fox News 613.000. Und auch bei der Gesamtzahl aller Zuschauer schnitt MSNBC mit 3,3 Mio als bester Kabelsender ab. Rachel Maddow, die derzeit harscheste linksorientierte politische Fernsehkommentatorin und eine eingefleischte Trump-Gegnerin, versammelte am 21. August sogar die zweithöchste Zuschauerzahl ihrer gesamten MSNBC-Karriere vor dem Bildschirm.

Die Zuschauerquoten dieses einen Tages fanden in der amerikanischen Presse denn auch überdurchschnittliche Beachtung. Viele halten sie für ein Zeichen, dass Fox News seine Führungsposition unter den Kabelnachrichtensender nicht wird halten können, wenn auf Präsident Trump weitere schlechte Nachrichten zukommen. Man ist überwiegend der Ansicht, dass die tiefe ideologische Spaltung der amerikanischen Nation sich gerade auf dem Kabelfernsehmarkt weiter ausprägen wird, als bisher angenommen wurde. Da wird es Donald Trump dann auch kaum mehr helfen, wenn er die Berichterstattung von Fox News in den Himmel hebt und alle anderen Nachrichtenmedien, nicht nur Fernsehsender, als Teufelszeug verdammt.

03.09.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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