USA: Disney hat Fox gekauft – und was kommt dann?

26.01.2018 • Die Übereinkunft, dass die Walt Disney Company Rupert Murdochs Unternehmen 21st Century Fox für 52 Mrd Dollar kaufen will, liegt nun schon anderthalb Monate zurück. Doch die Aufregung, die der Mega-Deal in der Film- und Fernsehbranche verursacht hat, ist keineswegs geringer geworden. Allgemein wird die Fusion zweier so mächtiger Unternehmen inzwischen als „die größte Gegenoffensive einer traditionellen Mediengesellschaft gegen die Technologie-Giganten“ angesehen („New York Times“).

Die sich rasch ausweitende Konkurrenz durch die großen Firmen aus dem Silicon Valley begründet auch die Hoffnung der Beteiligten auf eine Genehmigung des Deals von Seiten des amerikanischen Justizministeriums. Doch erst vor wenigen Wochen, Ende November 2017, blockierte das Justizministerium den letzten großen Konsolidierungsversuch in der Medien- und Telekommunikationsbranche – die 85 Mrd Dollar teure Akquisition von Time Warner durch AT&T. Derzeit wird dieses Übernahmevorhaben vor Gericht geprüft (vgl. MK-Meldung).

Sky-Gruppe künftig Teil von Disney

Sofern der Deal zwischen Disney und Fox in die Tat umgesetzt werden kann, erwürbe Disney dadurch auch das Produktionsunternehmen 20th Century Fox und somit eines der wichtigsten Filmstudios in Hollywood, eine Produktionsstätte, die schon 1935 gegründet wurde, deren Suchscheinwerfer im Vorspann ihrer Filme schon Marilyn Monroe berühmt gemacht und Filme wie „Star Wars“ und „Avatar“ zu Milliarden-Dollar-Erfolgen geführt haben. Die zwischen den beiden Konzernen geschlossene Kaufvereinbarung sieht außerdem vor, dass die europäische Pay-TV-Gruppe Sky mit ihren Ablegern in Großbritannien, Deutschland und Italien künftig ebenfalls Teil von Disney wird.

Nicht enthalten in dem Vertrag mit Disney sind das Fox-Network, die Nachrichtensender Fox News und Fox Business sowie die Sportkanäle von Fox. Rupert Murdoch wird auch die Kontrolle über seine Zeitungsunternehmen behalten, zu denen unter anderem das Wirtschaftsblatt „The Wall Street Journal“ gehört.

Die Philosophie hinter dem Deal ist Disneys Absicht, sich durch die Integration von 21st Century Fox eine kaum zu übertreffende Führungsposition auf dem Streaming-Markt der Zukunft zu sichern. Mit dem Broadcast-Network ABC und den Sportsendern von ESPN steht Disney in den traditionellen Medien längst auf festen Beinen. Mit den Übernahmen der Filmstudios Pixar, Lucasfilm und Marvel in den vergangenen Jahren hat sich der von Robert Iger geleitete US-Konzern für eine lange Zeit die besten Quellen für die Produktion von heißbegehrten Kino- und Fernsehfilmen gesichert. Mit der Beteiligung am Streaming-Anbieter Hulu, die durch den Deal mit Murdoch auf 60 Prozent erhöht würde, und der für 2019 vorgesehenen Einführung von zwei eigenen Streaming-Diensten hat Disney zudem die Weichen gestellt, um jedem Konkurrenten aus dem Technologiesektor Paroli bieten zu können (vgl. hierzu diese MK-Meldung).

Rupert Murdoch, der sein ganzes Leben lang zukünftige Entwicklungen auf dem Mediensektor mit verblüffender Hellsichtigkeit vorausgesehen hat, scheint sich darüber klar zu sein, dass 21st Century Fox allein nicht mächtig genug ist, um dem Ansturm von Netflix, Amazon, Apple und Google auf Dauer standzuhalten. Der 66-jährige Robert Iger – der seit 2005 an der Spitze der Walt Disney Company steht und seinen Posten eigentlich im Jahr 2019 räumen wollte – sieht in dem Vertrag mit Fox nun eine Möglichkeit, sein Lebenswerk mit einem zukunftsträchtigen Coup zu beenden. Er hat Murdoch nun zugesagt, bis Ende 2021 bei Disney zu bleiben und damit die Fortsetzung seiner Integrationspolitik zu garantieren.

Wachsen, um wirtschaftlich zu überleben

Und wo bleiben in Zukunft die vielen Medienunternehmen, die bisher schon Mühe hatten, mit Kolossen wie Disney mitzuhalten? Sie alle sind in heller Aufregung, so viel ist klar. Und sie werden nicht zögern, sich ebenfalls nach Partnern umzusehen oder mögliche Akquisitionen in den Blick zu nehmen, um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern. „Sony Pictures Entertainment, CBS Corp., Viacom Inc., Liberty Media Corp., Lionsgate und Metro-Goldwyn-Mayer, sie sehen auf einmal wie Leichtgewichte unter den Riesen aus“, hieß es in der „New York Times“ unlängst.

Shari Redstone, die inzwischen tonangebende Tochter des betagten Viacom-Moguls Sumner Redstone, redet bereits offen über die Möglichkeit, die Ende 2005 umgesetzte Trennung von CBS und Viacom rückgängig zu machen. Sony könnte interessiert sein, die in jüngster Zeit mit den „Hunger-Games“-Filmen und der Serie „Orange Is the New Black“ erfolgreiche Produktionsfirma Lionsgate unter seine Fittiche zu nehmen. Das Filmproduktionsstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), das seit seiner Neuorganisation im Jahr 2010 auch wieder im Verleihgeschäft tätig ist, hat John Malones Interesse geweckt, es mit seinem Unternehmen Liberty Media zu vereinen.

Und der Medienriese Comcast, der mit seinen Käufen von NBC-Universal und Dreamworks Animation der Initiator der neuen Konsolidierungswelle war, will durch weitere Übernahmen die zu geringe Flächendeckung seiner Abonnementbasis in den USA erweitern. „In diesem Klima“, sagt Tony Vinciquerra, der neue Chef von Sony Pictures, „müssen die Studios entweder wachsen oder sie werden zum Ziel einer Akquisition. Ich ziehe es vor, das Erstere zu tun.“

26.01.2018 – Franz Everschor/MK

Print-Ausgabe 3-4/2018

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