USA: Ein Nielsen-Konkurrent ermittelt Streaming‑Erfolge

27.08.2020 •

Das Marktforschungsinstitut Nielsen Media Research gilt Produzenten, Networks und Analytikern seit Jahrzehnten als Hauptquelle für die Beurteilung von Erfolg und Misserfolg des Fernsehangebots. Mit ausgeklügelten Messmethoden ermittelt Nielsen das Sehverhalten eines ausgewählten Publikums und gibt so den Medienunternehmen empirische Anhaltspunkte für die Rezeption ihrer Programme. Doch für die nicht auf eine spezielle Ausstrahlungszeit fixierten, sondern rund um die Uhr verfügbaren Angebote der Video-on-Demand-Plattformen passt das Nielsen-System nur noch sehr bedingt. Um den langfristigen Wert einer Sendung im Zeitalter des Streamings zu ermitteln, bedarf es anderer Kategorien und Beobachtungen des Zuschauerverhaltens.

Ein System dafür hat ein noch junges, inzwischen aber bereits weltweit präsentes Unternehmen mit dem Namen Parrot Analytics entwickelt, das nicht nur Zuschauer zählt, sondern das auch Trends und Nachfrage oder, wie Parrot-Chef Wared Seger es nennt, „demand expressions“ in die Beurteilungen einfließen lässt. Dazu gehört das Miteinbeziehen der Google-Suche ebenso wie von Facebook-„Likes“ und Wikipedia-Nachfragen für entsprechende Streaming-Produktionen. Im Grunde ist es das ganze Internet, das Parrot Analytics durchforscht, um die Popularität einer Serie oder eines Films zu bestimmen. Neben Aussagen über das Publikumsinteresse an einzelnen Produktionen erstellt Parrot Berichte zur Beliebtheit bestimmter Programmkategorien und Genres, zum Alterungsprozess von Serien und zur unterschiedlichen Attraktivität in verschiedenen Regionen der Welt.

Kunden: Amazon, Google, Disney

Man muss sich an die bei Parrot verwendete Sprache erst gewöhnen. Dort ist nicht mehr von Einschaltquoten, Sehbeteiligung oder Marktanteilen die Rede, sondern von den erwähnten „demand expressions“, die vom Unternehmen gesammelt werden und dann im Vergleich zu einem ermittelten Durchschnittswert Auskünfte über Erfolg und Nachfrage geben. Inzwischen, so hieß es schon in einem „Global Television Demand Report“ der Firma vom 8. Oktober 2019, verfolge das Unternehmen 1,5 Milliarden tägliche „demand expressions“ in mehr als 200 Ländern der Welt, um die Inhalte zu ermitteln, die bei den Zuschauern am gefragtesten sind und die sie am häufigsten einschalten. Kein Wunder, dass die Liste der Parrot-Kunden in letzter Zeit eindrucksvoll gewachsen ist und Konzerne wie Amazon, Google, Warner Media und die Walt Disney Company umfasst. Soweit feststellbar, gehört Netflix bisher nicht dazu.

Gerade der Streaming-Marktführer Netflix aber ist es, der laut den Ermittlungen von Parrot Analytics derzeit die attraktivsten Produktionen anbietet. Für die Zeit zwischen Januar und April dieses Jahres erklärte Parrot die Netflix-Fantasy-Serie „The Witcher“ zu einem der am stärksten bevorzugten Angebote. Eine von Parrot erstellte Liste der zehn beliebtesten Produktionen quer durch die verschiedenen Plattformen enthält für Juni 2020 allein sieben Serien, die bei Netflix zu sehen sind bzw. von Netflix stammen, und zwar „13 Reasons Why“, „Stranger Things“, „The 100“ (lief auch beim Network CW), „The Walking Dead“ (auch AMC), „Marvel Agents of SHIELD“ (auch Hulu und ABC), „The Flash“ (auch CW) und die deutsche Netflix-Eigenproduktion „Dark“. Als gefragtestes Genre hat Parrot Science-Fiction-Dramen ausfindig gemacht, gefolgt von Superhelden-Filmen und -Serien, Krimis und Komödien. An der Spitze der Zehner-Liste vom Juni steht im Übrigen die Serie „Game of Thrones“ (HBO, HBO Now HBO Max).

27.08.2020 – Ev/MK

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