USA: Die Kurzvideo-Plattform Quibi ist bereits gescheitert

11.11.2020 •

Gerade mal sechs Monate hat Jeffrey Katzenbergs Kurzvideo-Plattform Quibi existiert. Auch unter normalen Verhältnissen wäre das zu wenig, um ein endgültiges Urteil über Erfolg oder Misserfolg des in der Branche von Anfang an umstrittenen Unternehmens zu fällen. Ein komplettes Streaming-Angebot auf der Idee aufzubauen, dem Publikum vorzugsweise zum Anschauen auf dem Handy Serien verschiedenster Provenienz in Fünf- oder Zehn-Minuten-Häppchen anzubieten, war aber auch ohne die alles verändernde Corona-Pandemie ein von vielen angezweifeltes Wagnis. Es wird sich kaum klären lassen, worauf der rasche Exitus von Quibi letztlich mehr zurückzuführen ist: auf das allzu waghalsige Konzept oder auf die rigorose Veränderung der Lebensgewohnheiten im Gefolge des sich ausbreitenden Virus. Fest steht nur, dass es den mutigen Video-Neuling seit Mitte Oktober nicht mehr gibt.

Das Ende des Unternehmens kam schneller, als selbst die Pessimisten es erwartet hatten. Rund 200 Angestellte und Dutzende von Serien-Vorhaben bleiben auf der Strecke. Es war Jeffrey Katzenberg gelungen, viele große Künstler und Produzenten für Quibi zu gewinnen – von Steven Spielberg über Steven Soderbergh und Jennifer Lopez bis hin zu der erfolgreichen Horrorfilm-Produktionsfirma Blumhouse; auch Sender wie NBC, ESPN und die BBC waren dabei. Das Broadcast-Network CBS hatte sogar begonnen, eine spezielle Variante seines Nachrichtenmagazins „60 Minutes“ für Quibi zu produzieren. Doch der erhoffte Erfolg des Projekts blieb aus: Im dritten Quartal 2020 erreichte Quibi nur 710.000 Abonnenten, 300.000 weniger als im Quartal zuvor. Der Frage, ob die junge Zuschauergeneration tatsächlich darauf versessen ist, Serien in kleinen Happen auf ihren Smartphones anzusehen, bleibt nach dem gescheiterten Test nun erst einmal unbeantwortet.

Was wirklich erschüttert, ist der Umstand, dass Quibi so schnell an sein Ende kam, obwohl Katzenberg es geschafft hatte, sogar die größten Mitspieler im Hollywood-Geschäft für das Projekt zu erwärmen, Firmen wie Disney, NBC Universal, Warner Media und Sony, die insgesamt rund 2 Mrd Dollar in seine Idee investiert haben. Niemand hätte wohl mehr Unterstützung in so kurzer Zeit finden können. Es spricht für Katzenberg, dass er nicht weiter Geld verpulvert hat, sondern sich so konsequent zeigte, kurz und bündig Schluss zu machen. In einer Stellungnahme zum Ende von Quibi machte er auch nicht die Virus-Pandemie allein für das Scheitern verantwortlich, sondern er hinterfragte auch sein Management des Projekts. Diesbezüglich bat er alle, die an sein Konzept geglaubt hätten, um Entschuldigung. „Alles, was jetzt noch bleibt“, so heißt es in der Stellungnahme, „ist, eine tief empfundene Entschuldigung dafür anzubieten, dass wir euch enttäuscht und letztlich im Stich gelassen haben.“ (Vgl. zum Thema Quibi diese MK-Meldung und diese MK-Meldung.)

11.11.2020 – Ev/MK

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