USA: Die Gewinner und Verlierer im TV‑Jahr 2019

23.01.2020 •

Für das Geschäft mit Fernsehen und Videostreaming stellte sich 2019 sozusagen als das Jahr vor der Schlacht dar. Im November lieferten Apple und Disney erste Kostproben, wie der Kampf der Giganten in Zukunft aussehen wird: Sie brachten ihre Streaming-Plattformen Apple TV plus und Disney plus auf den Markt. „Die nächsten 18 Monate werden entscheiden, wo das Geschäft in den nächsten 20 Jahren hingeht“, sagt Steve Mosko, unter anderem früherer Chef von Sony Pictures Television und inzwischen heute einer der Industrieveteranen der USA. Dass sich die Erde unter ihren Füßen bewegt wie seit langem nicht mehr, haben die Unternehmen des amerikanischen Mediensektors, in dem es in den vergangenen anderthalb Jahren zu einer weiteren Konzentration kam, allerdings längst schon gespürt.

Wie jetzt vorliegende, vom Fachblatt „Variety“ veröffentlichte Zahlen zur Fernsehnutzung 2019 zeigen, ist nach den Erschütterungen des vergangenen Jahres jetzt schon abzusehen, wer am meisten zu leiden haben wird. Es sind, was kaum überrascht, die alteingesessen Networks, die mit ihren linear ausgestrahlten Programmen zwar immer noch die höchsten Zuschauerzahlen erzielen, deren Publikum aber immer älter und deren Volumen im Vergleich zu den Vorjahren immer kleiner wurde. Dass die Broadcast-Networks CBS, NBC, ABC und Fox (in dieser Reihenfolge) nach wie vor an der Spitze der Einschaltquoten-Rangliste stehen, haben sie bei Licht betrachtet nur dem Sport zu verdanken. Immerhin waren es zwischen 4,6 Mio und 7,1 Mio Zuschauer, mit denen die Networks im Durchschnitt für ihre Programme rechnen konnten. Dennoch konnte nur Fox sein Publikum vergrößern (um magere 3 Prozent), während die Konkurrenten Einbußen hinnehmen mussten. Am härtesten traf es das Network NBC, dessen Zuschaueranzahl um 19 Prozent zurückging.

Streaming-Konkurrenz macht den Networks zu schaffen

Wie lange die alte Anhänglichkeit des amerikanischen Fernsehpublikums an die ihnen vertrauten Sender noch dauern wird, lässt sich ahnen, wenn man die Statistik sämtlicher linearen Networks auf sich wirken lässt. Im Plus liegen da gerade noch ein paar kleinere Sender wie Fox News (plus 1 Prozent Zuwachs 2019), TLC (plus 11), A&E (plus 4) und der Hallmark Channel (plus 3). Der Kampf ums Überleben hat begonnen.

Die 50 erfolgreichsten Sendungen des Jahres 2019 bestanden in den USA fast ausschließlich aus Sportübertragungen. Von außerhalb des Sports konnten sich da nur die Live-Übertragungen von der Oscar-Verleihung, von den Grammy Awards und von den Golden Globes einreihen (auf den Plätzen 4, 17 und 19) sowie die ein oder andere Folge der CBS-Serien „The Big Bang Theory“ und „NCIS“. Nicht viel besser sieht es auch auf dem Sektor der Basic-Cable-Networks aus, also jener Kabelsender, die gebührenfrei empfangen werden können. In der Hauptsendezeit zum Beispiel verlor AMC 22 Prozent seiner Zuschauer, FX 21 Prozent, das USA Network 18 Prozent, TNT 14 Prozent und die Einschaltquote von OWN und TBS sank um jeweils 17 Prozent.

Wären es nur die rückläufigen Quoten, von denen die meisten traditionellen Networks in den USA betroffen sind, so ließe sich damit für die Veranstalter vielleicht noch zurechtkommen. Doch die Folgeerscheinungen der fortschreitenden Umschichtung des Publikumsinteresses hin zu immer mehr Streaming-Angeboten schließen auch negative Konsequenzen bei den Gebühren ein, die angeschlossene Sender an die Networks zahlen, wie auch bei den Umsätzen aus der Werbung. Das alles wird sich wie schon absehbar ist, verschlimmern, wenn erst einmal in diesem Frühjahr auch noch die Plattformen Peacock (von NBC/Comcast) und HBO Max (von Warner Media) hinzukommen wie auch Jeffrey Katzenbergs mit besonderer Neugier verfolgtes Projekt Quibi, das Filme, die in mehrere fünf bis zehn Minuten lange Mini-Episoden zerlegt sind, speziell fürs sukzessive Anschauen auf dem Handy anbieten wird (vgl. diese MK-Meldung).

23.01.2020 – Ev/MK